2020: Geopolitische Trends

Welche Trends sind auf geopolitischer Ebene für das Jahr 2020 zu erwarten? Eine kleine Übersicht.

Von Marco Maier

Das Jahr 2020 ist erst ein paar Tage alt. Ein guter Zeitpunkt, einige geopolitische Trends für die nächsten Monate aufzuzeigen.

Eigentlich sind Vorwahlzeiten in den USA recht kritisch, wenn es um die Außenpolitik geht. Gerade dann, wenn Präsidentenwahlen anstehen. Normalerweise versucht der Amtsinhaber, keinen neuen Krieg vom Zaun zu brechen um die Wiederwahlchancen zu erhöhen, während die Opposition genau das Gegenteil tut. Doch offensichtlich scheinen Trump und die Republikaner derzeit tatsächlich eine “kontrollierte Eskalation” mit dem Iran voranzutreiben, um (wie so oft…) einen “plausiblen Grund” für einen Waffengang zu finden.

Die Frage ist: werden die Amerikaner den Militärisch-industriellen Komplex dabei unterstützen, den potentiellen Ausbruch des Dritten Weltkrieges auszulösen? Sind sie schon so gehirngewaschen, dass sie jeden noch so lächerlichen Vorwand akzeptieren werden, um Tod, Leid und Zerstörung über die Welt zu bringen?

Die Zeiten in Lateinamerika bleiben volatil. Es ist möglich, dass sich der “Südamerikanische Frühling” in Form von Massenprotesten gegen Regierungen ausweiten. Venezuela, Chile, Ecuador und Bolivien werden wohl kaum die einzigen Unruheherde bleiben. Argentinien und auch Brasilien sollten im Blick behalten werden.

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Auch ein US-geführter Putsch in Nicaragua bleibt möglich. Das mittelamerikanische Land steht schon seit einiger Zeit im Fokus der CIA für einen Regime Change. In Sachen Kuba dürfte es hingegen wie schon in den letzten Jahren weitergehen – es gibt seitens des US-Establishments kaum Ambitionen, dort auch noch mitzumischen.

In Europa bleibt die politische Lage angespannt. Die beiden großen Länder Deutschland und Frankreich (Italien spielt keine Rolle, da politisch zu instabil) wetteifern um die Führungsrolle. Aber mit Polen hat Ambitionen, die mittelosteuropäischen Staaten anzuführen und ein Gegengewicht zu bilden. Außenpolitisch werden sich die Gegensätze zwischen den Transatlantikern und den “Euronationalisten” (jene, die zuerst auf die EU-Interessen achten wollen) zunehmen, da Russland (und China) für Letztere eine wichtige Rolle spielen.

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Afrika bleibt ein schwieriges Terrain. Im Nordwesten tummeln sich viele islamistische Gruppen, die eine überregionale Gefahr darstellen und der gesamte Kontinent avanciert zunehmend zum Konfliktpunkt in Sachen Einflusssphären. Sowohl die USA und China, aber auch die EU (da vor allem Frankreich) und Russland kämpfen um Macht und Einfluss. Dabei werden sie sich noch in die Quere kommen.

In der sogenannten “MENA”-Region (Middle East, North Africa) macht sich einerseits der Neo-Osmanismus des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stärker bemerkbar, wie die Interventionen in Syrien und nun auch in Libyen zeigen. Es bleibt zu erwarten, dass in Syrien Präsident Assad seine territoriale Macht weiter ausbaut und festigt, während gleichzeitig der Friedensprozess unter Mediation von Moskau, Teheran und Ankara weiterläuft. Die Frage ist nur, ob es nun zu einem neuen Golfkrieg rund um den Iran kommt oder nicht.

Und in Südasien? Afghanistan dürfte bei einem Friedensdeal mehr Macht für die Taliban mit sich bringen und Pakistan wird sich enger an China anbinden. Indien dürfte sich größeren ethnisch-religiösen Spannungen gegenübersehen, zumal die regierende Hindu-nationalistische BJP vor allem die große muslimische Minderheit immer stärker unter Druck setzt.

Ostasien bleibt von Chinas Expansion, dem Korea-Konflikt und den Spannungen zwischen Tokio und Seoul geprägt. Hongkong wird ein Unruheherd bleiben, Taiwan wohl noch nicht “Heim ins Reich der Mitte” gebracht. Peking kann sich zu viele Konflikte (neben Xinjiang, Hongkong und dem Südchinesischen Meer auch noch Taiwan) nicht leisten.

Südostasien wird zunehmend in den Fokus islamistischer Gruppen geraten, zumal viele IS-Kämpfer einsickern. Die Philippinen, Indonesien und Malaysia sehen sich hier großen Herausforderungen gegenüber. Auch stellt sich die Frage, ob die von Washington unterstützte thailändische Opposition an Stärke gewinnt und so für innenpolitische Turbulenzen sorgt.

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Generell darf man weitere Versuche der USA erwarten, die südostasiatischen Länder gegen China in Stellung zu bringen und die Volksbefreiungsarmee (PLA) einzuhegen. Die Philippinen weigern sich unter Präsident Duterte bereits dagegen – werden noch andere Länder diesem Beispiel folgen?

Wie man sieht, bleibt es auch in diesem Jahr spannend. Es gibt viele Konfliktherde, die Eskalationspotential besitzen.

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