Mit der Sanktionswaffe zur Selbstzerstörung

Washington schießt sich mit dem übermäßigen Einsatz der Sanktionswaffe selbst ins Knie. Selbst „Alliierte“ wenden sich sukzessive ab und unterstützen die neue multipolare Weltordnung.

Von Marco Maier

In der US-amerikanischen Außenpolitik gehört die Androhung bzw. der Einsatz von Sanktionen zum alltäglichen Standard. Ob damit nun „Schurkenstaaten“ (also jene, die es nach US-Definition sind) oder Mitbewerber im globalen Markt getroffen werden sollen, spielt kaum eine Rolle. Grundsätzlich gilt in Washington nämlich das Credo, dass Sanktionen eine Universalwaffe sind, die man nach Belieben einsetzen kann.

Momentan stehen der Iran, Nordkorea, Kuba, Venezuela, Syrien, Russland und China auf den Spitzenplätzen der sanktionierten Länder. Der Hauptgrund dafür ist, dass sie sich nicht der US-Hegemonie unterwerfen wollen, die schlussendlich nur einer kleinen Oberschicht, dem Establishment, dient und ihre Macht und ihren Einfluss global sichern soll.

Dabei scheut man auch nicht davor zurück, die eigenen „Partner“ und „Alliierten“ zu bedrohen und zu erpressen, wenn diese den Sanktionen nicht Folge leisten. Das jüngste Theater um die Erdgaspipleline „Nord Stream 2“ von Russland über die Ostsee nach Deutschland ist ein Paradebeispiel. Auch die US-Sanktionen gegen den Iran, die nach der einseitigen Aufkündigung des Nuklearabkommens mit dem Iran durch Washington (wieder) eingesetzt wurden, treffen die US-Verbündeten in Europa. Europäische Unternehmen mussten ihre zwischenzeitlich getätigten Investitionen im Iran faktisch abschreiben und bereits abgeschlossene Deals mit Teheran auf Eis legen, wenn sie das US-Geschäft nicht riskieren wollen.

Mit dieser Erpressungspolitik gegen die sogenannten „Verbündeten“ macht Washington nur deutlich, dass diese für das US-Establishment lediglich – tributpflichtige – Vasallen sind. Tributpflichtig deshalb, weil sie den US-amerikanischen Militärisch-industriellen Komplex gefälligst mit Waffenkäufen unterstützen sollen. Wer das nicht tut, wie beispielsweise die Türkei mit dem S-400-Kauf, wird bedroht, sanktioniert und scharf kritisiert. Wer beim Russen (oder Chinesen) kauft, füllt nämlich nicht die Konten der westlichen Finanzoligarchie.

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Dies wird auch durch den „Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act“ (CAATSA) deutlich, der nicht nur das NATO-Mitglied Türkei ins Visier nimmt, sondern auch viele andere Länder der Welt, darunter auch Indien, Vietnam, die Philippinen und so weiter. Die Parole „Kauft nicht beim Russen!“ gilt, weil Washington den eigenen Rüstungskomplex unterstützen will. Die Welt soll gefälligst US-Waffen kaufen, auch wenn diese deutlich teurer sind als die russischen Pendants (unter anderem auch deshalb, weil in den USA mehrere Ebenen abkassieren wollen und nicht nur eine wie in Russland).

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Ein Kommentar

  1. Die Amis/Regierung sind Pokerspieler. Im Moment setzen sie die Wirtschaft als Ersatz gegen die Ungewissheit im Militärbereich ein, was Russen können. Können die Russen wirklich mehr als AMIS? Würde doch Sinn machen, militärisch loszuschlagen, wenn das Material reicht !?
    Den Amis wär das nicht passiert. Siehe Hiroshima.
    In Rußland gibt es neben Kommunisten auch Oligarchen. Wer hat denn nun die Macht?
    In Syrien wird geklaut, solange die Zentralregierung nicht stark genug ist.

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