Japan & Südkorea: Geburtenraten auf Rekordtief

Japan und Südkorea steuern in eine demographische Katastrophe. Die Geburtenraten sinken immer weiter ab. Doch es gibt auch Chancen.

Von Redaktion

Japan erlitt diese Woche seinen jüngsten demografischen Schlag, als ein Bericht veröffentlicht wurde, der zeigte, dass das Land 2019 die niedrigste Geburtenrate seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1899 aufwies. Der Bericht, der am Dienstag vom Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales veröffentlicht wurde, ergab, dass die Anzahl der Geburten im Jahr nur 864.000 betrug, berichtete CNN.

Dies bedeutet, dass die Zahl der Neugeborenen gegenüber dem Vorjahr um 54.000 gesunken ist und das vierte Jahr in Folge die Marke von einer Million unterschritten hat, stellte CNN fest. Zusammen mit der Rekordzahl an Todesfällen nach dem Krieg – 1,3 Millionen im Jahr – musste Japan 2019 einen jährlichen Bevölkerungsrückgang von 512.000 hinnehmen – ein weiterer Rekord.

In Japans Nachbarland Südkorea ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Im Oktober verzeichnete das Land die niedrigste monatliche Zahl von Geburten seit Beginn der Erstellung entsprechender Statistiken im Jahr 1981. Seit 43 Monaten ist die Zahl rückläufig. Südkoreas nationale Fertilitätsrate – die durchschnittliche Anzahl von Geburten, die eine Frau in ihrem Leben verzeichnet – erreichte in diesem Jahr ein nationales Tief von 0,88.

Wenn sich die gegenwärtigen Trends fortsetzen, wird die Bevölkerung von heute 51,7 Millionen auf 39 Millionen im Jahr 2067 sinken. So schrieb die zweitgrößte Zeitung des Landes, Joongang Ilbo, letzten Monat in einem Leitartikel in Bezug auf die Geburtenrate: „Das Land ist auf dem Weg zu einer demografischen Klippe … die sinkende Bevölkerung ist eine ebenso große Bedrohung für die Nachhaltigkeit Südkoreas wie die nordkoreanischen Atombomben.“

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Die Website World Population Review stellte fest, dass die Länder mit den niedrigsten Geburtenraten im Jahr 2019 Südkorea und Hongkong waren. Die meisten der höchsten befanden sich in Afrika südlich der Sahara.

Und die sinkenden Raten sind nicht nur in Asien zu finden. Die meisten G7-Staaten sehen ähnliche demographische Trends.

Laut einem Bericht von Pew Research aus dem August verzeichnete Italien die niedrigste Gesamtzahl an Neugeborenen im Jahr 2018, während die USA aufgrund eines kontinuierlichen Rückgangs über viele Jahre die niedrigste Anzahl an Neugeborenen seit 32 Jahren verzeichneten.

Im Jahr 2100 wird das weltweite Durchschnittsalter 41,9 Jahre betragen, während es in Japan 53,8 Jahre, in Italien 53,4 Jahre, in Frankreich 49,5 Jahre, in Deutschland 48,5 Jahre, in Großbritannien 47,5 Jahre und in den USA 45,5 Jahre betragen wird.

Einige Ökonomen befürchten, dass die demografische Entwicklung eine Vorwarnung für unruhige Tage sind. Eine kleinere und ältere Bevölkerung bedeutet einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung und einen Rückgang der Wirtschaftsleistung sowie eine zunehmende Belastung der staatlichen Renten- und Gesundheitsdienste.

Es gibt jedoch einige Vorteile. Eine davon ist die sinkende Arbeitslosigkeit – ein Faktor, den Japan bereits genießt. Im Sinne des wissenschaftlichen Fortschritts kommt ein Anreiz für die Entwicklung von Automatisierung und KI hinzu. In den Bereichen Pflege, Gesundheit, Freizeit und Soziales für Senioren wird ein starkes Wachstum erwartet.

Man kann diese Entwicklung allerdings auch sonst positiv sehen: Weniger Menschen bedeuten einen niedrigeren Ressourcen- und Flächenverbrauch. Wenn man die wachsende Produktivität durch Automatisierung entsprechend umverteilen kann, ergeben sich auch kaum soziale Reibungspunkte. Das heißt, man müsste Steuern auf Unternehmens- und Kapitalgewinne in die Sozialkassen umleiten, weil die Beiträge aus den Sozialabgaben nicht mehr ausreichen. Und das eben so lange, bis sich eine Stabilisierung der Bevölkerung einstellt.

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