Die USA steuern in ein Raketen-Wettrüsten mit China

Mit der Ankündigung, Mittelstreckenraketen in Ostasien stationieren zu wollen, begibt sich Washington auf einen gefährlichen Pfad.

Von Marco Maier

Die Amerikaner traten aus dem INF-Vertrag aus und produzieren bereits bodengestützte Mittelstreckenraketen, die zuvor verboten waren. Ziel ist neben Russland vor allem China, welches als Hauptherausforderung betrachtet wird. Doch die aggressive Haltung gegenüber dem Reich der Mitte sorgt dafür, dass es offensichtlich zu einem neuen Wettrüsten kommt.

Schon jetzt produzieren die chinesischen Schiffe jährlich deutlich mehr fortschrittliche Kriegsschiffe als alle NATO-Werften zusammen. Wenn die Amerikaner nun glauben, auf den Inseln in Ostasien Raketenbatterie um Raketenbattier installieren zu können, die in Richtung China zielen, ohne dass dies zu entsprechenden Gegenmaßnahmen Pekings führt, haben sie sich wohl geschnitten.

Denn wenn die Chinesen schon in der Lage sind, deutlich mehr Zerstörer zu bauen als der ganze Westen, wie sollen sie dann nicht auch bei der Produktion von Mittelstreckenraketen auf die Überholspur zu gehen? Diese sind noch einfacher, billiger und schneller zu produzieren als Kriegsschiffe.

In einem Bericht hat Peking schon dargestellt, welche Mittel aufgewendet werden müssten: Für läppische 2 bis 2,5 Milliarden Dollar können 50 Raketenwerfer-Trucks mit 400 Raketen gekauft werden. Und das geht vielleicht sogar noch billiger, wenn diese in chinesischer Massenproduktion gefertigt werden.

Loading...

Nicht zu vergessen, dass sich das Reich der Mitte bereits mit russischen S-400-Luftabwehrsystemen eingedeckt hat, die weite Teile des Ostchinesischen Meeres abdecken. Wahrscheinlich werden die meisten der amerikanischen Raketen im Falle eines großangelegten Angriffs auf die dichtbesiedelte Küstenregion ohnehin abgefangen und vernichtet.

Auch sollte man nicht vergessen, dass die lokale Bevölkerung von Südkorea über Japan und Taiwan bis hin zu den Philippinen wohl kaum davon begeistert sein werden, wenn ihre Ortschaften zum Ziel chinesischer Raketen und Bomben – und vielleicht sogar einer Invasion – werden, nur weil die Amerikaner dort ihre Raketenbasen installieren. Raketenbasen, die auf chinesische Schiffe und auf das chinesische Festland zielen.

Anstelle militärischer Bedrohungsszenarien (die lediglich nur der Rüstungsindustrie dienen) wären diplomatische Maßnahmen wohl deutlich sinnvoller. Vor allem muss man auch respektieren, dass Peking die unmittelbare Nachbarschaft eben als eigenen Vorhof und eigene Einflusssphäre betrachtet – so wie es auch die USA (und dort gleich mit dem ganzen amerikanischen Doppelkontinent), die EU und Russland tun. Ein „natürliches Verhalten“ von Großmächten eben.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.