Erdogan will gute Beziehungen zu Russland und zu den USA. Er wolle sich nicht zwischen beiden entscheiden müssen.

Von Redaktion

Ankara wird Russlands S-400-Raketenabwehrsysteme nicht aufgeben, auch wenn es in den USA hergestellte Patriot-Systeme erwirbt, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag bei seiner Rückkehr aus Washington.

„Wir sagten den USA, wenn sie uns ein Angebot für Patriot-Systeme unter geeigneten Bedingungen unterbreiten, werden wir sie kaufen. Wir finden jedoch das [US]-Angebot, die S-400 komplett aufzugeben, völlig falsch“, zitiert der Sender NTV Erdogan. „Wir werden die S-400 nicht zugunsten von Patriot aufgeben.“

„Es ist wichtig, dass wir S-400 in unserem Verteidigungssystem haben. Wir werden S-400 und Patriots kaufen, weil wir unser Verteidigungssystem auf vielfältige Weise weiterentwickeln. Dies ist die Strategie unserer Streitkräfte“, sagte er. Angesichts der unterschiedlichen Freund-Feind-Kennungen eine durchaus logische Entscheidung.

Erdogan hat die Wahl zwischen Russland und den USA als außenpolitischen Kurs der Türkei ausgeschlossen. „Es gibt Politiker, die mich fragen, wer der Feind ist: die USA oder Russland. Ich will keine Feinde. Ich möchte sowohl mit Amerika als auch mit Russland befreundet sein. Dies ist unser Ziel, und wir machen die entsprechenden Schritte in diese Richtung. Und einige sind besorgt darüber“, schloss der Präsident.

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Das Oval Office-Treffen, an dem auch eine Gruppe hochrangiger Senatoren, darunter Lindsey Graham, teilnahm, hätte für die beiden Staats- und Regierungschefs eine Gelegenheit sein können, eine Einigung über eine Vielzahl von Fragen zu erzielen, darunter den Kauf des russischen Raketensystems S-400 durch die Türkei. Dieses bedroht US-Kampfflugzeuge. Auch ein potenzielles Handelsabkommen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar als „Gegengeschäft“ für einen S-400-Stopp war im Gespräch. In beiden Fragen wurde jedoch keine Einigung erzielt.

„Wir reden ständig darüber. Wir haben heute darüber gesprochen. Wir reden in Zukunft darüber. Hoffentlich können wir diese Situation lösen“, sagte Trump über den Kauf des S-400 und fügte hinzu, dass die Staats- und Regierungschefs ihre Stellvertreter gebeten hätten, „unverzüglich an der Lösung des S-400-Problems zu arbeiten.“

Im November 2016 gab es Berichte, wonach Russland und die Türkei ein Abkommen über die Lieferung von S-400-Raketensystemen aushandelten. Im September 2017 bestätigte Moskau die Unterzeichnung des Vertrags, während der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekannt gab, dass die Türkei die Vorauszahlung bereits überwiesen hatte. Die ersten Raketensysteme wurden im Juli trotz der heftigen Opposition Washingtons in die Türkei geliefert.

Am 17. Juli gab der Pressesprecher des Weißen Hauses in einer schriftlichen Erklärung bekannt, dass die Entscheidung der Türkei, russische S-400-Raketensysteme zu kaufen, die weitere Teilnahme am Programm für die US-Kampfflugzeuge der fünften Generation, die F-35, unmöglich macht. Ankara plante den Kauf von 100 Jets und produzierte einen Teil der Ausrüstung und Montageteile für das Flugzeug.

Russlands S-400 Triumph (NATO-Berichtsname: SA-21 Growler) ist das neueste Langstrecken-Flugabwehr-Raketensystem, das 2007 in Dienst gestellt wurde. Es wurde zur Zerstörung von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen entwickelt und kann auch gegen Bodeninstallationen verwendet werden.

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