Bolivien: Musste Morales wegen Lithium gehen?

Der faktische Militärputsch geschah, nachdem Präsident Morales eine Vereinbarung mit einem deutschen Unternehmen stornierte. Musste er wegen dem Lithium gehen?

Von Marco Maier

Es gibt Zufälle und es gibt „Zufälle“. Vielleicht ist es auch nur eine „Verschwörungstheorie“, aber dort wo es um viel, sehr viel Geld geht, kann man Zufälle eigentlich ausschließen. Deshalb hier die Hypothese, dass Präsident Evo Morales deshalb vom Militär gezwungen wurde zu gehen, weil er die enormen Lithium-Vorräte nicht von ausländischen (in diesem Fall schon mal eine deutsche) Firmen ausbeuten lassen wollte.

Der linksgerichtete Morales hatte die Präsidentenwahl nach offiziellen Angaben äußerst knapp gewonnen. Die rechtsgerichtete Opposition sprach von Wahlfälschung und protestierte. Zwar kann man bei jeder Wahl in jedem Land davon ausgehen, dass sich das herrschende Establishment die Ergebnisse mehr oder weniger zusammenbiegt (selbst in Deutschland und Österreich gab es immer wieder publik gewordene Fälle), doch der Fall Morales bekam ein „G’schmäckle“, wie der Schwabe sagen würde.

Nach wochenlangen Protesten von Einwohnern des Potosí-Gebiets kündigte die Morales am 4. November die Vereinbarung mit dem deutschen Unternehmen ACI Systems Alemania (ACISA) für Dezember 2018. Die Region verfügt über 50 bis 70 Prozent der weltweiten Lithiumreserven in den Salar de Uyuni-Salinen.

ACISA liefert unter anderem Batterien an Tesla. Teslas Aktie stieg am Montag nach dem Wochenende. Wie Bloomberg News 2018 feststellte, hat dies das Land in den nächsten zehn Jahren unglaublich wichtig gemacht:

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Die Nachfrage nach Lithium wird sich bis 2025 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Das weiche, leichte Mineral wird hauptsächlich in Australien, Chile und Argentinien abgebaut. Bolivien hat eine Menge – 9 Millionen Tonnen, die noch nie kommerziell abgebaut wurden, die zweitgrößte Menge der Welt -, aber bis jetzt gab es keine praktische Möglichkeit, sie abzubauen und zu verkaufen.

Die Kündigung des ACISA-Vertrags durch Morales öffnete die Tür für eine Neuverhandlung des Abkommens mit Bedingungen, die der Bevölkerung der Region mehr Gewinn bringen, oder für die völlige Verstaatlichung der bolivianischen Lithiumgewinnungsindustrie. Etwas, das den globalen Finanzeliten nicht wirklich passt. Immerhin unterstützen sie ja die Klimareligion (wie ich in meinem Buch deutlich dargestellt hatte), da dies ein neuer Weg ist, noch mehr Geld, Macht und Einfluss zu gewinnen.

Wie Telesur im Juni berichtete, gab die Regierung Morales zu der Zeit bekannt, dass sie „entschlossen war, Bolivien zu industrialisieren, und große Summen investiert hat, um sicherzustellen, dass Lithium im Land verarbeitet wird, um es nur in wertschöpfender Form zu exportieren, beispielsweise in Batterien.“

Es ist unklar, wie die nächsten Schritte für die Branche in einem Post-Coup-Bolivien laut Stratfor, einem globalen Geheimdienst-Analyseunternehmen, aussehen werden:

Langfristig wird es die anhaltende politische Unsicherheit für Bolivien schwieriger machen, die Produktion strategischer Metalle wie Lithium zu steigern oder einen Wertschöpfungssektor auf dem Batteriemarkt aufzubauen. Das schlechte Investitionsklima kommt zu einer Zeit, in der die weltweiten Möglichkeiten zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien erweitert werden, um die steigende Nachfrage aus der Herstellung von Elektrofahrzeugen zu befriedigen.

ACISA teilte dem deutschen Sender DW vergangene Woche mit, das Unternehmen sei „zuversichtlich, dass unser Lithiumprojekt nach einer Phase der politischen Gelassenheit und Klärung wieder aufgenommen wird“. Am Sonntag trat Morales zurück.

Ein Zufall? Vielleicht. Aber hier geht es um einen Milliarden-Dollar-Markt. Und mit Senatorin Jeanine Añez Chávez von der Mitte-Rechts-Partei Demokatische Sozialbewegung als (selbsternannte! – woher kennen wir das? Ah ja, Venezuela und Guaido…) Interimspräsidentin, könnte sich noch einiges ändern. Die Mitte-Rechts-Parteien und die rechten Parteien sind grundsätzlich pro-USA ausgerichtet. Vielleicht findet sich jetzt ja ein US-amerikanisches Unternehmen, welches die Ausbeutung der Lithium-Ressourcen übernehmen möchte…

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2 Kommentare

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