Die Präsidenten Faustin Archange Touadera (Zentralafrikanische Republik) und Wladimir Putin (Russland). Bild: kremlin.ru

Russland erhöht den Einfluss auf Afrika, welches auch das Ziel anderer Großmächte ist. Dabei kann es durchaus punkten.

Von Vanand Meliksetian / Oilprice.com

Praktisch alle Großmächte haben ihre Augen auf Afrika gerichtet, da die globale Bedeutung des Kontinents wächst. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung verdoppeln, und es wird erwartet, dass die Wirtschaft neben dem Energieverbrauch erheblich wächst. Es sind diese Projektionen, die Russland dazu veranlasst haben, massiv in starke Beziehungen in der Region zu investieren, als das explosive Wachstum des Kontinents einsetzt. Ziel des Kremls ist es, Chinas Erfolg bei der Förderung wirtschaftlicher, diplomatischer und militärischer Beziehungen zu Afrika nachzuahmen. Um ein wichtiger Partner zu werden, organisiert Moskau vom 23. bis 24. Oktober das erste Russland-Afrika-Gipfeltreffen.

Sotschi, nach Moskau die faktische Hauptstadt Russlands, wird Gastgeber des Gipfels sein, auf dem Ägyptens Präsident Sisi als Ko-Vorsitzender eingeladen wird. Die Veranstaltung ist ein wichtiger Test für die russische Korpsdiplomatie und den Aufstieg des Landes als Weltmacht. Um die Unwirksamkeit westlicher Sanktionen und ihr Scheitern bei der Isolierung Moskaus zu demonstrieren, werden 50 Staatsoberhäupter zum Gipfel eingeladen.

Russland plante seine Version von Washingtons „Achse nach Asien“ nach dem Ukraine-Konflikt im Jahr 2014 und seiner relativen Isolation von westlichen Institutionen wie der G7. Trotz Moskaus Wunsch ist das Verhältnis zu China zugunsten von Peking verzerrt, wo ersteres aufgrund der überwältigenden Wirtschaftsmacht des letzteren als „Juniorpartner“ angesehen wird. Daher investiert der Kreml in die Beziehungen zu relativ schwächeren Ländern des afrikanischen Kontinents. Moskaus „Verhaltenskodex“ mit diesen Staaten ist die Zusammenarbeit in ihren Fachgebieten wie Energie, Sicherheit und Diplomatie.

Obwohl der Handel mit Afrika von 5,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 auf 20,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 gestiegen ist, wird diese Zahl seit 2005 durch Chinas Investitionen und Bauvorhaben in Höhe von 2 Billionen US-Dollar in der Region in den Schatten gestellt. Moskau hat jedoch einige Vorteile im Umgang mit afrikanischen Ländern. Erstens fungiert Russland als alternativer Partner für die diplomatische Unterstützung im UN-Sicherheitsrat. Zweitens verfügt es über einen erfahrenen staatlichen Energiesektor, der neben Öl- und Gasinvestitionen auch technologisch benachteiligten Staaten nukleares Know-how zur Verfügung stellt. Drittens bietet Moskau Ländern mit kleinen Geldbörsen, aber großen Sicherheitsproblemen militärische Zusammenarbeit und relativ billige Waffen an.

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Laut Jacob Hedenskog, einem Forscher der schwedischen Verteidigungsforschungsagentur, „besteht das Interesse Russlands, wie auch das der anderen Großmächte in Afrika, aus Waffenexporten, dem Import natürlicher Ressourcen und der Machtprojektion.“ Während des Kalten Krieges unterhielt Moskau starke Beziehungen zu Ländern, die in antikoloniale Konflikte verwickelt waren, wie Angola, Mosambik und Algerien. Russlands Strategie zur Wiedererlangung seiner Position gegenüber Afrika besteht zum Teil darin, die bestehenden Beziehungen wiederzubeleben.

Auch die Moskauer Nukleartechnologie wird zum Verkauf angeboten: Ägypten hat ein 29-Milliarden-Dollar-Kraftwerk bestellt, Nigeria hat mit Rosatom einen Vertrag über einen Atomreaktor abgeschlossen, und mehrere andere Länder haben eine Vereinbarung über nukleare Zusammenarbeit unterzeichnet, darunter Uganda, Südafrika und Ghana. Russland profitiert finanziell von langfristigen Amortisationszeiten für seine Investitionen und die Abhängigkeit von russischer Technologie, die aufgrund des Bedarfs an Betankung und technischer Unterstützung erforderlich sind. In vielen Fällen werden Mineral- und fossile Brennstofflagerstätten als Sicherheit für finanzielle Risiken vereinbart.

Die Zustimmung Afrikas zu den russischen Vorstellungen kommt jedoch nicht nur letzteren zugute. Moskau kann sich als Alternative zu chinesischem Geld und westlicher Einmischung positionieren. Wenn afrikanische Länder umsichtig handeln, können sie die beteiligten Parteien gegeneinander ausspielen. Dschibuti beispielsweise beherbergt chinesische, französische und amerikanische Militärstützpunkte, die dem Land einen strategischen und finanziellen Vorteil verschaffen.

Darüber hinaus bietet Russland Waffen mit hohem Standard, die im Vergleich zu in Amerika hergestellten Waffen relativ erschwinglich sind. In anderen Fällen können Länder westlichen Sanktionen ausweichen und dennoch Waffen erwerben, indem sie sich an Moskau wenden. Russische private Militärfirmen, PMC wie die Wagner-Gruppe, sind in der Ausbildung und Unterstützung afrikanischer Streitkräfte wie der Zentralafrikanischen Republik aktiv.

Afrika ist für Russland nicht unabdingbar, wenn es um seine militärischen und wirtschaftlichen Interessen geht. Moskau muss jedoch seine Position stärken und enge Beziehungen zum Kontinent aufbauen, um den angestrebten globalen Machtstatus zu erlangen.

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