Eine US-amerikanische F-15E Strike Eagle auf der Luftwaffenbasis Incirlik, Türkei. Bild: Flickr / US Air Force CC BY-NC 2.0

Laut einem Bericht der „New York Times“ sehen US-Regierungsvertreter die Stationierung von US-Atomwaffen in der Türkei zunehemend kritisch. Man spricht in Washington bereits von einer „Geiselnahme“.

Von Redaktion

Inmitten all der Empörung der Medien und der Experten, seit der türkische Präsident Erdogan letzte Woche seine sogenannte „Operation Quelle des Friedens“ in Nordost-Syrien gestartet hat, um syrische kurdische Streitkräfte, die seit langem die Grenzgebiete besetzt haben, auszulöschen, fehlt größtenteils die Anerkennung der unangenehmen Tatsache, dass der NATO-Verbündete Türkei seit langem einen Großteil des in ganz Europa gelagerten amerikanischen Arsenals aus der Zeit des Kalten Krieges beherbergt.

Und während Erdogan droht, „die Türen zu öffnen und 3,6 Millionen Migranten nach Europa zu schicken“, während er unter zunehmender internationaler Kritik an der rapide ansteigenden Zahl ziviler Todesopfer in Syrien steht, veröffentlicht die „New York Times“ folgende Meldung: Etwa 50 US-amerikanische taktische Atomwaffen sind derzeit „im wesentlichen Erdogans Geiseln“.

Hochrangige Vertreter der US-Regierung äußerten eine wachsende Besorgnis über die weitere Destabilisierung der Region durch den türkischen Einmarsch, sowie die sich verschlechternden Beziehungen zu Präsident Erdogan. Es sei unklar, wie der türkische Staatschef auf die von Washington verhängten Sanktionen reagieren werde.

Laut der Meldung:

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Während des Wochenendes überprüften Beamte des Außen- und Energieministeriums leise die Pläne für die Evakuierung von etwa 50 taktischen Atomwaffen, die die Vereinigten Staaten unter amerikanischer Kontrolle auf der türkischen Incirlik Air Base etwa 400 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt gelagert hatten, so zwei amerikanische Regierungsvertreter.

Die Türkei gehört zu einer Handvoll europäischer NATO-Verbündeter, die das umfangreiche US-Atomarsenal auf europäischem Boden beherbergen – ein Überbleibsel und eine Fortsetzung des historischen Aufbaus des Kalten Krieges. Damals gegen die Sowjetunion gerichtet, heute gegen Russland.

Die weitere Ironie dabei ist, dass sich die Incirlik Air Base in den ersten Jahren des Krieges in Syrien dazu diente, die Zusammenarbeit zwischen den US-Geheimdiensten und ihren türkischen Kollegen zu festigen, um einen Stellvertreterkrieg gegen Präsident Assad zu führen. Dabei wurden dschihadistische Gruppen unterstützt, die heute syrische Kurden und Christen im Nordosten des Landes abschlachten.

Der NYT-Bericht fährt fort:

Diese Waffen, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter, sind nun im Wesentlichen Erdogans Geiseln. Sie aus Incirlik herauszufliegen, würde das faktische Ende der türkisch-amerikanischen Allianz bedeuten. Sie dort zu halten, bedeutet jedoch, eine nukleare Verwundbarkeit aufrechtzuerhalten, die vor Jahren hätte beseitigt werden müssen.

Tja, nun hat Washington das Schlamassel.

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