Boykotte sind seit langer Zeit ein Mittel zur Ausübung ökonomischen Drucks und zeichnen auch ein Sittenbild von Politik und Gesellschaft.

Von Michael Steiner

Es gab Zeiten in Deutschland, da wurde offen mit „Kauft nicht bei Juden“ geworben, da die Deutschen gefälligst bei ihren „Volksgenossen“ einkaufen sollten. Heute gibt es die sogenannte BDS-Bewegung, die aus ethischen Gründen Produkte aus den israelischen Siedlungen in Palästinensergebieten boykottieren. Genauso wie es Menschen und Gruppierungen gibt, die zum Verzicht von Nestlè-Produkten (unter anderem wegen des „Wasserraubs“ des Konzerns) aufrufen.

Aber das ist noch nicht alles. Gerade mit der dilettantischen Aktion des ZDF in Sachen „AfD-Hirse“, wo eine Grünen-Politikerin einfach als „Kundin“ deklariert wurde, die natürlich nicht von „Nazis“ kaufen wolle, wurde wieder einmal deutlich: auch innenpolitische Gründe sorgen für solche Aktionen. Gut, auf der anderen Seite ruft man in AfD-Kreisen auch zum Boykott bestimmter Unternehmen auf, wenn diese sich offen gegen die Partei stellen. Qualitativ nehmen sich Sprüche wie „Kauft nicht bei Juden“ und „Kauft nicht bei Nazis“ nicht sonderlich viel. Es ist eine ökonomische Ausgrenzung aus politischen bzw. ideologischen Gründen.

An solchen Aufrufen wird immer wieder herumgemäkelt oder gelobt. Und interessanterweise stören sich die Befürworter bestimmter Boykottkampagnen dann an jenen der „Gegenseite“. Dabei sollte man doch denken, dass es einerseits jedem Kunden freistehen soll, welche Produkte er kauft (oder eben nicht) und andererseits auch jedem Produzenten/Dienstleister, wem er seine Produkte/Leistungen anbietet. Das nennt man freie Marktwirtschaft.

Wer Mitglied (oder gar Funktionär) einer umstrittenen Partei ist, wird mit solchen Aktionen von vornherein leben müssen. Genauso wie Konzerne (wie z.B. Nestlé, Coca Cola oder auch Monsanto) aufgrund ihrer Geschäftspraktiken solche Boykottaufrufe hinnehmen müssen.

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Gleichzeitig jedoch muss die Gesellschaft es eben tolerieren, wenn beispielsweise in tiefreligiöser Konditor eben keine Hochzeitstorte für ein gleichgeschlechtliches Pärchen backen will oder wenn Lokal- bzw. Gastronomiebetreiber bestimmte ethnische Gruppen oder auch Kinder nicht in ihren Räumlichkeiten haben wollen. Das mag zwar diskriminierend sein, aber es steht dafür auch den nicht diskriminierten Gruppen frei, in solchen Lokalen nicht zu verkehren.

Die Frage die sich hierbei allerdings stellt ist: Wie verträgt sich das Ganze mit dem Diskriminierungsverbot im Grundgesetz? Warum darf der Kunde diskriminieren, nicht jedoch der Produzent/Dienstleister?

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One thought on “Kauft nicht bei Juden… äh… Nazis…”

  1. Nur, dass der Aufruf „Kauft nicht bei Juden“ eine Reaktion und keine Aktion war.

    So wie der „Boykott“, wie auch viele andere, gern verwendete Begriffe, keine deutsche Erfindung ist.

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