Recep Tayyip Erdogan. Bild: Flickr / Recep Tayyip Erdogan - Public Domain

Die Geburtenraten in den Kurdenprovinzen sind deutlich höher als in den von Türken besiedelten Gegenden. Die Türkei hat ihr eigenes Demografieproblem.

Von Marco Maier

Recep Tayyip Erdogan, seines Zeichens Präsident der Türkei, sieht sich einer demografischen Entwicklung in seinem Land gegenüber, die ihm nicht gefällt. Denn während die ethnischen Türken trotz Aufrufen ihres „Reis“ immer weniger Kinder zeugen, haben die Kurden im Land ihren Kinderreichtum bewahrt.

Geburtenrate in der Türkei nach Provinzen.

Wie die obige Grafik es verdeutlicht, sind die Frauen in den vorwiegend von ethnischen Türken bewohnten Provinzen im Nordwesten des Landes nicht mehr sehr geburtenfreudig. In diesen Gegenden liegt die Geburtenrate bei deutlich unter zwei Kindern je Frau. Im kurdisch dominierten Südosten des Landes jedoch bringt jede Frau im Schnitt noch mindestens drei, teilweise sogar vier Kinder zur Welt.

Auch bei den Eheschließungen – ein wichtiger demografischer Indikator in dem muslimischen Land – sieht es für die von Türken dominierten Provinzen schlecht aus. Im Jahr 2015 gab es gegenüber dem Jahr 2001 dort teils um mehr als die Hälfte weniger Hochzeiten. Im kurdisch dominierten Südosten hingegen nahmen sie zu. Das zeigt die nachfolgende Grafik.

Entwicklung der Hochzeiten in der Türkei nach Provinzen.

Prognosen zeigen, dass die kurdische Minderheit, die derzeit Schätzungen zufolge rund ein Drittel der Bevölkerung der Türkei ausmacht, bereits um das Jahr 2040 herum die stärkste Ethnie im Land sein könnte. Das namensgebende Volk, die Türken, wären dann eine ethnische Minderheit im Land. Für das stark nationalistisch geprägte Volk ist dies ein Horrorszenario.

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Präsident Erdogan, der auf eine engere Zusammenarbeit zwischen den Turkvölkern hinarbeitet und vor allem von der osmanischen Idee geleitet wird, könnte in den nächsten Jahren versuchen, eine Art „türkische Konföderation“ ins Leben zu rufen. Sozusagen ein neoosmanisches Modell, welches möglichst viele Turkvölker in einem (super-)staatlichen Gebilde vereinigt. Dann wären die Kurden insgesamt betrachtet wieder in der Minderheit.

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