Credit Suisse: Deutschland ist Europas neuer „kranker Mann“

Laut Ökonomen der Credit Suisse ist Deutschland der neue „kranke Mann“ in Europa. Der Fokus auf die Exporte erweist sich als große Schwäche.

Von Redaktion

Die durch den Handelskrieg zwischen den USA und China verursachte Verlangsamung des Welthandels lässt die deutsche Wirtschaft am Rande einer Rezession stehen. Vor allem die Fokussierung auf den Außenhandel ohne Stärkung der Binnenwirtschaft hat dazu beigetragen.

„Der anhaltende Handelseinbruch bleibt eine Herausforderung für die deutsche Wirtschaft“, schrieb ein Team von Londoner Ökonomen bei der Investmentbank Credit Suisse. „Früher war es die größte Outperformance der Wirtschaft des Euro-Währungsgebiets, heute ist es die größte Underperformance. Das enorme Handelsungleichgewicht ist eine enorme Belastung.“

Die deutsche Wirtschaft wuchs von April bis Juni mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit am schwächsten seit mehr als sechs Jahren. Mit einem Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal war es die einzige große europäische Volkswirtschaft, die schrumpfte.

Nach einem Schlag gegen Deutschland – und Europa – entschied die Welthandelsorganisation am Mittwoch, dass der Flugzeughersteller Airbus in den letzten 15 Jahren illegale Subventionen erhalten hat, was den USA den Weg ebnete, europäische Waren mit Zöllen von 25 Prozent zu belegen. Die Zölle verteuern deutsche Waren wie Wein und Kaffee und versetzen eine bereits angeschlagene Wirtschaft in einen neuen Schlag.

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Noch vor dem Urteil sah es so aus, als würde es noch schlimmer werden. „Das deutsche BIP ist im zweiten Quartal zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres geschrumpft, und die Umfragen deuten auf das Risiko weiterer Rückgänge hin“, schrieben die Londoner Ökonomen der Investmentbank Nomura in einer September-Mitteilung an die Kunden.

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Die gute Nachricht ist, dass Deutschland den Rest Europas nicht ansteckt, so die Ökonomen der Credit Suisse. Da Deutschland einen „großen Leistungsbilanzüberschuss“ aufweist, der in diesem Jahr voraussichtlich 276 Milliarden US-Dollar betragen wird, was auf eine Kombination aus boomenden Exporten und einer lauen Inlandsnachfrage zurückzuführen ist, die zu niedrigeren Importen führt, sind schwache deutsche Ausgaben keine neue Herausforderung für die Volkswirtschaften der Eurozone.

Sie glauben auch, dass die Lockerung durch die Europäische Zentralbank die Volkswirtschaften überall in der Region abfedern wird. Die niedrigeren Zinssätze der Zentralbank, „die Wiederaufnahme des Erwerbs von Vermögenswerten und neue langfristige Refinanzierungsgeschäfte sollten die Binnennachfrage außerhalb Deutschlands stützen“, schrieben die Ökonomen der Credit Suisse.

„Diese Änderung der Politik, begleitet von konstruktiven politischen Nachrichten in Italien, führte zum Beispiel zu einem enormen Rückgang der Renditen italienischer Staatsanleihen“, sagten sie. „Das hat die finanzielle Straffung des letzten Jahres, die wesentlich zur Verlangsamung Italiens Wirtschaftswachstums beigetragen hat, mehr als umgekehrt.“

Die Credit Suisse sagt, dass es zwei Dinge gibt, die die Probleme Deutschlands lösen können – ein Ende des Handelskrieges zwischen den USA und China und/oder ein deutscher Steueranreiz.

Während eine Lösung des Handelskrieges außerhalb der Kontrolle Deutschlands liegt, kann sie sich für eine steuerliche Unterstützung der eigenen Wirtschaft entscheiden. Die Volkswirte von Nomura sagen jedoch, dass Deutschland zwar die „fiskalische Feuerkraft“ hat, um seine Wirtschaft zu stützen, dies aber aufgrund seiner „Grundsätze für ein ausgeglichenes Budget“ unwahrscheinlich ist.

Sogar der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, hatte einige Ratschläge für das Land. Bundeskanzlerin Angela Merkel „sollte die Steuersätze, die individuellen Steuersätze und die Körperschaftssteuersätze senken und die Regulierung aufheben, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen“, sagte der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, gegenüber „Varney & Co.“ von FOX Business. „Sogar Frankreich hat gerade eine Einkommensteuersenkung angekündigt, zusätzlich zu einer Körperschaftsteuersenkung.“

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3 Kommentare

  1. Steuersenkungen in Deutschland werden wir nicht erleben.
    Mit Murksel schon gar nicht. Und mit den Grünen niemals und ich glaube die werden in der nächsten Regierung sitzen

  2. Die gute Nachricht ist, daß Deutschland die anderen nicht ansteckt vom Niedergang. Da bin ich mir nicht so sicher, denn nun melden weitere Schlüsselbranchen, wie z.Bsp. der Maschinenbau Umsatzrückgänge und solange man sich noch an einem Felsgrat festhalten kann stürzt man auch nicht ab, es ist aber schon etwas unbequemer und wenn dieser letzte Halt bröckelt, dann geht es ganz schnell bergab und das würde bedeuten, daß der Hauptfinanzier in Europa entfällt und dann werden wir ja sehen, wie die anderen sich über Wasser halten und eines ist sicher, der hellste Politiker von allen ist derzeit Trump, denn der hat die Schieflage weltweit erkannt und versucht noch dagegen zu steuern, während die hiesigen immer noch an das gute im Menschen glauben und uns mit ihren Handlungen in den Abgrund reißen und das widerrum hängt mit unseren sozialistischen Planspielen zusammen und während wir uns darum gekümmert haben sind die anderen sogar noch mit unserer Hilfe an uns vorbeigezogen und nun bekommen wir die Rechnung präsentiert und sie tun so, als ob das alles vom Himmel gefallen ist, das war schon lange ersichtlich, man hat sogar noch durch die Masseneinwanderung zusätzlich den Haushalt belastet und damit die Weichen für noch größere Verwerfungen gestellt und das alles führt in die Katastrophe, denn woher nehmen sie die Annahme das es besser wird, die ganze Welt hat das Ende der Fahnenstange erreicht und es finden nur noch Verteilungskämpfe statt bis zum letzten Gefecht.

  3. Kein Zweifel, wenn Deutschlands Wirtschaft lahmt, bekommen das alle umliegenden Länder bitter zu spüren. Die vielen Vorwürfe zur Überschusswirtschaft Deutschlands sind verstummt. Die anti-deutsche und auch anti-eurasische Politik der anglo-amerikanischen Mächte sind feindselige politische Strategien gegenüber ganz Europa. Die alte – berechtigte – Angst der anglo-amerikanischen Kräfte vor der Erstarkung der Zusammenarbeit zwischen West-, Mittel- und Osteuropa mit seinem eurasischen Anteil (Basis für den Start des WK I), von dieser Angst sind die anglo-amerikanischen Kräfte getrieben und parat, Europa ein weiteres Mal zu einem Kriegsschauplatz zu gestalten. Die Waffen – auch Nuklearwaffen – werden auf den europäischen – anglo-amerikanischen – Stützpunkten schon seit einigen Jahren für dieses Event herangeschafft und positioniert. Die Deutschen dürfen – ohne sich wehren zu können – zuschauen, wie vor ihren Augen ihr Boden kriegsbereit gemacht wird – und zwar mit bereitwilliger Zustimmung der Merkel-Regierung.
    Die anglo-amerikanischen Kräfte sind nicht in der Lage, aus ihren Ländern verbesserte Produkte zu fertigen, die konkurrenzlos die Spitze anführen. Also wollen sie ihre Konkurrenz zerstören. Anstatt neue unschlagbare Ideen-Vielfalt und Kreativität leben zu lassen – in ihrem Land wie in anderen Ländern – auch zugunsten einer ausbalancierten Umwelt – wollen die anglo-amerikanischen Oberschichten lieber die positiven Entwicklungen zerstören. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass sie schlussendlich alle Macht in den eigenen Händen haben. Aber letzteres Ziel ist bösartiger Machtwahn. Das wird ihnen nicht gelingen.

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