Dem Westen fällt es laut Russlands Außenminister Sergej Lawrow schwer, das Schwinden seiner jahrhundertelangen Dominanz in der Weltpolitik zu akzeptieren. Deshalb stemme er sich gegen die Bildung einer polyzentrischen Welt.

Via Sputnik

Der Westen lege Regeln und Sachverhalte aus, wie sie ihm gerade passen würden, beklagte sich der russische Chefdiplomat. Lawrow sagte am Freitag bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York:

„Kurz gesagt: Wir sind liberal, wir dürfen alles. In seinem Bestreben denkt der Westen immer seltener an das Völkerrecht und diskutiert immer öfter und aufdringlicher über eine ,Rechtsordnung‘.“

Das Ziel einer solchen Rechtsordnung sei offenkundig: Die alten Regeln des Völkerrechts, die dem Westen nicht mehr passen, zu revidieren und durch neue zu ersetzen. Der Westen wolle sich selbst zu einer „unanfechtbaren Quelle der Legitimität“ erklären. Lawrow fuhr fort:

„Wenn es zum Beispiel dem Westen nützlich ist, dann ist das Recht der Völker auf Selbstbestimmung wichtig, wenn nicht – dann wird es als illegitim erklärt.“

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Lawrow beklagte die Gespaltenheit der Weltgemeinschaft und führte es auf den Unwillen einiger Staaten zurück, Rücksicht auf die Interessen anderer Länder zu nehmen:

„Aus unserer Sicht ist die heutige Lage vor allem durch den Unwillen der Länder zu erklären, die sich selbst zu Siegern im Kalten Krieg erklärt haben, die legitimen Interessen aller anderer Staaten in Kauf zu nehmen (…).“

Er erinnerte an die große Hoffnung, die man in die Uno bei ihrer Gründung gelegt hatte, und zwar, dass damit die internationale Sicherheit und der Frieden aufrechterhalten würden:

„Leider haben es die Ereignisse unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges diesem positiven Potenzial nicht erlaubt, sich zu entfalten“.

Der Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren, die die Konfrontation zweier unversöhnlicher Systeme symbolisierte, habe der Menschheit wieder neue Hoffnung gegeben. Doch während die Vereinten Nationen damit geholfen hätten, den Dritten Weltkrieg abzuwenden, habe die Zahl der Konflikte auf dem Planeten leider nicht abgenommen. Und mit dieser Gespaltenheit der Weltgemeinschaft sei es unmöglich, diese Probleme anzupacken.

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One thought on “Lawrow und die Scheinheiligkeit des Westens: „Wir sind liberal, wir dürfen alles“”

  1. Lawrow recht. Das habe ich auch immer wieder beobachtet:
    „Wenn es zum Beispiel dem Westen nützlich ist, dann ist das Recht der Völker auf Selbstbestimmung wichtig, wenn nicht – dann wird es als illegitim erklärt.“

    „Leider haben es die Ereignisse unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges diesem positiven Potenzial [dem Streben nach Frieden] nicht erlaubt, sich zu entfalten“.

    Daran lässt sich nur zu deutlich erkennen, dass die Russen im WK2 für die anglo-amerikanischen Kräfte auch nichts anderes waren als nützlich Idioten. Himmeltraurig aber wahr, wenn man sieht, wieviele Millionen Russen (27 Mio.) im WK2 ihr Leben lassen mussten. Im Hintergrund hetzten die anglo-amerikanischen Kräfte die Europäer – the Continental People (abschätzig vermerkt) – aufeinander los, die Handlanger Hitler, Stalin, Mussolini, Franco – und nebenbei bemerkt auch Mao Tsedong – machten ganz nach deren Wünsche ihre Knechts- und Söldner-Arbeit.
    Heute wird Russland von der US-Regierung als Feind Nr. 1 deklariert mit allerlächerlichsten fadenscheinigen Begründungen, obwohl das neue Russland den Amerikanern nichts und wieder nichts angetan hat, ja sogar den Zusammenbruch seines riesen Landes erleben und verarbeiten musste. Heute sucht dieses Land die Zusammenarbeit mit dem Westen, der sich einem solchen Vorhaben kategorisch verschliesst. Woher nehmen eigentlich die Westler mit ihrer brüchigen Wirtschaft und monströsen Verschuldung gegenüber den Russen diese Überheblichkeit???

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