Erdgas-Bohrturm.

Ein gewaltiges Gasfeld nahe der iranischen Grenze im Irak erregt die Aufmerksamkeit Washingtons und Moskaus. Wer wird die Ausbeutung schlussendlich übernehmen?

Von Redaktion

Nachdem die USA, Russland und China um ihre Position in der irakischen Öl- und Gasindustrie im Norden und Süden kämpfen, bekräftigte das irakische Ölministerium in der vergangenen Woche seinen Wunsch, einen oder mehrere ausländische Partner im Mansuriya-Gasfeld zu haben. Mansuriya liegt in der Provinz Diyala in der Nähe der iranischen Grenze. Es wird geschätzt, dass Mansuriya rund 4,6 Billionen Kubikfuß Erdgas fasst. Die geplante Plateauproduktion liegt bei rund 325 Millionen Standardkubikfuß pro Tag.

Für die USA ist es von zentraler Bedeutung, den Irak zu ermutigen, seine Gasflüsse so zu optimieren, dass die Abhängigkeit von iranischer Macht verringert wird. Doch am liebsten wäre es Washington, wenn US-Ölkonzerne die Ausbeutung der Energieressourcen übernehmen würden. Man hat ja den Irak nicht umsonst von Saddam Hussein „befreit“ und besetzt.

Für Russland erwarb Rosneft im November 2017 im Wesentlichen die Kontrolle über die halbautonome Region Kurdistan im Nordirak, sodass die Macht im Südirak das Set im übertragenen Sinne vervollständigen wird.

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Die Sicherung von Öl- und Gasverträgen im gesamten Irak wird es Russland ermöglichen, im gesamten schiitischen Machtbereich des Nahen Ostens, der sich von Syrien über den Libanon (mit Unterstützung des Iran), Jordanien und den Irak (mit Unterstützung des Iran), den Iran selbst und Jemen (über den Iran) erstreckt, einen unantastbaren politischen Einfluss zu erreichen. Von diesem Stützpunkt aus kann es den lebenswichtigen Öl-, Gas- und politischen Verbündeten der USA in der Region – Saudi-Arabien – effektiv herausfordern. China operiert in der Zwischenzeit nach seiner eigenen Agenda in South Pars Phase 11 und seinen West Karoun-Beteiligungen.

Der Irak bekennt sich – zumindest nominell – wie die Türkei immer noch nicht zu Russland oder den USA und spielt diese lieber gegeneinander aus, um das zu erreichen, was sie können, und dasselbe gilt im Mikrokosmos auch für Mansuriya. Die Türkei selbst war bis Mitte letzten Jahres mit einem Anteil von 37,5 Prozent und der Ölfördergesellschaft Kuwait Energy (25 Prozent) ein wichtiger Akteur in diesem Gasfeld. Dazu gehörte das nationale Ölunternehmen Turkiye Petrolleri Anonim Ortakligi (TPAO) (22,5 Prozent) und Südkoreas KOGAS (15 Prozent).

So wie es aussieht, hat das irakische Ölministerium deutlich gemacht, dass Mansuriya funktionsfähig sein und die Produktion schrittweise auf 325 Millionen Standardkubikfuß pro Tag ansteigen muss, damit es als Rohstoff für den katastrophalen Energiesektor des Landes verwendet werden kann. Der jährliche Spitzenstrombedarf im Sommer übersteigt die inländische Stromerzeugungskapazität und führt in vielen Gebieten häufig zu Stromausfällen von bis zu 20 Stunden pro Tag. Wenn Mansuriya und ähnliche Gasfelder nicht ans Netz gehen, wird dies noch schlimmer, da die irakische Bevölkerung mit einer Rate von über einer Million pro Jahr wächst und sich der Strombedarf nach Angaben der Internationalen Energieagentur bis 2030 verdoppeln soll.

Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hat dazu geführt, dass der Irak für einen erheblichen Teil der Gas- und Stromimporte vom benachbarten Iran abhängig ist – tatsächlich rund ein Drittel seiner gesamten Energieversorgung. Insbesondere leitet der Irak täglich bis zu 28 Millionen Kubikmeter iranisches Gas zur Stromerzeugung ein und importiert direkt bis zu 1.300 Megawatt iranischen Strom. Sogar die USA waren gezwungen, dem Irak eine Ausnahme von den Iran-Sanktionen zu gewähren, da derzeit keine anderen Optionen zur Verfügung stehen.

Wer schlussendlich das Rennen um das Gasfeld gewinnen wird, ist derzeit noch unklar. Gewiss ist allerdings, dass sowohl die USA als auch Russland ein vitales Interesse daran haben, die Ausbeutung dieses Vorkommens zu übernehmen. Für Bagdad ist das eine komfortable Situation.

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