Recep Tayyip Erdogan. Bild: Wikimedia Commons / Mark Rutte CC BY 2.0

Der türkische Präsident droht den Europäern mit der Öffnung der Flüchtlingsschleusen, sollte er seine Sicherheitszone in Nordsyrien nicht erhalten.

Von Redaktion

„Wir werden gezwungen sein, die Tore zu öffnen. Wir können nicht gezwungen werden, die Last allein zu tragen“, warnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag und forderte die europäischen Länder auf, seinen umstrittenen Plan für die Sicherheitszone in Nordsyrien politisch zu unterstützen.

Ankara befindet sich derzeit in angespannten Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über Erdogans Plan, einen großen Teil des Territoriums entlang der türkisch-syrischen Grenze militärisch auszuheben, der als Pufferzone dienen würde, in der von den USA unterstützte kurdische Milizen nicht operieren könnten.

Erdogan sagte, eine Million Flüchtlinge könnten sich in dem neuen Puffergebiet niederlassen und so die Krise auf türkischem Boden und letztendlich auch für Europa lindern.

Die Türkei betrachtet den YPG-Kern der syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) als terroristische Erweiterung der verbotenen PKK. Die Türkei hat in letzter Zeit geschworen, das vorgeschlagene „sichere“ Territorium auf einseitiger Basis auszuheben, wenn sie mit Washington keine Fortschritte erzielen kann.

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Während der Rede beschwerte sich der türkische Präsident, dass sein Land „nicht die notwendige Unterstützung von der Welt erhalten“ habe, um die Flüchtlingskrise während des achtjährigen Krieges zu bewältigen.

Erdogan hat am Donnerstag ein Ultimatum „mit uns oder gegen uns“ an die Welt gestellt:

„Entweder unterstützen Sie uns dabei, eine sichere Zone in Syrien zu haben, oder wir müssen die Tore öffnen. Entweder unterstützen Sie uns oder niemand sollte Mitleid haben. Wir möchten 1 Million Flüchtlinge in der Sicherheitszone aufnehmen“, sagte er.

Es versteht sich von selbst, dass das fragliche Territorium nicht von ihm kontrolliert oder ausgeteilt werden kann, und Damaskus hat das, was es als großen türkischen Landraub ansieht, verurteilt.

Die Türkei hat im vergangenen Jahr hart auf die geplante Sicherheitszone östlich des Euphrats gedrängt. Es ist das blau unterlegte Gebiet in der nachfolgenden Karte:

Die von der Türkei vorgeschlagene Sicherheitszone in Syrien.

Es ist auch der Fall, dass viele Analysten die Türkei als eine der wichtigsten externen Konfliktparteien ansehen, die mehr als jede andere unternommen hat, um den Krieg zu verschärfen und zu verlängern, einschließlich des Aufstiegs des IS. Hauptziel war es, den syrischen Präsidenten abzusetzen und der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit die politische Macht zu übertragen. Im Idealfall sollte eine Regierung installiert werden, die als Vasall Ankaras agiert.

Der türkische Präsident hatte zuvor behauptet, das Land habe insgesamt 35 Milliarden US-Dollar für die Aufnahme von rund 4 Millionen syrischen Flüchtlingen ausgegeben, die Europäische Union habe jedoch dabei versagt, ihre Verpflichtungen im Rahmen eines Flüchtlingsumsiedlungsplans einzuhalten.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Ankara syrischen Flüchtlingen und Migranten die freie Ausreise in EU-Länder angedroht hat, und es wird wahrscheinlich nicht das letzte Mal sein. Es wird jedoch interessant sein zu sehen, ob Erdogans Erpressung eine positive Reaktion aus Europa hervorruft.

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3 KOMMENTARE

  1. kann es sein, dass erdogan unbedingt diese „pufferzone“ will, damit da Syrer leben und keine Kurden?

    Wieso kann man die Syrer nicht einfach zurück schicken nach syrien, auf diese Pufferzone scheißen und einfach mal aufhören den IS zu unterstützten, dann ist der krieg auch direkt beendet….
    Den Erdogan kann man echt nur hassen.

    • Kannst du nicht einfach mal deinen Lolly zur Seite tun und aufhören so kindische Kommentare zu schreiben..???
      Als PKK Anhänger kann man Erdogan nur hassen, das stimmt. Die Mehrheit der türkischen Wähler jedoch wählt immer wieder Erdogan und die AKP.
      Mann kann eben nicht auf eine Sicherheitszone scheißen, weil das besagte Gebiet eben als Aufmarschgebiet der PKK dient und von dort aus Terrorangriffe auf die Türkei durchgeführt werden.
      Deshalb kann die türkische Regierung nicht einfach ebenso mal auf eine Sicherheitszone in Syrien „scheißen“, um mal deine Worte zu benutzen.
      Und der „IS“ ist nur ein Label für von der CIA , dem MOSSAD und dem MIT u.a. angeheuerte Söldner welche gegen die syrische Regierung und bei Bedarf auch gegen die Kurden eingesetzt werden, und nur so tun als seien sie fanatische Extremisten…sie sind oft noch nicht mal Muslime, sondern Trupps vom Typ Blackwater. und jetzt darfst du deinen Lolly weiter lutschen

  2. Was Erdogan in der Türkei plant, kann uns egal sein. Wenn Europa bereits so am Ende ist, dass muslimische Messerkünstler ungehindert einreisen können, so ist es nicht schade um Europa.
    Soweit hat uns die Demokratie gebracht. Die Demokratie ist nämlich die Diktatur der Dummen. Die sind immer in der Mehrheit.
    Buchtipp: Sicher ohne Staat, von Oliver Janich.

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