Die syrische Armee fand Munition und Waffen in Verstecken der Terroristen. Bild: SANA

Eine investigative Journalistin deckte die Verbindungen zwischen US-Waffenlieferungen an den Islamischen Staat auf. Das Beweismaterial ist erdrückend.

Von Christian Saarländer

Wir kennen all diese Märchen und Heldengeschichten aus den USA. Die Weltpolizei als erbitterter Kämpfer gegen den internationalen Terrorismus. Dabei ist es längst mehr als ein offenes Geheimnis, dass Pentagon und CIA gleichzeitig die Terroristen unterstützen, die sie angeblich bekämpfen. Dafür setzen sie sogar extra eine Spezialeinheit ein, wie die Enthüllungsjournalistin Dilyana Gaythanthieva kürzlich anhand geleakter Dokumente aufzeigen konnte.

Bereits seit 2017 Waffenlieferungen der USA an den syrischen IS-Ableger enthüllt

Erst ist nicht die erste große Enthüllung über Waffenlieferungen an Terroristen durch die USA. Vor ungefähr zwei Jahren enthüllte sie als Kriegskorrespondentin für die meistgelesene bulgarische Zeitung Trud, dass die USA den Islamischen Staat in Syrien mit Waffen und Gerät über verschleierte Umwege versorgen. Bereits im Herbst 2017 zeigte die Bulgarin auf, dass die USA über eine Art Seidenstraße Waffen aus Osteuropa unter Missbrauch der Diplomatenpost (sogenannte „diplomatic flies“) beispielsweise Kalaschnikows an die Dschihadisten sandten.

Dreh- und Angelpunkt ist hierbei die US-Basis in Ramstein. Dabei hat sich die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft Kaiserslautern bereits eingeschaltet. Ob irgendwann etwas dabei herauskommt bleibt abzuwarten. Vielleicht werden auch sämtliche Dokumente, um die es hier geht, Gegenstand der Beweisführung. Jedoch ist der Umgang mit geleakten Dokumenten nicht ganz unumstritten.

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Allerdings wurde in Deutschland recht mager über die Enthüllung berichtet. Möglicherweise eine Spur zu heiß für Mainstream-, aber auch Alternativmedien. Sie selbst war damals überrascht, dass sich kaum eine Zusammenarbeit mit einem deutschen Medium ergab, während vor allem russische Medien – staatlich oder nicht-staatlich – sehr ausführlich darüber berichteten.

Diese Veröffentlichung kostete ihr letztlich den Job und auch deutsche Medien waren kaum an einer Zusammenarbeit mit ihr interessiert. Inzwischen recherchiert sie überwiegend auf eigene Faust und veröffentlicht ihre Enthüllungen auf ihrem eigenen Portal ArmsWatch, der sich überwiegend mit dem Thema Waffenlieferungen und biolgische Kriegsführung beschäftigt.

Während dem Jahr 2018 machte die Journalistin unter anderem von sich reden, als sie über US-Biolaboratorien berichtete, die sich (rein zufällig) in der russischen, chinesischen und iranischen Nachbarschaft angesiedelt haben. Im speziellen veröffentlichte sie in Kooperation mit dem libanesichen Sender Al-Mayadeen über das Lugar-Zentrum in Georgien, wo amerikanische und georgische Behörden ihr das Leben ziemlich schwer gemacht haben. So wurde sie auf einmal in ihrem angemieteten Apparment in Tiflis eingesperrt.

Verschleierte US-Waffenlieferungen an den Islamischen Staat im Jemen

Die Woche begann Gaythandshieva mit der Veröffentlichung der „Serbia Files“, nachdem ihr zuvor anonym Dokumente zugespielt wurden, die wiederum aufzeigen, wie die USA in Waffenlieferungen an Terroristen in Syrien, Afghanistan und auch im Jemen verwickelt sind.

Dazu hat sie auf ArmsWatch sämtliche Dokumente „…darunter E-Mails, interne Memos, Verträge, Fotos, Lieferpläne und Packlisten mit Losnummern von Waffen und deren Käufern. Unter den durchgesickerten Dokumenten erhielt ich auch gescannte Pässe von Waffenhändlern und Regierungsbeamten aus den USA, Saudi-Arabien und den VAE (Vereinigte Arabische Emirate, die Redaktion). Sie waren in den letzten drei Jahren am Handel mit mindestens 3 Millionen serbischen Waffen (Mörsergranaten und Raketen) nach Jemen und Syrien beteiligt“, schreibt die Journalistin im ersten Teil ihrer neuen Serie von Enthüllungen, die sich zuvörderst auf die Waffenlieferungen durch die US-Administration an den Islamischen Staat im Jemen bezieht.

„Ich verfolgte die Losnummer dieser serbischen Waffen und konnte Mörsergranaten in den Händen von Terroristen des islamischen Staates im Jemen identifizieren und zurückverfolgen, die zu ihrem Käufer – der US-Regierung – führten. Diese Dokumente enthüllen die größte Lüge in der US-Außenpolitik – die offizielle Bekämpfung des Terrorismus und dessen heimliche Unterstützung“, heißt es weiter.

Der IS im Jemen-Krieg

Dazu sollte man an dieser Stelle vielleicht anmerken, dass nicht nur sämliche Staaten des Golf-Kooperationsrates, allen voran Saudi-Arabien, im Jemen-Krieg involviert sind oder waren (beispielsweise zogen sich Katar 2017 und die Vereinigen Arabischen Emirate 2018 zurück), sondern auch der sunnitisch-geprägte Islamische Staat dort eine Art dritte Kriegspartei ist, die sich im Kampf gegen die schiitisch-geprägten, iranisch-gestützten Houthi-Rebellen befinden. Die USA gelten wie Großbritannien und Frankreich als logistische Unterstützer Saudi-Arabiens. Doch schließlich belegen die Dokumente auch, dass das Pentagon auch ihren angeblichen Feind, die Terrormiliz IS mit Waffen aus Serbien beliefern. Deswegen auch die Bezeichnung Serbia-Files, zu deutsch Serbien-Dateien.

Der oben genannte Schriftverkehr bezieht sich auf die Zusammenarbeit des serbischen Waffenfabrikanten Krusik, sowie der Vermittler Jugimport, ebenfalls aus Serbien. Wie aus vielen Dokumenten weiters hervorgeht, werden die Waffen dann über den Spediteur Silk Way Airlines schließlich in Länder wie Syrien, Afghanistan und schließlich den Jemen beliefert.

US-Task Force beliefert Terroristen in Syrien

Die zweite Reihe ihrer neuen Enthüllungsreihe beschäftigt sich sich mit der US-Spezialeinheit „Smoking Gun“, die die Waffen aus Osteuropa schließlich an ihre Endabnehmer, den Dschihadisten des IS in Syrien und Jemen, liefert und diese darin einweist. Darüber sprach die Investigativ-Journalistin, mit dem russischen Staatssender RT, unter anderem wie das Pentagon über US-Tarnunternehmen via private Transportflügen, unter anderem über Katar mittels Drittparteien, die Waffen aus Serbien an die Terroristen liefert.

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Eine zentrale Rolle spielt hierbei das US-Unternehmen Sierra Four, das weder via E-Mail noch per Telefon erreichbar ist. Ein typisches Verhaltensmuster, das sich immer wieder dann zeigt, wenn Enthüllungen ans Tageslicht kommen, die beweisen, dass die USA seit etlichen Jahren Terroristen auf ganzen Welt unterstützen: Das Pentagon und der Auslandsgeheimdienst CIA nutzen zivile Unternehmen als Strohmänner für illegale Waffengeschäfte. So fungierte auch hier die Tarnfirma Sierra Four, um die Waffengeschäfte mit dem serbischen Waffenhersteller Krusik abzuwickeln.

Damit die serbische Regierung, die solche Waffengeschäfte genehmigen muss, keinen Verdacht schöpft, werden die Waffen dann an private Abnehmer verkauft. Als Lieferant oder Spediteur tritt das Unternehmen Silk Way Airlines aus Aserbaidschan auf, welches bereits 2017 im Fokus der Recherchen von Gaytandzhieva war. Sowohl rein private als auch diplomatische Flüge werden dann beordert, um die Ware über Osteuropa, Zentralasien in den Nahen Osten zu liefern.

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

Damit schlagen die USA mit ihrer Verschleierungstaktik zwei Fliegen mit einer Klappe. Zunächst werden die Waffenverkäufe gegenüber den Herstellerstaaten (in diesem Fall Serbien) legalisiert. Als nächstes können sowohl US-Administration nebst ihren freundlichen Medien Zweifel daran sähen, dass die USA insgeheim ihre vermeintlichen Feinde unterstützen.

Schnell werden Journalisten oder auch Politiker in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gedrängt, wenn sie öffentlich eine Verbindung zwischen USA, dem Islamischen Staat oder Al-Kaida anprangern. Wer den Vormarsch der syrischen Streitkräfte verfolgt, der wird immer wieder aus staatlichen syrischen oder iranischen Medien erfahren, dass die Armee in den IS-Verstecken Gewehre, Munition, Mörser und anderes Gerät sowohl aus Beständen westlicher Armeen als auch aus osteuropäischer Herstellung entdeckt.

Das gleiche gilt für Al-Kaida, die im Südwesten von Syrien aktiv ist. Dort finden sich immer wieder Geschosse mit hebräischer Inschrift. Häufig vermutet man hierbei eine verdeckte Unterstützung durch die Israelis, die ebenfalls durch Luftangriffe auf Syrien zusammen mit der Türkei als Kriegspartei gelten. Hier liefert man sich erbitterte Kämpfe rund um die Golanhöhen. Der Iran wirft schließlich am lautesten der Türkei militärische Unterstützung für Daesh vor.

Allerdings haben die USA und Israel nicht unlängst die Hisbollah-Miliz zur Terrororganisation erklärt. Sie unterstützen die syrischen Truppen vor allem am Boden und dessen pro-iranischer Einfluss wird offen zugegeben. Hier zeichnet sich der eigentliche uralte Konflikt zwischen sunnitisch und schiitischen Muslimen ab, der vom Westen dazu missbraucht wird, um den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu stürzen, um das Land noch weiter seinen Bodenschätzen wie Öl und Gas zu berauben. Im Jemen wird übrigens dieser Konflikt in einem der ärmsten Länder auf der Welt geführt.

Wie dem auch sei, werden diese zahlreichen veröffentlichten Dokumente gewissen Zündstoff liefern. Insbesondere in den Vereinigten Staaten dürfte sich der US-Bürger besonders dafür interessieren, dass alleine ein Flug rund eine Million US-Dollar an Steuergeldern verschwendet.

Missbrauch des Wiener Übereinkommens

US-Flugunternehmen wie Atlas Air and Kalitta Air dürften sich hingegen freuen, dass sie vom Pentagon als jene Fluggesellschaften auserkoren wurden, welche die „diplomatische Fracht“ an die Terroristen liefern, wohl wissend gegen den Schutz aus dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen zu verstoßen.

Ein ähnliches Vorgehen enthüllte Gaythandshieva unter anderem in ihren Recherchen über das Biolabor in der georgischen Hauptstadt Tiflis, wo sie noch unter Bezugnahme auf öffentlich-zugängliche Quellen ihre Recherchen begann. Dort vollzog sich der Lieferversand unter dem Deckmantel der diplomatischen Immunität. Schließlich werden solche Lieferungen nicht von den öffentlichen Behörden kontrolliert.

Im Gespräch mit RT hob die Journalistin auch hervor, dass sich die privaten Charterflüge immer unter der gleichen Flugnummer rund um den Globus bewegen, und dass sich diese Flüge kaum zurückverfolgen lassen. Letztlich ist es nichts als Waffenschmuggel unter Missbrauch zivilrechtlicher und internationaler Regeln und Gesetze.

„Eine beeindruckende journalistische Arbeit“

RT versuchte im Zuge des Interviews mit der Journalistin sowohl das Pentagon als Sierra Four zu erreichen – bislang ohne Rückmeldung. Die Tarnfirma beschäftigt im Übrigen nur sechs Mitarbeiter, die wohl so manchen Anfragen aus der Presse nun ausgesetzt sein dürften. Auch der Sicherheit-Analyst Charles Shoebridge sieht in den Enthüllungen eine „beeindruckende journalistische Arbeit“, soweit diese Dokumente sich allesamt als echt herausstellen sollten. Doch bislang erwecken diese auch den Anschein echt zu sein, wie Shoebrigde feststellte.

Und von diesen Dokumenten gibt es ziemlich viele. Von Ausweispapieren, Fotos, E-Mails, Verträgen, offiziellen Schreiben, Frachtbriefen und vieles andere, ist es eine erdrückende Menge an Material, was der Journalistin zugespielt wurde, die bereits 2017 in US-kritischen Medien von sich Reden machte. Hinzu kommt schließlich noch der Abgleich mit öffentlich zugänglichen Dokumenten, welche die US-Administration ins Netz gestellt hat – mit der Wahrscheinlichkeit, dass sie nach der Veröffentlichung auf ArmsWatch wieder verschwinden.

Wie bereits oben angesprochen, kam die Journalistin als Korrespondentin in Syrien dem Pentagon auf die Spur, nachdem sie ein ausgehobenes Waffenlager der Terrormiliz Islamischer Staat vor Ort inspizierte. Sämtliche Enthüllungen darüber findet man auch über ihren Telegram-Kanal „Secret Papers“ oder auf Twitter, wo sie in regelmäßigen Abständen über neue Enthüllungen im Bereich illegaler Waffenlieferungen oder biologische Kriegsführung auf dem Laufenden gehalten wird.

Fazit

Im Gesamtkontext stellen die jüngsten Enthüllungen im Detail das dar, was längst bekannt ist. Und zugegeben, die USA sind hier nicht die alleinigen Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat, die im arabischsprachigen Raum auch Daesh genannt wird. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten gelten als Financiers von Daesh. Das kleine aber feine Katar hat hingegen seine Unterstützung seit 2017 nach und nach zurückgezogen. Seitdem dauert im Übrigen auch die Katar-Krise an, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal in den medialen Fokus gerät. Wegen angeblicher Unterstützung iranischer Milizen im Syrien-Krieg und gleichzeitiger Rückzug aus dem Jemen-Krieg. Möglicherweise wird Katar auch seine Zusammenarbeit mit den USA überdenken, wenn sich dort herausstellt, wofür die USA ihre dortige Militärbasis nutzen.

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5 KOMMENTARE

  1. USA gegründet vor 239 Jahren, davon 222 im Krieg (93%)

    http://www.gegenfrage.com/usa-gegruendet-vor-239-jahren…/

    Seit der Staatsgründung der USA vor 239 Jahren verging kein Jahrzehnt ohne eine kriegerische Auseinandersetzung mit einem anderen Land. Insgesamt 222 Jahre bzw. 93 Prozent des gesamten Zeitraums befanden sich die Vereinigten Staaten im Krieg.

    Pentagon Autor: Mariordo Camila Ferreira & Mario Duran, Lizenz: CC BY-SA 3.0

    Seit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1776 sind 239 Jahre vergangen. Davon befanden sie sich 222 Jahre, also 93 Prozent der Zeit, im Krieg mit anderen Ländern.

    Mit anderen Worten gab es im gesamten Zeitraum zusammengerechnet nur 17 Kalenderjahre, in denen die USA keinen Krieg führten. Um dies in Perspektive zu setzen: Alle US-Präsidenten führten während ihrer Amtszeit mindestens einen Krieg. Es verging seit 1776 kein einziges Jahrzehnt, in dem die USA keinen Krieg führten. Der längste friedliche Zeitraum seit der Unabhängigkeitserklärung der USA waren fünf Jahre während der Weltwirtschaftskrise (1935-1940), was danach folgte ist traurige Geschichte.

    Aktuell befinden sich die USA laut einem Statement des Weißen Hauses gleich in 14 Ländern auf einmal in kriegerischen Auseinandersetzungen: Afghanistan, Irak, Syrien, Somalia, Jemen, Kuba, Niger, Tschad, Uganda, Ägypten, Jordanien, Kosovo, Ukraine, Zentralafrikanische Republik und Tunesien. …WEITERLESEN

  2. Es geht aber eigentlich um den Dollar und den ausschließlichen Handel des Öls mit dem Dollar.
    Ohne den Handel mit dem Dollar sind die USA sofort pleite !

    In den vergangenen Jahren wurden von den USA nur die Länder bekämpft welche dafür sorgen könnten dass der Dollar als Welt-Leitwährung abgelöst werden könnte. Das waren Libyen, Irak und sind China, Russland, Iran und deren Freunde aber auch Venezuela.

    Damit du die Zusammenhänge verstehst musst du wissen dass diese Länder versuchen durch Golddeckung ihrer Währung Stabilität Stabilität zu verleihen. Damit hätten diese Länder einen Vorteil gegenüber dem Dollar.

    Sieh dir das an, Eigentlich geht es um Geldanlage und „nur“ um Gold aber ab der 25. Minute dürfte dir klar werden um was es geht. Länder welche den Goldstandard einführen möchten sind auf der Abschussliste der USA.

    Robert Vitye: Warum das Edelmetall Gold die ultimative Währung für Anleger ist // Mission Money
    https://www.youtube.com/watch?v=gJs5Fe3prks

  3. Man müsste dann alle diejenigen den Terrorismus fördern wie in Syrien, die Isis oder Al Qaida zur Rechenschaft ziehen.

    Das wären dann die bekannte Kolonialmächte und USA, die Saudis und Israel inklusive.

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