EZB. Bild: Flickr / Volker Kannacher CC BY-ND 2.0

Mit der gestrigen Zinssenkung macht die EZB deutlich, dass sie die Eurozone weiter zombifizieren will. Nimmt man sich Japan zum Vorbild?

Von Marco Maier

Gestern hat die Europäische Zentralbank (EZB) nach dreieinhalb Jahren erneut an der Zinsschraube gedreht. Auch dieses Mal geht es wieder nach unten – und zwar von -0,4 auf -0,5 Prozent beim Einlagezinssatz. Die Leitzinsen bleiben beim Rekordtief von 0,0 Prozent, ebenso bleibt der Satz der Spitzenrefinanzierungsfazilität mit weiterhin 0,25 Prozent unangetastet.

Das ist ein fatales Signal, welches die Zombifizierung der europäischen Wirtschaft nur noch weiter vorantreibt. Dies hatten wir kürzlich erst in einem ausführlichen Premium-Artikel mit dem Vergleich zwischen Japan und Finnland thematisiert.

Einerseits setzt die EZB damit die Geschäftsbanken noch stärker unter Druck als bisher, da sie für bei der EZB geparktes Geld nun noch mehr Strafzinsen zahlen müssen. Andererseits machen die Frankfurter Banker damit deutlich, dass sie die Politik des billigen Geldes fortsetzen wollen. Hauptsache, unter „normalen“ Marktbedingungen unrentable Unternehmen gehen nicht so schnell in die Insolvenz. Damit will man höhere Arbeitslosenzahlen und eine Stärkung „populistischer“ politischer Kräfte an den Rändern verhindern, sorgt jedoch längerfristig für eine noch größere wirtschaftliche Katastrophe.

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Gleichzeitig teilte die Notenbank am Donnerstag mit, die Anleihenkäufe im Rahmen des sogenannten „Governing Council’s asset purchase programme“ (APP) ab dem 1. November mit monatlich 20 Milliarden Euro wieder aufzunehmen. Hier blähen sich die EZB-Bilanzen weiter auf, was dem Euro im Ernstfall das Genick brechen könnte.

Anstatt auf ein „reinigendes Gewitter“ zu setzen versucht man es mit einem weiteren Aussitzen. Angesichts des anlaufenden Wirtschaftsabschwungs ist dies jedoch die denkbar schlechteste Lösung. Doch selbst wenn Mario Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde in ein paar Monaten das Ruder übernimmt, wird sich wohl diesbezüglich kaum etwas ändern. Vielleicht hätte ein Finne den Job bekommen sollen…

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