Pillen. Bild: Flickr / e-Magine Art CC BY 2.0

Eine Gallup-Umfrage zeigt auf, dass die Amerikaner Big Pharma mehr hassen als ihre Regierung. Keine andere Branche wird so negativ betrachtet.

Von Marco Maier

Es ist eigentlich allseits bekannt, dass die Politik in den Vereinigten Staaten keinen großen Vertrauensbonus besitzt. Historisch bedingt werden Regierungen eher als „notwendiges Übel“ betrachtet, zudem sorgt die derzeitige Polarisierung zwischen Republikanern und Demokraten noch einmal mehr für eine negative Sichtweise auf die US-Regierung.

Nun hat das Meinungsforschungsinstitut Gallup eine großangelegte Umfrage gestartet, in der man wissen wollte, wie man die einzelnen Branchen betrachtet. Dabei gab es sehr positiv, etwas positiv, neutral, etwas negativ und sehr negativ zur Auswahl. https://news.gallup.com/poll/266060/big-pharma-sinks-bottom-industry-rankings.aspx

Während die Amerikaner demnach beispielsweise das Restaurant-Gewerbe mit 66 Prozent positiv und 8 Prozent negativ (Saldo +58) ganz an der Spitze steht und von der Computer-Industrie mit 61 Prozent positiv und 11 Prozent negativ (Saldo +50) gefolgt wird, sieht es um andere Branchen nicht gut aus.

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Gallup-Vertrauensumfrage USA

Die Öl- und Gas-Industrie beispielsweise kommt nur noch auf einen kleinen Positiv-Saldo von +3, auch TV und Radio schaffen gerade einmal ein +8, während die Werbe- und PR-Industrie mit -1 schon in den negativen Bereich rutscht. Doch wirklich schlimm ist es für den Gesundheits- und Pharmabereich.

So sehen nur 38 Prozent der Befragten die Gesundheitsindustrie positiv während ganze 48 Prozent kein gutes Bild davon haben und der Saldo somit bei -10 steht. Noch schlimmer steht es um die Pharma-Industrie, wo gerade einmal 27 Prozent der Amerikaner eine positive Ansicht vertreten, während ganze 58 Prozent das Gegenteil sehen (Saldo -31). Das ist noch schlimmer als das Bild der Amerikaner über ihre eigene Bundesregierung. Da gaben 25 Prozent der Befragten an, diese positiv zu sehen während ganze 52 Prozent kein gutes Bild von der Politmeute in Washington besitzt (Saldo -27). Das liegt jedoch nicht unbedingt an Präsident Trump – schon seit einigen Jahren liegt die US-Regierung stets am unteren Ende der Beliebtheitsskala.

Amerikas Abneigung gegen die von Skandalen geplagte Pharmaindustrie ist nicht ohne Grund. Anfang dieses Jahres hat der Kongress die Pharma-Führer wegen der hohen Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente gegrillt. Ein Richter in Oklahoma hat Johnson & Johnson kürzlich angewiesen, 572 Millionen US-Dollar für seine Rolle bei der Opioid-Epidemie zu zahlen. Novartis und andere große Pharmaunternehmen haben die Entwicklung lebensrettender Arzneimittel aus Profitgründen eingestellt.

Das beherrschende Motto „Geld statt Menschenleben“ im Sinne des Shareholder Value scheint auch den Amerikanern bekannt zu sein. Geheilte Menschen bringen keinen großen Profit, weshalb offenbar auch keine große Motivation vorhanden ist, Patienten wirklich gesund zu machen. Das schlägt sich auch im Vertrauen nieder.

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