Ein afghanischer Taliban-Kämpfer. Bild: Flickr / newsonline CC BY 2.0

Wenn Präsident Trump die Friedensgespräche beendet, werden die Taliban den US-amerikanischen Blutzoll in die Höhe treiben. Davor warnen sie.

Von Redaktion

Präsident Trumps Entscheidung, die afghanischen Friedensgespräche abrupt abzusagen, wird mehr Leben in den USA kosten, warnten die Taliban am Sonntag. Die USA versprachen währenddessen, den militärischen Druck auf die Islamisten aufrechtzuerhalten, was eine erstaunliche Umkehrung der Bemühungen zur Ausarbeitung eines Abkommens nach fast 20 Jahren Krieg in Afghanistan bedeutet.

Die islamistische Gruppe gab eine Erklärung ab, nachdem Trump am späten Samstag bekannt gegeben hatte, dass er die für Sonntag geplanten Geheimgespräche mit den wichtigsten Führern der Taliban auf dem Gelände des Präsidenten in Camp David, Maryland, unerwartet abgesagt hatte, berichtete Reuters. Er brach die Gespräche ab, nachdem die Taliban letzte Woche die Verantwortung für einen Angriff in Kabul übernommen hatten, bei dem ein amerikanischer Soldat und elf andere getötet wurden.

Zabihullah Mujahid, ein Sprecher der Taliban, kritisierte Trump, weil er den Dialog abgebrochen habe, und sagte, die US-Streitkräfte hätten zur gleichen Zeit Afghanistan bombardiert.

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„Dies wird zu weiteren Verlusten für die USA führen“, sagte er. „Ihre Glaubwürdigkeit wird beeinträchtigt, ihre Haltung gegen den Frieden wird der Welt sichtbar sein, und die Verluste an Leben und Assets werden zunehmen.“ Doch wie glaubwürdig sind die Amerikaner überhaupt, wenn sie stets einseitig Abkommen und Verträge (z.B. den Nukleardeal mit dem Iran oder den INF-Vertrag mit Russland) aufkündigen, nur weil sie plötzlich andere Zielsetzungen haben?

Zurück in Washington erklärte Außenminister und Ex-CIA-Chef Mike Pompeo, dass die afghanischen Friedensgespräche unterbrochen würden und Washington die US-Militärunterstützung für afghanische Truppen nicht verringern würde, bis er überzeugt sei, dass die Taliban signifikante Fortschritte bei ihren Verpflichtungen erzielen könnten. Darüber hinaus sagte Pompeo am Sonntag laut den TV-Nachrichten, dass die USA den US-Sonderbeauftragten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, zurückgerufen hat. Auf die Frage bei „Fox News Sunday“, ob die afghanischen Gespräche tot seien, sagte Pompeo: „Zur Zeit sind sie es.“

Die Entwicklung ist ein schwerer Rückschlag für Trump, der seit langem seine Absicht bekundet hat, das Engagement der USA in Afghanistan zu beenden. Amerikanische Diplomaten sprechen seit Monaten mit Vertretern der Taliban über einen Plan, in dem Tausende US-Truppen im Austausch für Sicherheitsgarantien der Taliban abgezogen werden sollen.

Und dann brach alles zusammen, kurz nachdem die Unterhändler der USA und der Taliban letzte Woche einen Entwurf für ein Friedensabkommen unterzeichnet hatten, der zu einem Abzug der Truppen aus dem längsten amerikanischen Krieg geführt hätte. Derzeit sind 14.000 US-Streitkräfte sowie Tausende anderer NATO-Truppen im Land, 18 Jahre nach dem Einmarsch einer US-geführten Koalition nach den Angriffen der saudischen Al-Qaida am 11. September 2001 auf die Vereinigten Staaten.

Inmitten der laufenden Friedensgespräche waren die Kämpfe in Afghanistan weitergegangen, und die jüngsten Angriffe der Taliban haben Zweifel an dem Entwurf des Abkommens geäußert. Als die Gewalt eskalierte, standen afghanische Staats- und Regierungschefs, darunter Präsident Ashraf Ghani, dem Deal zunehmend kritisch gegenüber und ermutigten die Taliban, direkte Gespräche zu führen.

Auf die Frage, ob der Zusammenbruch der Gespräche auch einen Rückzug der US-Truppen auf Eis gelegt habe, sagte Pompeo, das Thema werde diskutiert. „Der Präsident hat noch keine Entscheidung getroffen“, sagte er in „This Week“ von ABC.

Laut Pompeo beschloss Trump, sich persönlich zu engagieren, um die Vereinbarung im Camp David zum Ziel zu bringen, nachdem in den Gesprächen „echte Fortschritte“ erzielt worden waren: „Präsident Trump hat letztendlich die Entscheidung getroffen“, sagte Pompeo gegenüber Fox. „Er sagte: ‚Ich möchte mit (Präsident) Ashraf Ghani sprechen. Ich möchte mit diesen Taliban-Unterhändlern sprechen. Ich möchte ihnen in die Augen schauen. Ich möchte sehen, ob wir das Endergebnis erreichen, das wir brauchten.'“ Am Ende war die Antwort nein.

Man kann also davon ausgehen, dass es in der nächsten Zeit zu vermehrten Anschlägen auf US-Einrichtungen durch die Taliban kommen wird. Ob die islamistische Miliz es tatsächlich schafft, auf US-Boden Anschläge durchzuführen, wird sich noch zeigen müssen. Doch die Ansage ist klar.

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1 KOMMENTAR

  1. Die damalige Sowjetunion hat erkannt, daß ein Krieg in diesem muslimischen Sumpfgebiet auf herkömmliche Art nicht zu gewinnen ist und sie haben sich zurückgezogen und der Westen hat daraus nichts gelernt und ist in die gleiche Falle getappt und auch sie werden nichts erreichen, denn die Nachbarn sind Glaubensbrüder und sehen diesen Angriff auf Afghanistan durch die gleiche Brille und deshalb ist eine Transformation nach westlichem Vorbild nahezu unmöglich und besser wäre es, man überläßt sie sich selbst, bevor man Geld und Menschen opfert für eine sinnlose Sache, die niemals nach unserem Verständnis zu bereinigen ist.

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