Hongkong wird für Peking zunehmend zu einem politischen Problemfall. Ein Plan B existiert jedoch bereits: die Nachbarstadt Shenzhen soll dessen wirtschaftliche und finanzielle Rolle übernehmen.

Von Redaktion

Rund 1,7 Millionen Demonstranten versammelten sich am Sonntagnachmittag im Victoria Park in Hongkong, um das 11. Wochenende in Folge demokratieorientierter Proteste in einem Stadtstaat zu feiern, der jahrzehntelang als quasi unabhängiger Stadtstaat und finanzielles Tor zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fungierte.

Aber wie die Gegenreaktion zum Auslieferungsgesetz gezeigt hat, werden sich Hongkonger nicht einfach zurücklehnen und Peking passiv erlauben, Chinas charakteristischen Stil der technokratisch-autokratischen Herrschaft durchzusetzen, obwohl die (von US-„NGOs“ unterstützte) Regenschirm-Bewegung von 2014 die kommunistische Partei nicht daran hinderte, ihr bevorzugtes Führungsteam zu installieren.

Zwar schaffte Peking es nicht, mittels Truppenansammlungen jenseits der Grenze zu Hongkong die dortigen Demonstranten einzuschüchtern, doch zumindest die radikalen Gruppierungen scheinen ihre Aggressivität zurückgefahren zu haben. Doch die chinesische Führung weiß, dass Hongkong ein schwieriges Pflaster bleiben wird. Nun berichtet der japanische „Nikkei Asian Review„, dass Peking bereits einen Plan entwickelt hat, der Hongkong um seine Rolle bringen könnte.

Das heißt, die chinesische Regierung plant angeblich, Shenzen, das südöstliche Technologiezentrum, das das Festland mit Hongkong verbindet, in das „neue Hongkong“ zu „verwandeln“, indem sie wirtschaftsfördernde Reformen durchführt und die sozialen Dienste für die Arbeitnehmer stärkt. Kurzum: Die Stadt soll nach Vorbild von Hongkong umgestaltet werden. Shenzen soll multinationalen Unternehmen viele Anreize bieten, den Marktzugang zu erweitern und gleichzeitig die Beschränkungen für Meinungsäußerungen und politische Aktivitäten auf dem Festland beizubehalten.

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Viele der Reformen wurden in einem Dokument beschrieben, das am Sonntag vom chinesischen Staatsrat herausgegeben wurde, dem Äquivalent der Kommunistischen Partei zum Kabinett der Exekutive. In dem Nikkei-Bericht heißt es:

Shenzhen werde als „Demonstrationszone“ für den chinesischen Sozialismus dienen, heißt es in dem Dokument. Dazu gehört eine verbesserte Infrastruktur für das Gesundheitswesen in Verbindung mit einem erstklassigen Bildungssystem, das auch die Berufsausbildung umfasst.

Die Stadt wird die Entwicklung eines drahtlosen Netzwerks der fünften Generation (5G) beschleunigen. Talente von außerhalb des Festlandes werden es leichter finden, die Grenze zu überqueren und in Shenzhen zu wohnen.

In den Leitlinien heißt es, dass Shenzhen bis 2025 „eine der führenden Städte der Welt in Bezug auf wirtschaftliche Stärke und Entwicklungsqualität“ sein wird. Die Stadt wird bis 2035 ein „nationales Modell für qualitativ hochwertige Entwicklung“ und bis Mitte des 21. Jahrhunderts eine „Top-Kosmopole“ weltweit.

Wird dieser Plan umgesetzt, kommen auf Hongkong schwierigere Zeiten zu. Schon jetzt kommt es zur Kapitalflucht und der Hongkong-Dollar gerät zunehmend unter Druck.

Gleichzeitig führt die Regierung von Hongkong ein neues Konjunkturpaket ein, das die Unterstützung für Bildung und Elektrizitätszuschüsse in einer Stadt, die für den Durchschnittsbürger immer unerschwinglicher wird, stärken soll.

Da Hongkong zunehmend instabil erscheint, wird das wichtigste Verkaufsargument des Festlandes – die soziale Stabilität, die Präsident Xis zunehmend autokratisches Regime auferlegt – umso wichtiger. Für westliche Unternehmen könnte dies ein entscheidender Faktor in Sachen Investitionen werden.

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2 thoughts on “Pekings Plan B: Shenzhen wird das neue Hongkong”

  1. Das Ziel der Zentralregierung ist vermutlich, Hongkong als Wirtschaftsmetropole zu schwächen, denn schon während der Eigenständigkeit Hongkongs als britische Kronkolonie wurde Shenhzen systematisch aufgebaut und ich kann mich noch sehr genau an die Entwicklung Anfang der achtziger Jahre erinnern, wo sogar noch mit Hilfe der Hongkong-Chinesen Shenzhen als Hinterhofwerkstatt aufgebaut wurde und daran kann man auch die langfristig angedachten Ziele der Chinesen erkennen, im Gegensatz zu uns, wo man nur den Ereignissen hinten nach rennt, während sie unabhängig von Verwerfungen und Niederlagen ihre Ziele im Auge behalten und Shenhzen ist so ein klassisches Beispiel und die ganze Welt fährt schon seit langem den Perlfluß auf und ab und das ist kein Zufall und wenn man noch die langen LKW-Staus von und nach Hongkong vor Augen hat, dann weiß man was damals schon bewegt wurde und das alles haben wir hierzulande völlig unterschätzt und sie sogar noch der Gewinnmaximierung wegen reich gemacht und nun steuern wir auf unser Ende zu und die Chinesen haben die Zukunft vor sich, sollte nicht etwas gravierendes auf politischer Ebene passieren.

  2. Die Chinesen planen langfristig und handeln konsequent. Hongkong platz aus allen Nähten und die Staatsführung bietet Firmen lediglich aussichtsreichere Entwicklungsmöglichkeiten außerhalb von Hongkong.

    Aus diesem Grunde hat sie ja u.a. auch die 55 km lange (!) Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke gebaut.

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