Pakistanische Soldaten. Bild: pkkh.tv

Wirklich wollen tut ihn eigentlich kaum jemand, doch der Kaschmir-Konflikt hat das Potential, einen ausgewachsenen Krieg zwischen Indien und Pakistan auszulösen.

Von Marco Maier

Der Kaschmir-Konflikt ist gefährlicher als es den Anschein hat. Nicht nur, dass die vorwiegend muslimisch besiedelte Region nur wegen eines Hindu-Fürsten nach der Unabhängigkeit von Großbritannien zu einem erheblichen Teil bei Indien blieb, obwohl sie eigentlich Pakistan zugeschlagen hätten werden müssen. Es geht auch um die wichtigste Ressource der Zukunft: Wasser.

Für Indien und dessen von ausreichend Wasser abhängige Bevölkerung geht es hier um die langfristige Versorgung mit dem kühlen Nass. Aber auch Pakistan, dessen Bevölkerung ebenso rasch wächst wie jene des Nachbarlands, ist vom durch Kaschmir fließende Flüsse abhängig.

Das Wassernetz des Indus.

Doch gerade dies macht diesen Territorialkonflikt so gefährlich. Zwar werden immer wieder ethnische und historische Gründe vorgeschoben, wenn es um die umstrittene Region geht, doch das ist nur die halbe Wahrheit.

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Der Schritt der Hindu-nationalistischen indischen Regierung, die Teilautonomie des von ihr kontrollierten Teil Kaschmirs aufzuheben und die Region in eigene Bundesstaaten aufzuteilen, ist nur auf der einen Seite ein Zugeständnis an die eigene Wählerclientel. Denn damit wird auch das Verbot des Landkaufs von Indern außerhalb Kaschmirs aufgehoben. Ziel Neu Delhis ist es, auch ethnisch neue Fakten zu schaffen.

Gebietsansprüche in Kaschmir: Unter indischer Kontrolle: Bundesstaat Jammu und Kashmir. Unter pakistanischer Kontrolle: Asad Kaschmir und Gilgit-Baltistan. Unter chinesischer Kontrolle: Aksai Chin.
Shaksgam-Tal: von Pakistan an China abgetreten, von Indien nicht anerkannt. Bild: Furfur / Wikimedia CC BY-SA 4.0

In den nächsten Jahren könnte ein stetiger Zuzug von Indern aus anderen Teilen des Landes stattfinden und damit einhergehend auch eine Vertreibung der muslimischen Bevölkerung in Richtung Pakistan. Dies würde nicht nur die politische und gesellschaftliche Kontrolle über die Region erleichtern, sondern auch die militärische. Und natürlich auch die Umleitung von Wasserressourcen in andere Landesteile leichter ermöglichen.

Für die Pakistanis ist dies jedoch ein gewaltiger Affront. Einerseits sehen sie sich als Schutzmacht der muslimischen Inder, andererseits geht es hier um die Indus-Zuflüsse – der flüssigen Lebensader des Landes. Dafür könnten sie sich auch militärisch zur Wehr setzen. Und wer weiß, vielleicht auch sogar mit Atomwaffen…

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