Türkisches Kriegsschiff.

Mit den Gasbohrungen vor Zypern erhöht die Türkei die Spannungen in der Region. Das schadet dem Land jedoch bei seinen Planungen.

Von Vanand Meliksetian / Oilprice.com

Die Geografie der Türkei war ein Segen für den strategischen Wert des Landes. Nach dem Zweiten Weltkrieg beeilten sich die USA schnell, um Ankara in die neue transatlantische Allianz aufzunehmen. Spannungen zwischen der Türkei und ihren westlichen Verbündeten haben jedoch die Beziehungen zwischen den Partnern beschädigt und könnten letztendlich die geopolitische Landschaft verändern. Kürzlich hat Ankara erneut Kontroversen und Unruhen ausgelöst, indem es Bohraktivitäten in der zyprischen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) durchführte. Die Türkei droht aufgrund ihrer Konfrontationspolitik von ihren wichtigsten Wirtschafts- und Militärpartnern im Westen isoliert zu werden.

Ein mediterranes El Dorado

Der östliche Mittelmeerraum wurde aufgrund der Entdeckung bedeutender Gasreserven zum jüngsten Schwerpunkt der Energieunternehmen. Das Gebiet hat sich als reich an Energieressourcen erwiesen, und Ägypten, Israel und Zypern haben kürzlich bedeutende Entdeckungen gemacht. Der Libanon und der Gazastreifen haben aufgrund ähnlicher geografischer Bedingungen ebenfalls das Potenzial für erhebliche Entdeckungen. Die Türkei ist jedoch eines der wenigen Länder, die bei den jüngsten Energieentdeckungen zurückgelassen wurden.

In der Zwischenzeit haben Ägypten und Israel auf den kürzlich entdeckten Gasfeldern in ihrer AWZ erhebliche Fortschritte in Bezug auf die Produktion erzielt. In Kairo befanden sich bereits zwei Verflüssigungsanlagen in Idku und Damietta, die während des vorangegangenen Gasbooms errichtet wurden, aber zu Beginn dieses Jahrzehnts eingemottet wurden, als der Inlandsverbrauch und eine schneller als erwartete Erschöpfung die Exportträume zerstörten. Israel nutzte die Entdeckungen auch schnell, was bedeutet, dass die Produktion bereits angelaufen ist. Der jüdische Staat profitiert aufgrund seiner isolierten und prekären Lage im Nahen Osten von der Energieunabhängigkeit.

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Geopolitik neu zeichnen

Vor den jüngsten Schritten der Türkei in Bezug auf Gasexplorationsaktivitäten im östlichen Mittelmeerraum hat sich die geopolitische Landschaft bereits verändert. Die enormen finanziellen Vorteile des Exports von überschüssigem Erdgas sind ein wesentlicher Grund für die Zusammenarbeit zwischen den Küstenstaaten des Mittelmeers, die normalerweise nicht sehr freundlich zueinander sind. Beispielsweise haben mehrere Unternehmen eine Vereinbarung getroffen, israelisches Gas für Exportzwecke über bestehende Pipelines zu Ägyptens LNG-Anlagen zu schicken.

Die Zusammenarbeit zwischen Griechenland, Zypern und Israel ist besonders eigenartig, da diese Länder vorläufige Vereinbarungen über die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit getroffen haben, was eine Bedrohung für die Interessen der Türkei darstellt. Ankara ist der Ansicht, dass die türkischen Einwohner der Insel auch von den Gasexporten profitieren sollten, während die politische Distanz zwischen dem international anerkannten Zypern und der von Ankara anerkannten türkischen Republik Nordzypern dies unwahrscheinlich macht.

Die jüngsten Entscheidungen der Türkei über die politische Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran in Bezug auf Syrien und die militärische Zusammenarbeit mit Moskau schaffen zusätzliche Hürden für die Beziehungen des Landes zu westlichen Partnern. Trotz der Warnungen Washingtons hat Ankara den Kauf von Russlands fortschrittlichem S-400-Boden-Luft-Raketensystem vorangetrieben.

Die offensichtliche Inkompatibilität des Luftverteidigungssystems mit dem Kampfflugzeug F-35, für das Ankara ein wichtiger Kunde und Entwicklungspartner ist, hat die USA veranlasst, die Türkei vom Programm auszuschließen und die Lieferung von 100 Flugzeugen einzustellen. Die Vorgehensweise in dieser Episode ist kein gutes Zeichen für eine Zusammenarbeit in anderen Bereichen wie Kompromissen in der Energiepolitik und -entwicklung.

Europas letzte Warnung

Trotz mehrfacher Warnungen und Aufrufe zu Verhandlungen hat die Türkei kürzlich beschlossen, ein zweites Erkundungsschiff zu schicken, um mit den Bohrungen in der international anerkannten AWZ Zyperns zu beginnen. Ankara behauptet, dass diese Gebiete Teil seines Festlandsockels sind, während Brüssel die Behauptung des EU-Mitgliedstaats Zypern nachdrücklich unterstützt.

Die EU hat darauf reagiert, indem sie Strafmaßnahmen gegen Ankara ergriffen hat, darunter die Aussetzung hochrangiger diplomatischer Gespräche und Verhandlungen über das umfassende Luftverkehrsabkommen sowie die Kürzung der finanziellen Hilfe für die Türkei vor dem EU-Beitritt im Jahr 2020. Außerdem werden 434 Mio. EUR in Darlehen der Europäischen Investitionsbank derzeit geprüft.

Trotz der relativ milden Maßnahmen schaffen die Sanktionen ein nachteiliges Investitionsklima, das Unternehmen davon abhalten könnte, Geschäfte zu tätigen. Türkische Unternehmen könnten es auch schwieriger haben, westliche Energieunternehmen zu finden, die bereit sind, technologische Beiträge zu möglichen Gasentdeckungen zu leisten.

Der verheerendste Schlag könnte jedoch die Auswirkung auf die Pläne der Türkei sein, ein Energiezentrum zu werden. Ankara hat es nicht zu einem Geheimnis gemacht, dass es als Drehscheibe für kaspische und nahöstliche Energieträger dienen möchte, um sie nach Europa fließen zu lassen. Wenn die Türkei auf ihrem Weg der Konfrontation bleibt, könnte die EU zu dem Schluss kommen, dass das Land nicht der richtige Kandidat ist, um als Kanal für kritische Ressourcen zu den Grenzen Europas zu dienen.

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2 KOMMENTARE

  1. Ein Verzweifelter kämpft um seinen Machterhalt und will durch äußere Aktivitäten davon ablenken und verstrickt sich dabei immer mehr im Gespinnst globaler Interessen und wenn er da nicht plötzlich mal hängen bleibt, denn was er hier betreibt ist das Spielchen der Reise nach Jerusalem nachempfunden, aufspringen um den nächsten Stuhl zu erhaschen und hoffentlich fällt er nicht daneben, das ist dann sein ureigenstes Risiko.

  2. Die Türkei betont stets, ihre Bohraktivitäten ausschließlich in ihrer eigenen Wirtschaftszone (AWZ) auszuführen, die von den Vereinten Nationen UNO im Jahr 2004 registriert wurde. Sie wirft ihrerseits der griechisch-zyprischen Regierung vor, unrechtmäßig in Teilen des türkischen Schelfs zu bohren, insbesondere in den Blöcken 1, 4, 5, 6 und 7.

    Zypern ist seit einem von der damaligen Militärjunta in Griechenland unterstützten Putsch und einer anschließenden türkischen Militärintervention im Jahr 1974 geteilt.

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