Bereits in einigen Jahren könnten Kaffee-Liebhaber ein Problem haben. Die Kaffee-Farmer können von ihrer Produktion nicht mehr überleben und werden zunehmend aufgeben müssen.

Von Marco Maier

Die Erzeugerpreise für Kaffee sind wieder einmal im Keller. Nur noch 0,88 Dollar gibt es pro Pfund. Davor lag der Preis noch bei gut einem Dollar. Aber dennoch der niedrigste Preis, den die Farmer seit einem Jahrzehnt gesehen haben. Doch um zumindest überleben zu können, brauchen sie einen Preis von deutlich mehr als einem Dollar je Pfund.

Für rund 21 Millionen Familien rund um den Erdball, die vom Anbau von Kaffee leben, ist dies eine harte Zeit. Die Einnahmen decken oftmals nicht einmal mehr die laufenden Kosten. Von Geld für Nahrungsmittel ist da schon gar nicht einmal mehr die Rede.

Kaffeestrauch

Immer mehr Kaffee-Farmer denken daran, den Anbau einzustellen. Und das trotz der steigenden Nachfrage (jährlich rund zwei Prozent Plus) nach den braunen Bohnen. Denn laut der Specialty Coffee Association of America haben beispielsweise mehr als 60 Prozent aller Kaffee-Farmer in Guatemala, Nicaragua, El Salvador und Mexiko in den letzten zehn Jahren Ernährungsunsicherheit während des Erntezyklus erlebt. In Afrika, wo die Strukturen kleinteiliger sind, sieht es nicht besser aus.

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Doch das Problem ist: während die globale Kaffeeindustrie jährlich 200 Milliarden Dollar Umsatz macht, gehen gerade einmal rund 20 Milliarden Dollar (oder zehn Prozent) an die Produzenten. Ein äußerst schlechtes Verhältnis. Dies zeigt auch die nachfolgende BBC-Grafik:

Während die britischen Konsumenten während der letzten zweieinhalb Jahre (in US-Dollar) deutlich mehr pro Pfund bezahlen mussten, erhielten die Farmer in Kolumbien und Uganda beispielsweise deutlich weniger für ihre Kaffeebohnen. Das kann auf Dauer jedoch nicht funktionieren.

Wenn jedoch die Kaffee-Farmer auf andere Produkte umsteigen, weil die Kaffee-Industrie nicht einmal mehr kostendeckende Preise bezahlen will, wird es zu einem Engpass kommen. Denn wenn die Kaffee-Sträucher gerodet werden um Platz für andere Pflanzen zu machen, dauert es wieder einige Jahre bis entsprechende Kaffee-Kulturen nachgewachsen sind. Selbst stark steigende Preise in Zukunft können das Angebot nicht so schnell wieder erhöhen.

Das heißt aber auch, dass wir wohl bereits in einigen Jahren vor einer „Kaffee-Krise“ stehen werden. Für Kaffee-Liebhaber werden das dann teure Zeiten.

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3 KOMMENTARE

  1. Die Annahme des Autors, dass die in der Produktfalle steckenden Kaffeepflanzer durch einen Wechsel auf eine andere Anbaukultur sich aus der misslichen Lage befreien könnten, sind doch Hirngespinste.
    Die Pflanzer sind alle arm und haben keine Rücklagen. Für einen Wechsel bekämen sie auch keinen Kredit.

    Die Statistik der BBC zeigt deutlich, dass die Pflanzer weiter für lau schuften müssen, um wenigstens zu überleben. Die Kaffeemultis haben auch kein Interesse daran, dass sich an dieser stabilen Lage etwas ändert.

  2. Das ist nicht nur ein Problem für die Kaffeeanbauer, es gibt genug andere Verarbeiter, dies sich die Taschen zu Lasten der Erzeuger füllen und selbst der Staat greift hierzulande für`s Nichtstun mit 19% Mwst. unter anderem zu und mir selbst sind Branchen bekannt, wo ein Deckungsbeitrag von 500% und mehr keine Seltenheit ist und damit ist das Limit des Anstandes schon lange überschritten und man kann sich nur wundern, daß diese Produkte soweit möglich nicht gemieden werden, denn das hat etwas mit Ethik zu tun und der Meßpegel sind die jährlichen Ausschüttungen für die einen und die anderen können dann sehen wo sie bleiben, das betrifft vordergründig den geknechteten Lieferanten und seine Arbeiterschaft, wobei nicht alle so handeln und auch vielen Zwängen unterliegen, aber es gibt Paradebeispiele wo Geld in unverantwortlicherweise für die Eigner generiert wird und deren Mitarbeiter im Proporz gesehen unter aller Würde entlohnt werden und das hauptsächlich im sogenannten Mittelstand, wo sich die meisten Beschäftigen vorfinden und nur ordentlich leben können, weil die Frauen noch mitarbeiten, ansonsten wäre es für manchen sehr schlecht bestellt.

  3. Der Hauptwiderspruch des Systems besteht darin, dass alle Unternehmen zahlungskräftige Kunden UND niedrige Lohnkosten brauchen können Arbeitnehmer sich keine anständigen Löhne erkämpfen (Spekulant: Warren Buffet: „Stell Dir vor, es ist Klassenkampf und wir gewinnen ihn) so gerät das System aus den Fugen Sehr schön an den Autokäufen abzusehen: Um 1990 wurde meistens gleich bezahlt, 2000 genügte meistens eine Anzahlung, 2010 gab es schon sehr oft Finanzierung ohne Anzahlung und heute gibt es Abwrackprämien.
    Das System ist am Ende und eine Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft (oder anderswo zum ersten Ma) weit und breit nicht in Sicht. Die Sinkflug der SPD hängt auch damit zusammen, dass es ihr niemand mehr zutraut und bei den Linken damit, dass Sahra Wagenknecht entmachtet ist. Leider ist das Schiksal der Kaffeebauern ein Blick in unsere Zukunft.

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