Ein Schiff in der arktischen See.

China investiert viel Geld in der Arktis. Was steckt dahinter? Die USA warnen vor einer Militarisierung der Region.

Von Global Risk Insights

In Rovaniemi versammelten sich Diplomaten, um den Zustand des Nordpols zu erörtern. Sie wurden von der Haltung der USA überrascht. In einer Rede vor dem Arktischen Rat warnte der US-Außenminister Mike Pompeo scharf vor Chinas zunehmender Wirtschaftstätigkeit am Nordpol und der möglichen Militarisierung seiner Projekte. Der Arktische Rat ist das wichtigste zwischenstaatliche Forum für Arktisangelegenheiten. Doch sein Mandat umfasst keine Sicherheitsfragen. Daher waren seine Äußerungen ungewöhnlich und warfen wichtige Fragen auf. Inwieweit könnten Chinas polare Bestrebungen die regionale Stabilität des Polarkreises gefährden?

Chinesische Investitionen in der Arktis

Einige der chinesischen Investitionen wurden von regionalen Akteuren begrüßt, darunter das China Iceland Joint Arctic Science Observatory. Laut Halldor Johannsson, stellvertretender Vorsitzender der neuen Forschungseinrichtung in Nordisland, wurden die Kosten vollständig von der chinesischen Regierung übernommen. Ursprünglich zur Überwachung des Nordlichts gedacht, haben sich beide Parteien bereits verpflichtet, ihre Aktivitäten auszuweiten. Trotz früherer Verdachtsmomente in Bezug auf Investitionen eines chinesischen Milliardärs im Jahr 2011 bleibt Islands Haltung gegenüber der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit China neutral, und das Observatorium wurde im Oktober 2018 eröffnet.

In Grönland bieten schmelzende Gletscher neue Möglichkeiten für die Erkundung natürlicher Ressourcen. Chinesische Unternehmen sind an sechs verschiedenen Projekten beteiligt, darunter an einer Partnerschaft mit einem australischen Unternehmen zur Gewinnung von Uran und Seltenerdmineralien, die eine wachsende Nachfrage nach diesen Mineralien in China befriedigen könnten. Während die Umweltproblematik zur Sprache gebracht wurde, könnte die internationale Zusammenarbeit bei der Rohstoffgewinnung die Abhängigkeit Grönlands von dänischen Subventionen verringern.

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In anderen Fällen wurden chinesische Investitionen jedoch mit vorsichtigen Augen aufgenommen. Grönland ist eine dünn besiedelte, aber weite Insel. Zur Beförderung von Gütern als auch Personen ist man auf die Luftfahrt angewiesen. Als sich 2017 zwei chinesische Bauunternehmen um eine staatliche Ausschreibung zum Bau von drei Flughäfen bewarben, löste ihr Angebot zur Verbesserung des Infrastrukturnetzes der Insel im dänischen Parlament die Befürchtung einer chinesischen Übernahme aus. Um zu verhindern, dass Grönland in eine potenzielle Schuldenfalle gerät, bot Dänemark an, die Projekte stattdessen zu finanzieren.

In Schweden wurde eine neu eröffnete Forschungseinrichtung in Kiruna ebenfalls unter die Lupe genommen, nachdem die schwedische Verteidigungsforschungsagentur, eine Einrichtung des schwedischen Verteidigungsministeriums, argumentiert hatte, dass ihre Überwachungsfähigkeiten vom chinesischen Militär missbraucht werden könnten. Chinas erste eigene Satelliten-Bodenstation wurde im Januar 2019 eröffnet und soll den weltweiten Satellitendatenempfang verbessern. Die stark verwischten Grenzen zwischen zivilem und militärischem Bereich in Chinas Weltraumbemühungen führen jedoch dazu, dass potenzielle militärische Anwendungen seiner neuen Satellitenbasis nicht ausgeschlossen werden können. Es sind diese Bedenken, die den Antagonismus der USA gegenüber einer wachsenden chinesischen Präsenz am Nordpol schüren.

Einfach geschäftlich?

Diese Investitionen sind beispielhaft für den Wunsch Chinas, eine „polare Großmacht“ zu werden. Dieser Begriff wurde 2014 erstmals von Präsident Xi Jinping verwendet. Seit Januar 2018, als das Informationsbüro des Staatsrates ein Weißbuch veröffentlichte, sind seine Bestrebungen in den Polarregionen klarer geworden mit dem Titel „Chinas Arktis-Politik“. In diesem Dokument werden einige wirtschaftliche und wissenschaftliche Interessen Chinas in der Arktis skizziert, jedoch keine langfristigen militärischen und strategischen Ziele genannt.

Konkret fordert das Papier eine internationale Zusammenarbeit, um eine neue Schifffahrtsroute durch die Arktis zu entwickeln. Die neue Route, die als Nordmeerroute bezeichnet wird, spart 15 Tage der Schifffahrtszeit ein. Sie ermöglicht es Schiffen, durch russische Gewässer zu navigieren, um in die Meere Westeuropas zu gelangen. Seit 2013 hat die chinesische Reederei COSCO 22 Handelsreisen durchgeführt, und für die kommenden Jahre wird ein Anstieg des Frachtvolumens prognostiziert.

Darüber hinaus wird der Schwerpunkt auf die potenzielle Gewinnung natürlicher und lebender Ressourcen gelegt. Zusätzlich zu seinen Aktivitäten in Grönland ist China auch an einem chinesisch-russischen Joint Venture in Jamal (Russland) beteiligt, um Flüssigerdgas zu fördern. Eine kürzliche bürokratische Umwälzung im März 2018 hat die chinesische Arktis- und Antarktisverwaltung unter die direkte Aufsicht des neuen Ministeriums für natürliche Ressourcen gestellt. Dies verdeutlicht die Bedeutung, die die chinesische Regierung der möglichen wirtschaftlichen Nutzung der Arktis beimisst.

Während die Geschäftsinteressen die chinesische Außenpolitik im hohen Norden dominieren, dürften auch andere Absichten eine Rolle spielen. Die Arktis wird zum Beispiel von chinesischen Forschern als Barometer für den Klimawandel angesehen, was sich direkt auf die nationale Sicherheit Chinas auswirken kann. Beispielsweise drohen steigende Meeresspiegel die chinesischen Küstenregionen einschließlich des hoch industrialisierten Perlenfluss-Delta zu überfluten. Und obwohl die Regierung eine offizielle Stellungnahme zu militärischen Angelegenheiten zurückgehalten hat, diskutieren Wissenschaftler der Volksbefreiungsarmee weiterhin über die geostrategischen Auswirkungen des Abschmelzens von Eiskappen.

Die schneebedeckte Straße vor uns

Das Regieren in der Arktis ist jedoch ein äußerst komplizierter Prozess: Statt eines einzigen Regimes wird die Region von einem Flickenteppich internationaler Verträge regiert. Obwohl der Arktische Rat einen gewissen Einfluss ausübt, begünstigt der derzeitige Rechtsrahmen die fünf Küstenstaaten Kanada, Dänemark, die Vereinigten Staaten, Russland und Norwegen. In der Ilulissat-Erklärung von 2008 bekräftigte diese Gruppe ihren Vorrang in Arktisangelegenheiten und verhinderte wirksam die Schaffung eines umfassenden Arktisvertrags ohne dessen Genehmigung.

Obwohl chinesische Gelehrte Bedenken hinsichtlich des Ausschlusses der gegenwärtigen Regimestruktur geäußert haben, achten die Beamten darauf, keine öffentlichen Erklärungen abzugeben. Trotz der Einschränkungen, die das derzeitige arktische Regime für China darstellt, bieten die derzeit geltenden Verträge dem Land einen gewissen Spielraum, um sich für seine Interessen einzusetzen. China wird daher voraussichtlich weiterhin auf eine internationale Zusammenarbeit in diesen Bereichen drängen. Es wird eifrig sein, eine Sekuritisation der Region zu vermeiden. Wissenschaftliche Investitionen wie in Island bieten die Gelegenheit, Verbindungen zu potenziellen Verbündeten in der Arktis, einschließlich ihrer eigenen Nachbarn, zu knüpfen: Seit 2013 haben China, Japan und Korea jährliche Gipfeltreffen zur arktischen Zusammenarbeit abgehalten.

Da der Klimawandel im Mittelpunkt des Arktischen Rates steht, bleibt China vorerst vom Radar abgeschnitten. Die Aktivitäten im hohen Norden sind derzeit begrenzt. Eine chinesische Militarisierung ist in absehbarer Zeit unwahrscheinlich, da das Land weiterhin Verbindungen zu den wichtigsten Interessengruppen in der Region aufbaut. Der militärische Einsatz von ziviler Technologie kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Diese Unsicherheiten können zu einer weiteren Feindseligkeit der Vereinigten Staaten gegenüber Chinas Auslandspolitik führen. Ähnlich wie das Unbehagen in Bezug auf die Verwendung der chinesischen 5G-Technologie ist es wahrscheinlich, dass eine zunehmende Anzahl von chinesischen Unternehmungen rund um den Arktischen Ozean ein weiterer Faktor wird, der zum wachsenden Misstrauen zwischen den beiden Nationen beiträgt.

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1 KOMMENTAR

  1. Wenn man die chinesischen Interessen in bezug auf Grönland sieht, kann man sehr wohl begreifen, dass der US Imperialismus diesen feindlich gegenübersteht. Denn schließlich ist er es, der seit Jahrzehnten mit HAARP (Klimaverschiebung) daran arbeitet den Eispanzer abzutauen um an die Rohstoffe zu gelangen. Die Interessen an Jamal zwecks des Erdgases, sind auch begreiflich, da China ebenfalls die Kohle aus der Energiegewinnung drängen will. Na ja und die Ost-West-Passage ergibt für den Handelsaustausch seitens der Chinesen große Vorteile gegenüber dem Suezkanal. Und wegen der militärischen Präsens sollte man nach dem Verursacher dieser schauen und man wird erkennen, dass dies ebenfalls der US Imperialismus ist, der die USA und die westlichen Arktisanrainerstaaten beherrscht.

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