Los von London: Jetzt auch Wales?

Vor allem angesichts der Brexit-Wirren drängen die Schotten bereits aus dem Vereinigten Königreich. In Wales gewinnt die Unabhängigkeitsbewegung jedoch auch stark an Zustimmung.

Von Redaktion

Das anhaltende politische Chaos in Westminster über den Brexit und verwandte Themen setzt die Peripherie des Vereinigten Königreichs zunehmend unter Druck. Es gibt bereits einen wachsenden Chor der Unterstützung für ein zweites schottisches Unabhängigkeitsreferendum.

Jetzt deuten neue Meinungsumfragen darauf hin, dass auch die Unterstützung für die Unabhängigkeit von Wales zunimmt. Abgesehen von den letzten Umfragen wurden drei große Meinungsumfragen zu den Einstellungen der walisischen Wähler zur Unabhängigkeit durchgeführt, die 2014 begonnen hatten und 2018 endeten.

Im Jahr 2014 lag die Unterstützung für die Unabhängigkeit bei mageren 14 Prozent, während diese bis 2018 auf 23 Prozent angestiegen war. Und jetzt zeigt die jüngste Umfrage von YouGov, dass 14 Prozent der Befragten die Unabhängigkeit „nachdrücklich“ befürworten. Dies ist eine Steigerung von 4 Prozentpunkten aus einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2017.

Eine genauere Analyse der Umfrageergebnisse zeigt, dass bis zu 30 Prozent der Befragten in unterschiedlichem Maße die Unabhängigkeit befürworten und weitere 30 Prozent in die so genannte „Indycurious“-Kategorie fallen, was bedeutet, dass sie bereit sind, die Vorteile einer Unabhängigkeit zu berücksichtigen.

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Wales könnte es den Schotten gleich machen

Der rasche Anstieg der „Indycuriosity“ hat Westminster-Politiker, die nach Ausreden suchen, um den Prozess zu erklären, eindeutig erschreckt. Sogar Carwyn Jones, der von 2009 bis 2018 der erste Minister von Wales und Vorsitzende der walisischen Labour-Partei war, ist in die Debatte eingestiegen und hat behauptet, dass die chaotische Politik in London die Neugier auf walisische Unabhängigkeit wecke.

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Auf Straßenebene veranstalteten Tausende von Aktivisten und gewöhnlichen Menschen im vergangenen Monat in Cardiff eine große Demonstration, um die Unabhängigkeit von London zu fordern.

Adam Price, der Vorsitzende der unabhängigen Organisation Plaid Cymru („Walisische Partei“), sagte, dass sich das Blatt wende und die Stimmen für die Unabhängigkeit immer lauter würden.

Price machte „Jahrzehnte“ der Vernachlässigung von Westminster für Armut und unzureichende Investitionen in Wales verantwortlich und behauptete, London sei nicht mehr „fit“, um Wales zu regieren oder zu vertreten.

Unterdessen sagte Llywelyn ap Gwilym, Sprecherin der Aktivistengruppe All Under One Banner Cymru gegenüber Walesonline, dass die Debatte über die konstitutionelle Zukunft von Wales seit dem Ausbruch des Brexits vor drei Jahren intensiviert wurde.

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2 Kommentare

  1. „In Wales gewinnt die Unabhängigkeitsbewegung jedoch auch stark an Zustimmung.“

    Nach meiner Bewertung wie anderorts auch ein Strohfeuer, das zudem über eine in sich gefangene Minderheit nicht hinauswächst.
    Dazu müßte es den Leuten finanziell richtig schlecht gehen, aber solange sie ihre Schulden bedienen könnten, gibt`s keine große Wolkenverschiebungen.

  2. Das wichtigste für eine Unabhängigkeit von England ist – wie auch in Schottland und Nordirland – schon längst realisiert.

    Wales hat seine eigene „Fußballnationalmannschaft!“

    Damit sollte einer Unabhängigkeit wohl nichts im Wege stehen.

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