Klaus von Dohnanyi: Keine NATO-Osterweiterung – USA hatten Russland Zusage gegeben

Der ehemalige deutsche Bildungsminister und Bürgermeister von Hamburg Klaus von Dohnanyi (SPD) weist in der „Zeit“ darauf hin, dass US-Außenminister James Baker in seinen Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung mit Gorbatschow 1990 vereinbart hatte, dass es über die damaligen Ostgrenzen der DDR hinaus keinerlei Nato-Erweiterung geben werde.

Via Sputnik

In einem Beitrag für die Zeitung „Die Zeit“ äußert sich der SPD-Grande Klaus von Dohnanyi unter der Überschrift „Russland im Visier“ zur NATO-Osterweiterung. Dohnanyi sieht es als bestätigt an, „dass US-Außenminister James Baker in seinen Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung mit Gorbatschow Anfang Februar 1990 vereinbarte, über die damaligen Ostgrenzen der DDR hinaus werde es keinerlei Erweiterung der NATO geben.

Baker hielt dieses mündliche Versprechen in einer Notiz fest:

„End result: Unified Ger. anchored* in a changed (polit.) NATO –* whose jurisd. would not move* eastwards!“

Der SPD-Politiker bezieht sich hierbei auf Aussagen von William Burns, unter anderem ehemaliger US-Botschafter in Moskau und später stellvertretender Außenminister der USA, und der Harvard-Professorin Mary Elise Sarotte.

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Gorbatschow: Jede Erweiterung der NATO inakzeptabel

Aus dem Buch „1989“ von Sarotte zitiert Dohnanyi auch die Antwort Gorbatschows in den mündlichen Verhandlungen mit Baker:

„Ganz gewiss wäre jede Erweiterung der NATO über ihren bisherigen Bereich inakzeptabel.“

Der Inhalt des Vermerks von Baker wurde einen Tag später in einem Brief an Bundeskanzler Kohl anlässlich dessen Besuchs in Moskau übermittelt. Sarotte geht deshalb in ihrem Buch davon aus, dass Gorbatschow und Kohl die von Baker eingegangenen Verpflichtungen auch ihren Beratungen zugrunde legten. „Und aufgrund des amerikanischen Versprechens gab Gorbatschow dann Kohl die Zustimmung zur Währungsunion – und damit zur Wiedervereinigung“, schreibt Dohnanyi.

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Sarotte schreibt in ihrem Buch, wer die Entwicklung zwischen Washington und Moskau heute verstehen wolle, „sollte diese Sequenz der Ereignisse nicht aus den Augen verlieren“. Dohnanyi ergänzt: „Für die russische Seite blieb das eindeutige Versprechen des US-Außenministers Baker die vereinbarte Ausgangslage der weiteren Entwicklungen.“

Was sind die Interessen der USA in Europa?

Der 90-jährige SPD-Politiker fragt in seinem Text für „Die Zeit“:

„Was sind aber diese Interessen der USA in Europa? Schon ein Blick auf den Globus macht klar, dass die geopolitischen Interessen der USA kaum mit den Interessen Europas übereinstimmen können: Europa hat eine Landgrenze mit Russland, die USA sind durch den Atlantik geschützt. Käme es jemals zu einem nicht nuklearen Konflikt in Europa, dann würde zwar Europa zerstört, aber kein Fußbreit der USA wäre verbrannt.“

Dohnanyi schließt daraus: Was verteidigen also die USA in Europa – uns oder ihre geopolitische Weltmacht? Die politische Praxis der USA gibt leider eine allzu überzeugende Antwort!

Klaus von Dohnanyi war von 1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, von 1969 bis 1981 Mitglied des Deutschen Bundestags und von 1981 bis 1988 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

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9 Kommentare

  1. So ist es halt. wenn man mit Roßtäuschern mündliche Abmachungen trifft, denn der symbolische Handschlag von damals mit freundlichen Worten untermauert müßte ihnen im Nachhinein eine Lehre sein und es bleibt nun in der Entscheidung des Betrachters, wer nun wen auf`s Kreuz gelegt hat, die Russen sicherlich nicht.

  2. Nun, wo praktisch schon alle Messen gesungen sind, meldet sich der „kampfesmutige“ Klaus von Dohnany.

    Es sind die richtigen Worte und Darstellungen, doch jetzt werden sie keinerlei Beachtung mehr finden. Nur die Sozis können so später behaupten, wir haben es schon immer gesagt und sich an ihrer eigenen Legendenbildung erfreuen.

    1. Einer der 90 ist sagt seine Sicht auf Dinge, die in seinem Leben passiert sind. Er kann daran nichts mehr ändern. Es ist eine Meinung, mit der Nachfahren die eigene abgleichen/vergleichen können. Lehren sind möglich.

  3. „Was sind aber diese Interessen der USA in Europa?

    Sie haben einen Vasallenstaat errichtet und die Nachkriegsdeuschen ergießen sich im Kuschen.
    Wer zuwenig im Hirn hat läßt sich in den unteren Schubladen einsortieren.

    1. Für die Russen ist WK2 beendet. Sie zogen ab.
      Für die AMIs ist WK2 gewonnen – sie bleiben da, als Sieger. Und der Unterlegene kuscht. Läßt Landraub zu in Ramstein und Atombombenstapel in Büchel.

      1. Nur ein Schwächling kuscht. Deutschland bekommt den Aderlass an Kriegstoten und hellen Köpfen, die zu Kriegsende in alle Welt flohen voll zu spüren. Ein anderer Teil, vor die Wahl gestellt entweder in die USA überzuwechseln oder vors Kriegsgericht gezerrt zu werden kommt voll zum zum Tragen.
        Die Resthirne daheim fressen sich durch die Lektüre der Feinde.
        Die Resultate liegen vor.
        Mit einem Deutschen von heute, also geboren nach 2.WK, kann man sich zum Thema 2. WK kaum noch unterhalten. Sie reden einen Stuß, und erweisen sich unfähig einem zuzuhören.

  4. Heute bekäme selbst Ernst Thälmann oder gar Walter Ulbricht pausenlos die Nazikeule um die Ohren.

    Helmut Schmidt sah es bereits kommen.Warum ist das Video (90 min.) seines privaten Abschiedsbesuches bei Wladimir Putin „Leider in Deutschland nicht verfügbar“ ?

    Er warnte bereits 1982 im Spiegel vor allem, was dann auch wirklich kam…..Sogar noch 10 Mal mehr !

  5. Der Gründer und Vorsitzende des führenden privaten US-amerikanischen Think Tank STRATFOR (Abkürzung für Stategic Forecasting Inc.) George Friedman bestätigt am 4. Februar 2015, dass die USA seit mehr als 100 Jahren die deutsch-russische Zusammenarbeit mit allen Mitteln verhindern wollen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht, inclusive vorsätzlicher Lügen bis zum Krieg. Dieses Video (13 Minuten) unbedingt ansehen.

    STRATFOR: US-Hauptziel seit einem Jahrhundert war Bündnis Russland+Deutschland zu verhindern ==> http://www.youtube.com/watch?v=gcj8xN2UDKc

  6. Ich finde es schon wichtig herauszukristallisieren, wie diese Geschichte der Osterweiterung tatsächlich politisch verlaufen ist. Ändern kann man nichts mehr daran, aber das Verhalten der US-Regierung bezüglich der Durchsetzung ihrer Interessen ist klar ersichtlich und vervollständigt nahtlos ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Ländern. Ein Bild, das heute jeder Polit-Interessierte zur Genüge kennt.
    Die US-Regierung hält sich weder an Gesetze noch an Abmachungen – schriftlich oder nicht, ist völlig unerheblich. Sie erkennt weder das Völkerrecht – siehe Naher Osten, noch die Menschenrechte – Bsp. Guantanamo, Naher Osten, Drohnen-Morde, Jemen-Genozid usw. usw. Bei allen Verlogenheiten, Versprechungen, erpresserischen Deals usw. usw. kann man gemäss Erfahrung jede Abmachung mit der US-Regierung gleich in den Abfalleimer werfen. Die Diplomatie sinkt dabei zu einem Polit-Hollywood oder zu einem Karikatur-Szenarium ab und macht sich lächerlich.

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