Immer mehr Zentralbanken setzen immer mehr auf Gold. Warum? Unter anderem auch deshalb, weil sie dem US-Dollar zunehmend misstrauen. Dieser wird von Washington gerne als Erpressungsinstrument genutzt.

Von Marco Maier

Das Vertrauen in die USA und den US-Dollar sinkt weltweit immer mehr. Unter anderem auch deshalb, weil Washington die weitreichende Verbreitung der Weltleitwährung auch für die politische, wirtschaftliche und finanzielle Erpressung anderer Staaten nutzt. Zudem machen sich die Regierungen durch den Besitz von Dollar-Reserven von Washington abhängig.

Doch die Dollar-Dominanz bewegt sich zu einem Ende hin. Regierungen auf der ganzen Welt befanden sich in letzter Zeit in einem „Goldkaufrausch“. Diese Länder haben einen taktvollen Grund dafür. Dieser Grund hängt direkt mit der Erwartung des unvermeidlichen Endes der US-Hegemonie zusammen.

Zentralbanken gehören zu den größten Goldkäufern. Bislang haben sie im Jahr 2019 insgesamt 145,5 Tonnen Gold gekauft. Das ist in einem Quartal mehr als die Zentralbanken in den letzten sechs Jahren im Vergleichszeitraum kauften. Um es auf den Punkt zu bringen, dies entspricht einer Steigerung von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im vergangenen Jahr erhöhten die Zentralbanken ihre Reserven um 651,5 Tonnen gegenüber 375 Tonnen im Jahr 2017. Berichten zufolge ist dies der größte Nettogoldbezug seit 1967.

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Vor allem US-Gegner kaufen Gold

Am interessantesten ist jedoch die Klasse der Länder, in denen immer mehr Gold gehortet wird. Viele von ihnen gelten als Gegner Washingtons:

Russland ist wie immer der größte Goldkäufer. Im Jahr 2018 kaufte die russische Zentralbank 274,3 Tonnen Gold. Es hat auch 84 Prozent seiner US-Staatsanleihen abgebaut.

Die Türkei, ein weiteres Land, das eine Abkehr vom US-EU-Bündnis und eine größere Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Wirtschafts- und Militärkonkurrenten wie Russland, China und sogar dem Iran signalisiert hat, hat rund 38 Prozent seiner US-Staatsanleihen verkauft und kauft immer mehr Gold.

Andere Nationen, die ihre Goldreserven erhöhen, sind nach jüngsten Statistiken Kasachstan, Ecuador, Katar, Serbien und Kolumbien. Sogar die Philippinen haben sich der Goldkäufer angeschlossen, ihre Goldbestände bei den Devisenreserven aufgestockt und goldspezifische Gesetze verabschiedet, um Kleinbergarbeitern im Land zu helfen.

Über kurz oder lang werden immer mehr Länder auf den Zug aufspringen, nachdem in den letzten Jahrzehnten viele Staaten ihre Goldreserven reduzierten. Der Vorteil an Gold ist eben, dass es faktisch unbegrenzt haltbar ist und es keine Gefahr einer Hyperinflation gibt. Im Gegenteil: Über die Jahrhunderte hinweg war die Kaufkraft des Edelmetalls (mit wenigen kurzzeitigen Ausreißern nach unten und oben) stets recht stabil. Zudem kann Washington den Goldhandel nicht sanktionieren und jeder andere Staat der Welt akzeptiert das Edelmetall auch als Zahlungsmittel.

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1 KOMMENTAR

  1. In einer normalen Welt wäre die Währungsdeckung durch die wirtschaftliche Leistungskraft des jeweiligen Staates das Vernünftigste überhaupt.

    Da wir aber in keiner normalen Welt leben und das internationale Finanzkapital streng darauf achtet, dass kein Staat aus seinem System ausschert, muss also ein anderes Äquivalent her, das weniger störanfällig gegenüber äußeren Einflussnahmen ist und das ist in der erforderlichen Größenordnung nur das Gold.
    Gold hat noch eine weitere, wichtige Eigenschaft, wie im Artikel dargelegt, es besitzt eine allgemeine Akzeptanz.

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