Weltpolitik machen inzwischen fast nur noch die USA, Russland und China. Europa spielt faktisch kaum mehr eine Rolle.

Von Marco Maier

Noch vor wenigen Jahrzehnten spielten europäische Mächte weltweit eine bedeutende Rolle. Heute ist selbst die Europäische Union nicht in der Lage, eine ähnliche globale Machtfülle zu erreichen, wie sie alleine Großbritannien oder Frankreich damals hatten. Mit ein Grund dafür ist die Entkolonialisierung der Welt, sowie der Aufstieg neuer globaler Mächte.

Die zuvor eher auf sich selbst und ihre Nachbarschaft fokussierten Länder USA, Russland und China haben sich einen Platz auf der Weltbühne erkämpft. Jedes Land mit eigenen Mitteln und Methoden, aber dennoch mit global betrachtet mehr Macht und Einfluss als noch 1919, 1819 oder gar 1719. Auch wenn noch Frankreich und Großbritannien ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat sind, so spielen sie auf der Bühne der Weltpolitik keine wirkliche Rolle mehr. Die wirklich wichtigen Entscheidungen werden vielmehr in Washington, Moskau und Peking getroffen.

Auf den Punkt gebracht hat dies einer unserer Kommentatoren, „Achim“, beim Artikel zum geplanten Treffen Trumps mit Putin und Xi. Er schrieb:

„Allein die Tatsache, daß Trump die Gespräche mit Putin und Xi in den Vordergrund stellt ist Beweis genug, was er von den Europäern hält und deren Existenz nimmt er gerade noch wahr, sieht sie aber als zukunftslos an, sonst würde er auch mit ihnen persönlich Strategien ausarbeiten, was er dann gerne seinen Ministern mit belanglosen Gesprächen überläßt und daran kann man erkennen, wie nun die Welt neue aufgeteilt wird, Europa ist Nebensache und daran sind ihre Regierungen schuld und sonst niemand.“

Man braucht nur auf die geopolitischen Krisenherde Nordkorea, Iran und Venezuela zu blicken. Wer hat bei den Diskussionen auf höchster Ebene überhaupt Gewicht? Es sind die USA, Russland und China. Und selbst wenn beispielsweise Deutschland, Frankreich und Großbritannien ebenso am Atomabkommen mit dem Iran beteiligt sind, so spielen deren diplomatischen Offensiven kaum eine Rolle. In Sachen Nordkorea oder Venezuela sind sie so oder so völlig außen vor. Eigenständige Initiativen braucht man nicht zu erwarten. Und sonst? Sonst werden sie ohnehin mehr als US-Anhängsel wahrgenommen.

Die EU braucht eine Reform

Die Zeiten haben sich geändert. Kein Wunder, dass der Brüsseler Apparat nach mehr Zentralisierung und mehr Macht ruft. Ein EU-Superstaat könnte wirtschaftlich mit den USA und China konkurrieren und mit einer eigenen EU-Armee wäre auch auf geopolitischer Ebene durchaus etwas machbar. Dem stehen einerseits die Patrioten und Nationalisten in den einzelnen Ländern gegenüber, aber auch die Transatlantiker in den eigenen Politreihen. Letztere wollen Europa möglichst noch lange als „Wurmfortsatz“ der Vereinigten Staaten behalten. Zu viel Eigenständigkeit ist gegen die US-Interessen.

Kein Wunder also, dass Russlands Präsident, Wladimir Putin, erst kürzlich verlautbaren ließ, dass sein Land vielmehr an einem stabilen Europa interessiert ist. Klar: Ein starkes, eigenständiges „Europa“ (also im Sinne der EU) passt gut in die neue multipolare Weltordnung und weist auch die Amerikaner in die Schranken. Mit den Europäern selbst kann Russland besser verhandeln als mit ihnen als US-Befehlsempfänger. Das weiß auch Putin.

Die „Europäer“ müssen eben nur noch einen Weg finden, wie sie einerseits die Auflösung der Nationalstaaten in einen EU-Superstaat verhindern und trotzdem eine eigenständige und starke Politik durchführen können. Eine Politik, die sich an der neuen multipolaren Weltordnung orientiert, in der auch die Europäer ihren Platz haben. Und zwar als eigenständige Entität und nicht als US-Vasall.

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4 KOMMENTARE

  1. Was geschieht mit der angefütterten, fettleibigen Weihnachtsgans?
    Ist sie erst einmal gemästet wird sie geschlachtet, kundengerecht portioniert, dann verspeist!

  2. Es ist immer wieder wichtig in die Geschichte zurückzugehen, in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg bis heute. Bedeutet, dass die Franken und die Briten mit dem WK 1 sich eine neue Weltaufteilung geschaffen haben, die ihnen aber bereits damals schon der US Imperialismus durch die Kreditierung der von der FED geschaffenen Dollar madig gemacht hat und dann mit dem 2. Weltkrieg die globale Neuaufteilung der Welt zu seinen Gunsten schaffte. Erst 1971 hat die VR China das von Chiang Kai-shek geführte China in den Vereinten Nationen abgelöst. Die Sowjetunion 1990 in die Hölle geschickt und Russland ist erst im Jahr 2000 unter Putin wieder auferstanden. Seitdem wurden die Beziehungen zwischen Russland und der VR China immer besser und sind daher gestärkt gegenüber dem Imperialismus. Naja und die Franken und die Briten sind nach wie vor wegen der Kreditschulden genau wie die BriD und der Rest Europas dem USI Untertan. Mitnichten kann die EU/neue Reich reformiert werden. Es kann allerhöchstens ein vereintes Europa auf der Grundlage von souveränen Vaterländern eine Besserung bringen, was dann tatsächlich als multilateral zu bezeichnen ist, also auf Augenhöhe zum gegenseitigen Vorteil Dieses vereinte Europa im Zusammenschluß mit Russland und China in die Eurasische Union kann dann in den Vereinten Nationen die klare Anwendung deren Charta durchsetzen und somit den US Imperialisten ihre Grenzen aufzeigen. Hierzu wäre aber besonders notwendig, dass das deutsche Volk seinen Staat mit einer volksherrschaftlichen Verfassung wieder handlungsfähig macht, also neu organisiert.

    • @ Olaf Opelt

      Kann Ihren Ausführungen nur zustimmen.

      Die Kontinental-Europäer haben sich von den anglo-amerikanischen Kräften aufeinander aufhetzen lassen. Das ging locker, denn die nationalistisch geprägten, kontinentaleuropäischen Länder haben sich gegenseitig konkurrenziert, ausgeraubt und abgeschlachtet seit Jahrhunderten. Die Starken im imperialistischen Westeuropa wollten ewig stark bleiben, obwohl sie es schon lange nicht mehr waren. Noch heute kämpft Kontinental-Europa mit diesen mentalen und tief historischen Verfeindungen. WK I und II, die von den anglo-amerikanischen Kräften im Hintergrund raffiniert initiiert und vorangetrieben wurden, haben diese Verfeindungen weidlich ausgenützt. Europa hat die Weltkriege nicht wirklich aufgearbeitet, denn dieses Geschichtsbild aus Schulen und Universitäten ist gravierend verfälscht. Für eine „volksherrschaftliche Verfassung Deutschlands“ braucht es eine einigermassen ehrliche Geschichtsschreibung der jüngsten Geschichte Europas.

      Wird allerhöchste Zeit, dass die europäischen Nationen sich gegenseitig in ihren politischen Sichtweisen, ihren kulturellen Eigenheiten und wirtschaftlichen Entwicklungen respektieren und von da aus neue gemeinsame Wege finden für ein künftiges Prosperieren der einzelnen Länder. Soll wie im Sport sein: Fairer Umgang! Mal sind die einen, mal die anderen mit einer Entwicklung voraus. Dann lässt sich immer noch voneinander lernen und miteinander Wirtschaftsverträge abschliessen und freundschaftliche Beziehungen pflegen. Nur so kann sich West- und Mitteleuropa erholen und langsam wieder erstarken. Russland als osteuropäischer Teil samt seinen asiatischen Weiten und deren Bevölkerungen sollte ganz bewusst als kulturelle und wirtschaftliche Kraft respektiert und freundschaftlich behandelt werden.

  3. Ich kann Ihren Ausführungen im vollen Umfang zustimmen und vermeine, dass wir einen sehr hohen gemeinsamen Nenner in unserer Auffassung haben. Vielleicht könnte man sich über das eine oder andere Thema noch etwas tiefer miteinander austauschen. Wenn Sie das auch wünschen, bitte ich Sie auf eine meiner Adressen, die Sie im Impressum bei bundvfd.de finden, auszuweichen. Vielen Dank für Ihre Meinung, die Kraft gibt um weiter zu machen.
    Mwfg Olaf Opelt

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