Venezuela: Die Putschversuche gehen weiter

Washington erhöht den Druck auf Venezuela. Maduro soll um jeden Preis weggeputscht werden und Guaido die Führung des Landes übernehmen.

Von Marco Maier

Eines vorweg: Über die Legalität bzw. Illegalität der Maduro-Regierung lässt sich streiten. Doch das macht den Oppositionspolitiker Juan Guaido nicht automatisch zu einem legitimen Nachfolger. Und noch weniger gibt dies den Amerikanern und ihren willfährigen Helfern das Recht, sich aktiv in die venezolanische Innenpolitik einzumischen und dabei oppositionelle Gruppen direkt zu unterstützen.

Doch genau das tut Washington. Die Vereinigten Staaten haben erneut ihre volle Unterstützung für den selbsternannten „Interimspräsidenten“ Venezuelas Juan Guaido bekräftigt und das venezolanische Militär aufgefordert, den Oppositionsführer zu akzeptieren und den Präsidenten des lateinamerikanischen Landes, Nicolas Maduro, zu entfernen.

Bolton auf Angriffskurs

Der US-amerikanische Sicherheitsberater John Bolton forderte nämlich Venezuelas Verteidigungsminister Wladimir Padrino und den Befehlshaber der Präsidentengarde, Ivan Rafael Hernandez, sowie andere wichtige Vertreter des Militärs am Dienstag dazu auf, Maduro zu stürzen. Und das inmitten von Protesten gegen die Regierung und einem von der Opposition angeführten Putschversuch in Venezuela.

Loading...

„Und es ist jetzt an der Zeit für sie, wenn die Kubaner sie es tun lassen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen, und es ist Zeit für den Rest des Militärs, zu zeigen, was die eigenen Familien für notwendig erachten und dass Maduro gehen muss“, sagte Bolton Reportern im Weißen Haus.

Der Nationale Sicherheitsberater der Trump-Administration wiederholte, dass „alle Optionen auf dem Tisch bleiben“. Er behauptete auch, die Situation in Caracas sei „kein Putsch“ und das Hauptziel der USA sei „eine friedliche Machtübertragung“.

Lesen Sie auch:  Wegen S-400: US-Gesetzgeber haben Waffenverkäufe an die Türkei blockiert

„Ich möchte noch einmal betonen, dass der Präsident eine friedliche Machtübergabe von Maduro nach Guaido anstrebt. Diese Möglichkeit besteht immer noch, wenn genügend Leute vom Regime weichen und die Opposition unterstützen. Das ist es, was wir (gerne) sehen würden“, sagte Bolton.

In einem kriegerischeren Tonfall warnte Bolton Padrino und Hernandez später in einem Tweet, dass sie Maduro zwingen müssten, die Macht an Guaido abzugeben.

„Ihre Zeit ist um. Dies ist Ihre letzte Chance. Akzeptieren Sie die Amnestie von Interimspräsident Guaido, schützen Sie die Verfassung und entfernen Sie Maduro. Wir werden Sie von unserer Sanktionsliste nehmen. Bleiben Sie bei Maduro und Sie gehen mit dem Schiff unter“, schrieb Bolton.

Washingtons Propaganda-Maschine rollt

Wie üblich nutzt Washington Propagandabegriffe, um sich so in einem guten Licht darzustellen. Man würde „Freiheit“ und „Frieden“ bringen wollen. Doch angesichts der Geschichte Venezuelas darf man davon ausgehen, dass die Vertreter des alten Establishments (welches seit der Machtübernahme durch Hugo Chavez und später Nicolas Maduro) nur in ihr altes korruptes System zurückkehren wollen. Wobei man auch sagen muss, dass das jetzige System nicht minder korrupt ist.

Für die einfachen Venezolaner dürfte sich nach einem von den USA unterstützten Regime-Chance nicht viel ändern. Guaido wird dafür sorgen, dass so viele Staatsbetriebe wie möglich privatisiert werden. Und: US-Unternehmen sollen sich die Sahnestücke schnappen. Das wird in etwa so ablaufen wie nach der (von Washington aktiv unterstützten) Wahl Boris Jelzins in Russland. Dieser hatte auch den Ausverkauf der russischen Industrie an westliche Konzerne vorangetrieben. Wladimir Putin machte dies dann wieder rückgängig.

Lesen Sie auch:  "Schutz der NATO-Ostflanke": Polen wird 1.000 US-Soldaten aufnehmen

Und US-Präsident Donald Trump? Dieser twitterte: „Ich beobachte die Situation in Venezuela sehr genau. Die Vereinigten Staaten stehen mit dem Volk von Venezuela und ihrer Freiheit!“

Der Putschversuch scheiterte

Der gestrige Putschversuch – siehe Twitter-Links im Artikel – ist gescheitert. Weder sind unzählige Militärs zu Guaido übergelaufen, noch war Maduro in ernster Gefahr. Doch die Lage bleibt weiterhin angespannt. Eine friedliche Lösung zwischen beiden Parteien bleibt in weiter Ferne.

So lange Guaido sich des bedingungslosen Supports durch Washington sicher sein kann, wird er keinen Milimeter nachgeben. Auch Maduro sieht sich im Recht und weiß, dass er nur im ausländischen Exil sicher sein würde, sollte er zurücktreten. Zudem hat er die Unterstützung Kubas, Russlands und Chinas, was ihm doch noch Rückhalt gibt. Doch nach dem Putschversuch ist vor dem Putschversuch…

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

3 Kommentare

  1. Über den amtierenden Präsidenten kann man denken was man will, die einen sagen so, die anderen so und maßgeblich ist nach demokratischem Verständnis der Mehrheitswille der Bevölkerung genau diese wesentliche Information wird unter den Teppich gekehrt und man erklärt ihn einfach zur unerwünschten Person, wobei dieses Strickmuster nicht neu ist und die Propaganda tut alles um ihn im schlechten Licht erscheinen zu lassen um damit die vermeintliche Legitimation eines Umsturzes zu erzielen und das ist der falsche Weg und genauso verwerflich wie die Taten, die man ihm vorwirft und deshalb sollte man das Volk per außerordenlicher Wahl
    befragen, notfalls auch unter internationaler Aufsicht, aber da scheinen beide Seiten kein Interesse daran zu haben, weil der Ausgang offen ist und somit macht man in der fiesen Art zu Lasten der Bevölkerung weiter, bis es wirklich kracht und das alles unter Aufsicht der UN, die wieder einmal grandios versagt oder einfach nichts zu melden hat, wenn es sich um eine Chefsache handelt.

  2. Venezuela soll das Land mit den größten Erdölreserven sein und Maduro will den Amis davon einfach nichts herschenken. So ein Halunke und CIA-Verräter aber auch.
    Demaskierend: Das große Schweigen der Ökofaschisten, links-grünen Gesindels und sonstiger entarteten Gutmenschen in unserem Land.

  3. Worüber genau lässt sich da bitte streiten??!! Maduro wurde gewählt und wird von einem Großteil der Venezulaner akzeptiert bzw. aktiv unterstützt. Somit IST er legitimiert, ob uns nun seine Politik, sein Saddam-Schnauzer (wunder, dass da noch keiner Parallelen gezogen hat) oder sein affig-pompöses Auftreten gefällt oder nicht.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.