Viele städtische Diesel-Fahrverbote dürften unnötig sein. Ein Gutachten zeigt, dass die Kommunen in Deutschland zu streng messen.

Von Redaktion

Deutschlands Städte und Gemeinden gehen bei der Messung von Stickoxiden weit über die rechtlichen Vorgaben der Europäischen Union hinaus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Rechtsgutachten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), welches die Münchner Kanzlei „Redeker Sellner Dahs“ erstellt hat und über welches das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ berichtet.

Die Juristen hatten den Auftrag, unbestimmte Rechtsbegriffe in der EU-Luftqualitätsrichtlinie auszulegen. Auf dieser Richtlinie basieren die Anforderungen, nach denen Städte und Gemeinden die Standorte für Schadstoffmessstationen auswählen. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die von Behörden befolgten Prämissen bei der Standortwahl für Messstationen in vielen Fällen über europarechtliche Vorgaben hinausgingen. „Viele Behörden vertreten unter Bezugnahme auf die Richtlinie die Auffassung, dass Messungen und Modelle die Luftqualität an der Stelle beurteilen müssten, die die höchste Belastung innerhalb eines Gebiets oder Ballungsraums aufweist“, schreiben die Gutachter und widersprechen dem ausdrücklich.

„Anders als vielfach angenommen, ist nicht zwingend am Ort der höchsten Belastung zu messen“. Zu ermitteln seien nicht Orte, sondern „Bereiche“ höchster Belastung – und diese seien auch nur dann zu untersuchen, wenn die Bevölkerung den dortigen Konzentrationen über einen signifikanten Zeitraum ausgesetzt sei. Das Gutachten befeuert einen Streit, den Umweltschützer, Verkehrspolitiker und Wirtschaftsvertreter schon seit Längerem austragen. Dabei geht es um die Frage, ob in Deutschland Luftschadstoffe unter schärferen Bedingungen als in anderen EU-Ländern gemessen werden und ob diese Bedingungen ein Grund für die vielerorts drohenden Fahrverbote sein könnten.

„Das Rechtsgutachten zeigt: In Deutschland wird die Luftqualität oftmals strenger gemessen als es EU-Regeln verlangen“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks dem RND. Viele Länder und Kommunen stellten ihre Messstationen sehr nah am Straßenrand und in sehr geringer Höhe auf, so Dercks weiter. „Die Folge sind hohe Grenzwertüberschreitungen an zahlreichen Messstationen und Fahrverbote in vielen deutschen Städten.“ Derzeit drohen in 21 deutschen Städten Dieselfahrverbote. „Von solchen Fahrverboten ist die regionale Wirtschaft vor Ort überproportional betroffen, da in der gewerblichen Wirtschaft in höherem Maße Diesel-Fahrzeuge eingesetzt werden“, warnte DIHK-Mann Dercks.

Für Betriebe bedeute das: Wertverluste des Dieselfuhrparks, Beschränkungen beim Transport von Waren oder Dienstleistungen sowie bei der Erreichbarkeit ihrer Standorte. Der DIHK führt die drohenden Fahrverbote nicht nur auf Fehlmessungen zurück, sondern auch darauf, dass viele Behörden verunsichert seien, wie die europäischen Grenzwerte an Hauptverkehrsstraßen auszulegen sind. „Wir gehen davon aus, dass die Grenzwertüberschreitungen an vielen Straßen bei korrekten Messungen geringer ausfallen würden“, sagte Dercks.

3 KOMMENTARE

  1. Zu welchen kuriosen Messergebnissen die Standortauswahl führen kann, hat unlängst einmal das Fraunhofer Institut mit Hilfe einer mobilen Messanlage aufgezeigt. (der NDR hat darüber berichtet)
    An einer sehr viel befahrenen Straße zeigte die „amtlich“ aufgestellte Messanlage geringfügige Überschreitungen des Grenzwertes von 40 Mikrogramm an.
    Dann hat man mit dieser mobilen Anlage auch einmal direkt daneben in einer Anliegerwohnung bei geschlossen Fenstern gemessen. Da waren es dann nur noch 16 Mikrogramm. – Dann machte der höfliche Wohnungseigentümer den Gasherd an, um seinen Gästen eine Filterkaffee zu kochen. Und plötzlich zeigte die Messanlage einen Wert von 700 Mikrogramm Stickoxid an.
    Mit einem Gasherd lebt man also offenbar um ein Vielfaches gefährlicher.

  2. Deutschland misst nicht nur zu streng, was übrigens der größte Schwachsinn aller Zeiten ist, nein es saugt auch ganz streng den Mittelstand über eine unverschämte Abgabenlast aus und verteilt dann deren erwirtschaftetes Vermögen an die Armen dieser Welt und für andere unsinnige Ausgaben und die Leute sollten sich mal darüber im Klaren sein daß sie bis Juni eines jeden Jahres unentgeltlich arbeiten und danach bis Ende über ihr Gehalt selbst verfügen können und wie dämlich muß man eigentlich sein um diese Frohnarbeit nicht zu erkennen, die Gelbwesten in Frankreich sind da schon etwas weiter und selbst im Mittelalter haben sie nur den Zehnten des Ertrages abverlangt und der „moderne“ Mensch entblödet sich selbst, wenn er das alles noch zu läßt und diese Bagage überhaupt noch wählt, damit die die Puppen tanzen lassen.

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