Ein Special Forces-Soldat der US-Truppen springt salutierend aus einer Hercules C-130. Bild: US-Verteidigungsministerium, public domain

Das US-Magazin „Newsweek“ berichtet über einen Guide der Special Forces-Führung zum Sturz fremder Regierungen. Ja, Sie lesen das richtig. Man will wohl aus den früheren Fehlern lernen.

Von Marco Maier

Während sich die US-Innenpolitik weiterhin um die angebliche russische Einmischung in die Wahlkämpfe in den Vereinigten Staaten dreht, hat das Oberkommando der Special Forces einen neuen Guide für den Sturz fremder Regierungen herausgegeben. Das berichtet das US-amerikanische Magazin „Newsweek“. Die Headline dazu lautet: „US Special Forces School Publishes New Guide For Overthrowing Foreign Governments„.

Damit handelt es sich um das einzige große US-amerikanische Mainstream-Medium, welches dies publiziert. Vor allem ist es das einzige, welches die früheren Regime-Changes der US-Spezialeinheiten umfassend thematisiert. Und natürlich auch die künftigen Möglichkeiten, die in der als Guide gedachten Studie angeführt werden.

„Widerstandsunterstützung“ zum Regime-Change

Es handelt sich hierbei um ein 250 Seiten umfassendes Papier mit dem Titel „Support to Resistance: Strategic Purpose ad Effectiveness„. Dieses wurde von der Joint Special Operations University unter dem US Special Operations Command herausgegeben.

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„Diese Arbeit wird als Referenz für Widerstandsbewegungen zum Nutzen der Spezialoperationen und ihrer zivilen Führung dienen“, stellt der Bericht vor.

Die Studie untersucht 47 Fälle von US-Spezialeinheiten, die zwischen 1941 und 2003 versucht haben, in verschiedenen Ländern einzugreifen. Daher wird dem Kalten Krieg besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Allerdings fehlen jene Putsche, die keine „legitime Widerstandsbewegungen“ als Grundlage hatten. Wie zum Beispiel die „Operation AJAX“ im Jahr 1953. Diese führte zum Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premierminister Mohammed Mosaddegh.

Obwohl berüchtigte Katastrophen wie die völkerrechtswidrige CIA-Invasion der Schweinebucht in Kuba hervorgehoben werden, stellt der US-Militärbericht (möglicherweise vorhersehbar) fest, dass unter den beinahe fünfzig verdeckten Interventionen die meisten Interventionen „erfolgreich“ waren.

„Allen 47 in dieser Studie untersuchten Fällen ist die Tatsache gemeinsam, dass der anvisierte Staat entweder von einer unfreundlichen Besatzungsmacht oder von einem repressiven autoritären Regime regiert wurde“, schrieb der Autor, Veteran der Army Special Forces, Will Irwin. Die Studie konzentriert sich auf Operationen des historischen Regimewechsels, weist jedoch teilweise auf die Zukunft hin und sagt: „Russland und China haben kühne Expansionstendenzen gezeigt.“

Man rühmt sich der Umsturzerfolge

Newsweek fasst die Schlussfolgerungen der Studie zusammen:

Von den 47 analysierten Fällen wurden 23 als „erfolgreich“ eingestuft, 20 wurden als „Misserfolge“ bezeichnet, zwei wurden als „teilweise erfolgreich“ eingestuft und zwei weitere – beide während des Zweiten Weltkriegs – wurden als „nicht schlüssig“ bezeichnet, da der breitere Konflikt trotzdem zu einem Sieg der Alliierten führte.

Ein weiteres interessantes Element war das Scheitern von Operationen, die in Ländern „unter Friedensbedingungen“ intervenierten:

Andere wichtige Ergebnisse waren Beobachtungen, die besagten, dass die meisten Operationen „unter Kriegsbedingungen durchgeführt wurden, wobei diese fast doppelt so erfolgreich waren wie Fälle, die unter Friedensbedingungen durchgeführt wurden“ und „die Unterstützung gewaltlosen zivilen Widerstands scheint eher Erfolg zu haben als die Unterstützung für bewaffneten Widerstand.“ Gleichzeitig waren sie auch „am effektivsten, wenn sie zur direkten Unterstützung einer militärischen Kampagne und nicht als unabhängige oder Hauptanstrengung durchgeführt werden“.

Die Studie umfasst nicht die Stellvertreterkriege, in die derzeit die USA einbezogen sind. Wie zum Beispiel in Syrien, Libyen oder der Ukraine, sondern erwähnte diese nur beiläufig. In abschließenden Bemerkungen erkennt der Autor an, dass die Studie dazu beitragen könnte, „herauszufinden, wie die rechtzeitige Anwendung der SOF-Fähigkeiten“ auf zunehmend gewalttätigere Widerstandsbewegungen Einfluss nehmen kann, wodurch man möglicherweise ein nächstes Syrien verhindern könne.

Ob dies bedeutet, dass schnellere Maßnahmen zu einem schnellen Regimewechsel in Syrien geführt hätten oder ob der Autor der Studie der Ansicht ist, die Unterstützung der USA für die „Rebellen“ sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt, bleibt unerforscht.

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