Recep Tayyip Erdogan. Bild: Flickr / World Humanitarian Summit CC BY-ND 2.0

Angst vor US-Sanktionen führen dazu, dass die Türkei nun doch vom Kauf der russischen S-400-Luftabwehrsysteme absehen will. Ankara befürchtet einen Wirtschaftscrash.

Von Marco Maier

Die US-Erpressungspolitik gegenüber der Türkei ist aus Sicht Washingtons offenbar erfolgreich. Angesichts der schwächelnden Wirtschaft und der in den Keller rauschenden Türkischen Lira wird Ankara nun wohl doch keine S-400-Luftabwehrsysteme von Russland kaufen. Zumindest vorerst.

Zwar hatten Präsident Recep Tayyip Erdogan und andere führende Regierungspolitiker immer wieder darauf gepocht, die S-400 trotz der US-Drohungen kaufen zu wollen, doch Ankara hat scheinbar zu hoch gepokert. Nun müssen die Türken klein bei geben und einlenken.

So berichtet die „Bild“ unter Berufung auf diplomatische Kreise in Ankara davon, dass die türkische Regierung gegenüber Washington einlenkt. So schreibt das transatlantisch orientierte Springer-Blatt:

„Die wirtschaftliche Krise in der Türkei verschärft sich durch die aggressive Außenpolitik Erdogans. Es wird zu keiner Lieferung der S-400 im Juli kommen, wie es der türkische Präsident angekündigt hatte. Denn der Kauf würde zu Sanktionen aus Washington führen – und in der aktuellen Lira-Krise wäre das der wirtschaftliche Untergang der Türkei.“

Die Amerikaner wissen genau, wie sie die Türken „knacken“ können: mit wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen. Andererseits sorgt das arrogante US-Gehabe auch dafür, dass selbst Alliierte und Partner sich vom US-Dollar unabhängig zu machen versuchen. Auch neue Allianzen werden gesucht. Auf lange Sicht schadet sich Washington damit jedoch nur selbst.

16 KOMMENTARE

    • Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten, Fahrettin Altun, dementierte bereits am Freitag diese Berichte über Twitter und schrieb, dass der Kauf der S-400 „abgeschlossene Sache“ sei.

  1. Typisch. Große Klappe und nichts dahinter.
    In die Pragmatiker Windeln kann jeder andere auch schlüpfen.

  2. Das Ziel aller im Westen müßte es sein, diesen scheinbar religiösen Hardliner einzugrenzen, was ja nun mit dieser Maßnahme bereits geschieht, denn er ist das Haupthindernis für eine pluralistische Gesellschaft in seinem Land, was ja sogar noch unter der Miltiärjunta weltoffener war, mal ganz abgesehen von den Bemühungen des Vaters aller Osmanen, das Land in eine offene Gesellschaft nach westlichem Vorbild zu führen und alle seine Taten in den letzten Jahren zeugen nicht davon, daß er solche Gedanken in sich trägt und auch ein großer Teil der Bürger sieht es mittlerweile so und der Rückfall in religiöse Schwelgereien ist nichts anderes als ein Machtinstrument, mit dem viele geistig verwandte Kleinbürger instrumentalisiert wurden, aber das geht in die falsche Richtung und Liebe zur Nation ist etwas anderes, als diese für eigene Vorstellungen zu knebeln und manchmal muß dann eben der Druck von außen kommen, denn die Angstschwelle ist schon für viele zu hoch um sich dagegen aufzulehnen und niemand hätte etwas gegen einen moderaten Islam, wenn er auf seinen Allmachtsanspruch verzichten würde und eine Religion unter vielen wäre, im gemeinsamen Gottesglauben ohne politische Absichten.

  3. Das internationale Finanzkapital, hier konkret der Militärisch-Industrielle-Komplex (MIK) der USA, hat sich noch einmal aufgebäumt und einen Sieg errungen.

    Der Kauf des russischen Luftabwehrsystems konnte abgeblockt werden. Ansonsten hätte es eine Signalwirkung und wahrscheinlich eine sich anbahnende Kettenreaktion gegeben.

    Ein Finanzsystem und eine Wirtschaft, die den Spielregeln des internationalen Finanzkapitals unterliegt wird kaum alleine ausbrechen können, dafür gibt es immer noch zu viele willfährige Vasallen.

    Das Aufwachen hat begonnen aber das gemeinsame Handeln fehlt noch.

  4. Für alle dummen: Es würde bereits von einer weitaus seriösen Seite als der Bild bekannt gegeben das die Türkei doch noch das S-400 System kaufen will trotz Krise

  5. Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten, Fahrettin Altun, dementierte bereits am Freitag diese Berichte über Twitter und schrieb, dass der Kauf der S-400 „abgeschlossene Sache“ sei.

    In dem Tweet sprach er BILD-Redakteur Julian Röpcke sogar persönlich an.

    „Lieber Julian, deine Quellen irren sich. Nimm es von mir: Die Beschaffung der S-400 ist beschlossene Sache“, so Altun.

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