Die Türkei will trotz Deal mit Russland mehr Truppen nach Syrien schicken

Trotz eines Abkommens mit Russland will die Türkei in Nordsyrien militärisch intervenieren. Grund sind anhaltende Angriffe kurdischer Milizen auf türkisches Territorium.

Von Marco Maier

Die Türkei hat angedeutet, dass sie Streitkräfte in die syrische Grenzregion Tel Rifaat entsenden könnte. Und das, obwohl sie mit Russland eine Vereinbarung getroffen hat, sich von der Region fernzuhalten.

Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay äußerte sich diesbezüglich am Sonntag in einem Interview mit dem Sender Kanal 7. Dies geschah einen Tag, nachdem ein grenzüberschreitender Feuerwechsel aus der Region das Leben eines türkischen Soldaten forderte. “Die Vereinbarung lautete, dass wir dort (Anm. d. Red.: Tel Rifaat) aufhören sollten, aber wenn diese Angriffe weitergehen, kann dies eine andere Form annehmen. Wir diskutieren das mit Russland”, sagte Oktay, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Ankara, der Hauptunterstützer der regierungsfeindlichen Milizen in Syrien, hat im vergangenen Jahr mit Russland, einem Verbündeten von Damaskus, Vereinbarungen getroffen. Demnach will man gemeinsame Patrouillen in den nördlichen Regionen Syriens durchzuführen, wo die Türkei den syrischen Ableger türkisch-kurdischen Separatistenorganisation PKK bekämpft.

Im März erklärte das türkische Verteidigungsministerium, die türkischen und russischen Streitkräfte hätten ihre ersten “unabhängigen und koordinierten” Patrouillen in Tel Rifaat durchgeführt.

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Grenzüberschreitende Angriffe der Kurdenmilizen

Am Samstag teilte das türkische Verteidigungsministerium in einer Erklärung mit, dass vier Soldaten bei zwei separaten Angriffen getötet worden seien. Diese seien von Angehörigen der der kurdischen Volksschutzgruppen (YPG) aus Tel Rifaat und dem Nordirak ausgeführt worden.

Ankara betrachtet die YPG als den syrischen Zweig der Terroristengruppe der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die seit 1984 für eine autonome Region innerhalb der Türkei kämpft.

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In der Erklärung des Verteidigungsministeriums heißt es weiter, die türkische Armee habe in beiden Fällen Rache genommen und 28 Kämpfer der YPG getötet.

Tel Rifaat wird von YPG-Kämpfern kontrolliert und liegt etwa 20 Kilometer östlich von Afrin, einer Stadt, die von türkischen und türkisch gestützten Kämpfern kontrolliert wird.

Am Sonntag berichtete die türkische Tageszeitung “Daily Sabah” unter Berufung auf ungenannte Sicherheitskräfte, dass türkische Luftangriffe früher im Laufe des Tages fünf Terroristen der PKK im Norden des Irak im Rahmen einer Operation getötet hatten. Diese seien als Vergeltung für grenzüberschreitende Angriffe der Kurdenmilizen durchgeführt worden. Die Zeitung fügte hinzu, dass die Luftangriffe auf das grenzüberschreitende Gebiet der türkischen Provinz Hakkari im Südosten der Türkei abzielten. Man betonte, dass der Einsatz der Armee in der Region fortgesetzt werde.

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Ein Kommentar

  1. Der kleine Erdwin will wieder groß werden. Sein gewünschtes Ziel, das osmanische Reich plus Westeuropa unter islamischer Fuchtel. Der Großmufti wird irgendwann vom Thron fallen, weil er sich übernommen hat. Momentan sind seine Lira das Hauptproblem, deswegen die schnellen und spontanen Vormärsche.

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