China will keinen Krieg mit Amerika

Trotz der beunruhigenden Entwicklungen befinden sich die Vereinigten Staaten und China nicht auf einem absichtlichen Konfliktweg. Jedes dieser Länder hat starke inländische Anreize, einen Krieg mit dem anderen zu vermeiden.

Von Eric Asen / National Interest

Die angespannte Beziehung zwischen China und den Vereinigten Staaten scheint sich mit jedem Tag zu verschlechtern. Die Spannungen sind gestiegen, als China den Diebstahl von geistigem Eigentum verstärkte. Dies veranlasste die Trump-Regierung, einen Handelskrieg mit China zu starten und China als Bedrohung für die Interessen und Ideale der USA zu bezeichnen. In Anbetracht einer solchen Eskalation behaupten einige Gelehrte, China könne einfach nicht friedlich aufstehen und sollte mit einer Steigerung der US-amerikanischen Militärkapazitäten rechnen. Trotz dieser beunruhigenden Entwicklungen befinden sich die Vereinigten Staaten und China nicht auf einem absichtlichen Konfliktweg. Jedes der beiden Länder starke inländische Anreize, um einen Krieg mit dem anderen zu vermeiden.

Ein Krieg würde Chinas innere Stabilität gefährden

China wird versuchen, einen Krieg mit den Vereinigten Staaten zu vermeiden, da sonst seine Grundpfeilerpolitik zur Aufrechterhaltung der inneren Stabilität gefährdet wäre. Chinesische Führer sind besessen von sozialer Stabilität, da soziale Unruhen das Überleben der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) gefährden. Die Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens waren ein großer Weckruf für die KPCh, als die Partei aufgrund sozialer Massenproteste beinahe zusammenbrach. Viele KPCh-Führer, darunter Xi Jinping, haben seitdem geglaubt, dass „soziale Stabilität alle anderen Erwägungen außer Kraft setzt“. Um Stabilität zu gewährleisten, hat China ein Sozialkreditsystem eingeführt. Dieses bestraft oder belohnt bestimmte Verhaltensweisen und verwandelt die Nation in einen Überwachungsstaat. Man errichtete sogar Massenhaftlager, um angebliche Extremisten zu „deradikalisieren“. In der „Außen- und Innenpolitik“ ist die KPCh gezwungen, präventiv zu prüfen, wie sich neue Politiken auf die soziale Stabilität auswirken könnte. Hier mit dem Wissen, dass „ausländische Aggressionen zu inneren Umbrüchen führen“ können.

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Der Mechanismus dafür ist einfach: Ein Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China würde die innere Stabilität Chinas stören, indem er die chinesische Wirtschaft schädigt. Seit Jahren strebt China nach astronomischen BIP-Wachstumsraten. Denn die soziale Stabilität „beruht auf der Fähigkeit der Regierung, weiteres Wachstum zu erzielen“. Dies führt zu einem Sozialvertrag zwischen der KPCh und dem chinesischen Volk: „absolute Loyalität“ als Gegenleistung für wirtschaftlichen Wohlstand. Krieg ist letztlich ein „schrecklicher Weg, um eine Wirtschaft aufzubauen“. Die Kriegskosten sind enorm, einschließlich der Zerstörung von Land, Kapital und Arbeit. Zudem würde der Konflikt fast sicher zu sozialen Unruhen führen und die KPCh in große Gefahr bringen.

Der einzige potenzielle wirtschaftliche Anstieg aufgrund eines Krieges wäre jener von staatlich gesteuerten Investitionen. Doch schon jetzt in Friedenszeiten nutzt China diese Taktik bereits enorm. Durch das staatskapitalistische System Chinas verwendet die KPCh eine Vorzugsbehandlung, wenn sie Subventionen gewährt oder in Industrien investiert. Ein wichtiges Beispiel für diese Wirtschaftsstrategie ist „Made in China 2025“. Das ist eine Politik zur Beschleunigung der Produktion hochwertiger inländischer Güter und Dienstleistungen. Da staatliche Investitionen bereits weit verbreitet sind, sind die potenziellen Gewinne aus Kriegsinvestitionen begrenzt.

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Außerdem verspürt China bereits die wirtschaftlichen Auswirkungen des Handelskrieges und will den Streit beilegen, anstatt die Instabilität des eigenen Landes zu riskieren. Der Handelskrieg hat Chinas Konjunkturabkühlung verstärkt, und wenn Trump zusätzliche Zölle erzwingen würde, wäre dies eine Katastrophe für das chinesische Wachstum. Im Jahr 2018 erreichte Chinas Wirtschaftswachstum seinen tiefsten Stand seit 1990. China hat sein Wirtschaftswachstumsziel für 2019 angesichts der Konjunkturabkühlung ebenfalls gesenkt. Infolgedessen ist Peking „besorgt um ein Handelsabkommen“ geworden und ist sich bewusst, dass ein langwieriger Handelskrieg „seiner eigenen Binnenwirtschaft und seiner sozialen Stabilität besonders abträglich sein wird“. Ein tatsächlicher Krieg mit den Vereinigten Staaten würde Chinas Wirtschaft daher nur schaden und Xi Jinpings Wunsch widersprechen, den Handelskrieg zu deeskalieren.

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Man könnte argumentieren, dass der Nationalismus, der andere Treiber der chinesischen inneren Stabilität, China schließlich in den Krieg mit den Vereinigten Staaten treiben könnte. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Während Chinas wirtschaftliche Abschwächung die KPCh durch die Fokussierung auf die Außenpolitik „dazu bringt, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vom schwachen BIP-Wachstum abzulenken“ hat ein Krieg mit den Vereinigten Staaten nur flüchtige Auswirkungen auf die öffentliche Unzufriedenheit. Langfristig würde Chinas Wirtschaft zerstört werden, und der Tumult könnte zu einem Führungswechsel führen. Selbst die Wiedereingliederung Taiwans, eines der wichtigsten Ziele des Nationalismus, wird „wahrscheinlich nicht dazu beitragen, das innere Unglück in einem breiten und dauerhaften Gleichgewicht zu halten.“ Auch ein Krieg mit Taiwan würde „China in wirtschaftliche und politische Turbulenzen stürzen.“ Ein Krieg mit den Vereinigten Staaten ist mit Sicherheit weniger wahrscheinlich als ein Krieg mit Taiwan und würde noch höhere wirtschaftliche Kosten verursachen. Ein Krieg mit den Vereinigten Staaten, um nationalistischen Falken zu gefallen, würde die KPCh auf lange Sicht verdammen.

Auch die USA haben kaum Kriegsanreize gegen China

Die Vereinigten Staaten haben ebenfalls starke inländische Anreize, um einen Krieg zu vermeiden. Seit mehr als fünfzehn Jahren hat die US-amerikanische Bevölkerung die Wirtschaft in Umfragen fast immer als oberste Priorität betrachtet. Politiker wie Präsident Donald Trump sind sich dessen bewusst. Trump hat häufig die wirtschaftliche Entwicklung unter seiner Regierung betont. Er hat eine lockere Geldpolitik angestoßen und ein neues Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada ausgehandelt. Wie Xi scheint Trump den Handelskrieg beilegen zu wollen, vor allem, weil er „Trump-unterstützende Regionen des Landes“ am meisten schmerzt. Nachfolgende Verwaltungen werden die gleichen Anreize für die Suche nach einer Zusammenarbeit mit China haben. Die Wähler beurteilen China zudem positiver, wenn es weniger als wirtschaftliche Bedrohung wahrgenommen wird. Schocks durch einen heißen Krieg zwischen zwei der beiden größten Handelspartner der Welt würden die US-amerikanische Wirtschaft zerstören. Sie würden die Öffentlichkeit dazu bringen, politische Veränderungen zu fordern. Da die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China für den Wohlstand so wichtig ist, werden US-Politiker zwei Mal nachdenken, bevor sie in einen Krieg mit China geraten.

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Solange die Bedrohung Chinas weiterhin abstrakt ist, haben die Menschen in den Vereinigten Staaten keinen Grund, überhaupt Krieg zu fordern. Völker reagieren stärker auf lokale und unmittelbar drohende Bedrohungen als auf abstrakte Bedrohungen. In der Öffentlichkeit wird China seit vielen Jahren vor allem durch den Verlust von Arbeitsplätzen und Handelsdefizite als abstrakte Bedrohung identifiziert. Solange China keine unmittelbare nationale Sicherheitsbedrohung darstellt, wird ein Krieg nach wie vor unwahrscheinlich bleiben, und die amerikanische Öffentlichkeit wird sich weiterhin auf abstrakte wirtschaftliche Sorgen konzentrieren. Wie in China sind die Ängste des Nationalismus und der nationalen Sicherheit nicht dringend genug, um die Forderung der Öffentlichkeit in einen Showdown zu bringen.

Krieg ist dennoch nicht ausgeschlossen

Aufgrund der nationalen Anreize der Vereinigten Staaten und Chinas, Krieg zu vermeiden, will keiner den Weg des Konflikts zu weit beschreiten. Letztendlich sind die Kosten des Krieges zu hoch, und ein Krieg zwischen den beiden Nationen würde ohnehin beinahe zu einer Pattsituation führen. Bestenfalls können Washington und Peking ihre Streitigkeiten beilegen, im schlimmsten Fall beginnen sie einen neuen Kalten Krieg. Gute Absichten reichen jedoch nicht immer aus. Andere internationale Probleme wie der Wunsch Taiwans nach Unabhängigkeit könnten die Vereinigten Staaten in den Krieg mit China hineinziehen. Obwohl China und die Vereinigten Staaten alles tun werden, um dies zu vermeiden, bleibt ein unbeabsichtigter Krieg, der gegen die inneren Interessen jedes Staates geführt wird, immer eine Möglichkeit.

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5 Kommentare

  1. Der Krieg gegen China bleibt abstrakt, solange die Chinesen noch berechenbar sind, mal ganz von dem abgesehen, daß ihnen aus der Historie heraus betrachtet logistische Erfahrungen nach außen fehlen und da sind die USA absolut im Vorteil, unabhängig von der Schlagkraft der Waffen, wobei Menschenmassen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen und deshalb würde eine Auseinandersetzung erst in Frage kommen, wenn die eine oder andere Seite in die Ecke gedrängt wird, das kann aber noch viele Jahrzehnte dauern und außerdem sind sie auch monitär und wirtschaftlich sehr verflochten, das alles sieht nicht nach Krieg dort aus, eher schon in anderen Regionen, wo das Risiko eingrenzbar ist und man sich dann das nimmt, was man braucht, das war bei Großen schon immer so und wird sich auch so schnell nicht ändern.

    1. China ist Rohstoffabhängig und daher als Kriegsziel eher unwichtig da keine bedeutenden Rohstoffe zu holen sind. Ja seltene Erden gibt es doch die gibt es ebenfalls in Afghanistan und Afrika.

      Daß die Chinesen logistisch nicht auf Höhe sind entspringt wohl einem Wunschgedanken. Sehen Sie sich einmal die Weltlogistik an und Sie werden geläutert sein.

      Ohen einer physischen Besetzung wird ein Land nicht übernommen werden können, das ist Fakt.

      Schon Dschingis Kahn konnte mit bester Logistik und Kriegskunst große Teile des eurasischen Kontinents erobern, dank Mut, Vorausschau und bester Logistik.

      Für den Westen zählen, wie im Kapitalismus üblich kurzfristigste Ziele die ohn längeren Bestand sind, Rendite über alles, da sind die Chinesen eindeutig im Vorteil.

  2. „China will keinen Krieg mit Amerika“ …wieso auch? China besitzt grosse Teile Nordamerikas (Wirtschaft, Filmindustrie, Staatsanleihen usw.). China hat den „Krieg“ bereits durch Unterwanderung und dank dem globalistischen Finanz- und Börsensystem gewonnen! China macht über Strohlobbyisten bereits us-amerikanische Politik (inkl. vermutlich Sanktionspolitik gegen Russland und Europa über die USA) und bestimmt über die Wirtschaft die Weltpolitik…mit den USA als Sündenbock! China spielt „Welt-Go“ und wir dürfen mit ansehen wie China bis zum totalen kommunistischen Sieg (inkl. gegen Russland) Scheibchen für Scheibchen vom Spielfeld entfernt…bis die Welt nur noch „China“ ist. Hier läuft eine „feindliche Übernahme“ und die Soldaten bestehen aus Anwälten, Lobbyisten, Börsenmaklern, Treuhändern sowie gekauften Politikern, Bank- und Wirtschaftsbossen.

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