Willkommen in der totalen Überwachung: Nicht nur die NSA und Google spionieren, auch Alexa von Amazon wird als Spyware genutzt.

Von Marco Maier

Amazon beschäftigt Tausende von Menschen, um zu hören, was die Menschen auf der ganzen Welt zu ihrem digitalen Assistenten von Alexa sagen. So ein Bericht von Bloomberg über eine Anhörung des US-Kogresses, in dem sieben Personen zitiert werden, die an dem Programm mitgearbeitet haben.

Während ihre Aufgabe darin besteht, Alexa – welches die Echo-Lautsprecherlinie des Unternehmens unterstützt – „zu verbessern“, hört das Team „Sprachaufnahmen, die in den Häusern und Büros von Echo-Besitzern aufgenommen wurden“, die dann transkribiert, kommentiert und in die Software zurückgespielt werden um zu versuchen, Alexas Verständnis der menschlichen Sprache für erfolgreichere Interaktionen zu verbessern. Mit anderen Worten, Menschen helfen effektiv, den Algorithmus von Amazon zu trainieren.

Das Zuhörerteam besteht aus Teilzeitarbeitnehmern und Vollzeitbeschäftigten von Amazon auf der ganzen Welt. darunter Indien, Rumänien, den USA und Costa Rica. Die Mitarbeiter arbeiten in neunstündigen Schichten, wobei jeweils 1.000 Audioclips pro Schicht überprüft werden. Dies wurde von zwei Mitarbeitern des Bukarest-Büros von Amazon in den obersten drei Etagen des Globalworth-Gebäudes der rumänischen Hauptstadt bestätigt. Die Location „ragt inmitten der zerfallenen Infrastruktur“ des Pipera-Viertels hervor und „trägt kein äußeres Schild, das die Präsenz von Amazon hervorhebt.“

Während ein Großteil der Arbeit langweilig ist (ein Arbeiter sagte, sein Job sei es, für akkumulierte Sprachdaten nach bestimmten Ausdrücken wie „Taylor Swift“ zu suchen – um das System wissen zu lassen, dass der Suchende den Künstler gesucht hat), hören die Mitarbeiter auch persönliche Momente von jenen Menschen, die Alexa benutzen. So schreibt „Bloomberg“:

„Gelegentlich greifen die Zuhörer Dinge auf, die Echo-Besitzer lieber privat lassen würden: eine Frau, die schlecht in der Dusche singt, sagen wir, oder ein Kind, das um Hilfe schreit. Die Teams nutzen interne Chatrooms, um Dateien gemeinsam zu nutzen, wenn sie Hilfe beim Parsen eines durcheinandergewürfelten Wortes benötigen – oder auf eine amüsante Aufnahme stoßen.“

Gelegentlich stoßen Amazon-Hörer auf verstörende oder möglicherweise kriminelle Aufnahmen – wie zwei Arbeiter, die sagen, sie hätten bei etwas zugehört, was sich wie ein sexueller Übergriff anhörte. Dem Bericht zufolge werden die Arbeiter es im internen Chatroom erwähnen, wenn solche Dinge passieren, um „Stress abzubauen“.

Und während Amazon sagt, dass es Verfahren gibt, die eingehalten werden müssen, wenn Arbeiter beunruhigende Dinge hören, sagen zwei der in Rumänien ansässigen Mitarbeiter, dass ihnen gesagt wurde, es sei nicht die Aufgabe von Amazon, sich einzumischen, als sie um Beratung für solche Fälle baten. „Wir nehmen die Sicherheit und den Schutz der persönlichen Daten unserer Kunden ernst“, sagte ein Amazon-Sprecher in einer an Bloomberg übermittelten Erklärung.

„Wir kommentieren nur eine äußerst kleine Stichprobe von Alexa-Sprachaufzeichnungen, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Diese Informationen helfen uns beispielsweise, unsere Spracherkennungs- und Sprachverständnissysteme zu trainieren, damit Alexa Ihre Anforderungen besser verstehen und sicherstellen kann, dass der Dienst für alle gut funktioniert“, so der Sprecher weiter. „Wir verfügen über strenge technische und betriebliche Garantien und haben eine Null-Toleranz-Richtlinie für den Missbrauch unseres Systems. Mitarbeiter haben keinen direkten Zugriff auf Informationen, die die Person oder das Konto als Teil dieses Workflows identifizieren können. Alle Informationen werden streng vertraulich behandelt und wir verwenden die Multi-Faktor-Authentifizierung, um den Zugriff, die Dienstverschlüsselung und die Überwachung unserer Kontrollumgebung zum Schutz einzuschränken.“

Allerdings erwähnt Amazon nicht die Tatsache, dass Menschen Aufzeichnungen von einigen der von Alexa aufgenommenen Gespräche hören. Stattdessen haben sie in ihren FAQ einen allgemeinen Haftungsausschluss, der besagt: „Wir verwenden Ihre Anfragen an Alexa, um unsere Systeme zur Spracherkennung und zum Verständnis natürlicher Sprache zu trainieren.“

Das zeigt allerdings auch auf, welchen Eingriff in die Privatsphäre man erlaubt, indem man solche „zuhörenden Systeme“ im eigenen Heim oder Büro installiert. Nicht umsonst sagt man: Bei wirklich privaten Gesprächen sollte man nicht einmal sein Smartphone im Raum haben.

2 COMMENTS

  1. Im Netz ist doch auch alles aktenkundig und kann dem Staat heute schon sehr nützlich sein, das sieht man schon an der Tatsache der sofortigen Beschlagnahme eines Rechners im Ermittlungsfalle und wer sich dem entziehen will muß eben solche Kommunikationsgeräte meiden, denn alles hat im Leben zwei Seiten und wer glaubte, daß die informelle Welt ungehört abläuft, ist ein Phantast, schon unter Cäsar und Napoleon haben sich deren Spione unters Volk gemischt, heute geht es eben einfacher und das es somit verschwindet ist ein Irrglaube, im Gegenteil, es fängt erst richtig an und das Gefängnis der Zukunft wird das eigene Zimmer sein, mit totaler Überwachung, ohne jegliche Überschreitungsmöglichkeit und der Knast hat ausgedient und je nach Schwere der Tat, kann man diesen Raum auch behördlich umgestalten, ein Bett, ein Tisch und ein Stuhl und ein Bild an der Wand vom herrschenden Potentaten und dann lebt der Betroffene in einer fiktiven Welt, obwohl es sich ein seiner eigenen Wohnung abspielt und das könnte alles noch kommen, wer weis, vor allendingen weil es wesentlich billiger ist.

  2. Warum die Aufregung ?
    Wer sich so ein Dingens zu Hause hinstellt, will doch abgehört werden bzw. nimmt es zumindest billigend in Kauf.

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