Eine Biene auf dem Weg zu einer Blume.
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Der massive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sorgt dafür, dass wir die ganze Nahrungsmittelkette zerstören, weil Insekten die Nahrung für andere Tiere sind. Wir zerstören die Nahrungsmittelsicherheit der künftigen Generationen.

Von F. William Engdahl / New Eastern Outlook

Kürzlich durchgeführte unabhängige wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass wir unsere lebenswichtige globale Insektenpopulation, einschließlich der Bienen, durch den massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft aussterben. Insekten wie Fliegen, Stechmücken oder Wespen sind für die meisten von uns zu vermeiden. Wenn die neuesten Studien jedoch ein Hinweis darauf sind, besteht die Gefahr, dass wichtige Insekten, die das Gleichgewicht der Natur beibehalten, massiv eliminiert werden. Die Folgen für das Leben auf diesem Planeten werden erst jetzt ernsthaft in Betracht gezogen.

Die weltweit erste Studie zum Rückgang von Insektenarten und -zahlen wurde soeben in der Fachzeitschrift Biological Conservation veröffentlicht. Die Schlussfolgerungen sind mehr als alarmierend. Die Studie ergab unter anderem, dass über 40 Prozent der Insektenarten vom Aussterben bedroht sind.

Die Studie ergab, dass der Verlust von Lebensräumen durch die Umstellung auf intensive Landwirtschaft die Hauptursache des Rückgangs ist, ebenso wie agrochemische Schadstoffe wie Glyphosat, Neonicotinoide und andere Pestizide. Die Autoren erklären: „Wir stellen hier einen umfassenden Überblick über 73 historische Berichte über den Rückgang von Insekten aus aller Welt vor und bewerten systematisch die zugrunde liegenden Treiber. Unsere Arbeit zeigt dramatische Rückgangsraten, die in den nächsten Jahrzehnten zum Aussterben von 40 Prozent der weltweiten Insektenarten führen können.“

Die Studie stellt jüngste Analysen fest, die darauf hinweisen, dass der weit verbreitete Einsatz von Pestiziden der Hauptfaktor für den Rückgang von Vögeln in Grasland und Wasserorganismen wie Fischen oder Fröschen in Bächen ist.

Die Studie zitiert unter anderem die Ergebnisse einer 27-jährigen Studie von Insektenpopulationen in ausgewählten deutschen Naturschutzgebieten, die einen „schockierenden 76-prozentigen Rückgang der fliegenden Insektenbiomasse in mehreren Schutzgebieten Deutschlands feststellte … ein durchschnittlicher Insektenbiomasseverlust von 2,8 Prozent pro Jahr in Lebensräumen, in denen die Störung des Menschen eher gering ist. Leider zeigt die Studie über fast drei Jahrzehnte einen stetigen Abwärtstrend. Eine Studie in den Regenwäldern von Puerto Rico hat über einen Zeitraum von 36 Jahren Biomasseverluste zwischen 78 und 98 Prozent bei Bodensuch- und Baumkultarthropoden und einen parallelen Rückgang bei Vögeln, Fröschen und Eidechsen in den gleichen Gebieten gemeldet…“

Besonders beunruhigend waren die Rückgänge bei den Bienenvölkern, insbesondere bei Hummeln. Seit 1980 wurde festgestellt, dass die Wildbienenarten in Großbritannien um 52 Prozent und in den Niederlanden um 67 Prozent zurückgegangen sind. In den Vereinigten Staaten, dem Land, das nach dem Zweiten Weltkrieg Pionierarbeit im Bereich des intensiven Agrarbusiness und des breiten Einsatzes von Chemikalien war, stellten sie fest, dass die Wildbienen zwischen 2008 und 2013 in 23 Prozent des Landes rückläufig waren, hauptsächlich im Mittleren Westen, in den Great Plains und im Mississippi-Tal. In diesen Gebieten herrscht die Getreideproduktion vor, insbesondere GVO-Mais für die Herstellung von Biokraftstoffen unter Verwendung von Glyphosat und anderen Chemikalien.

Insgesamt gingen die USA von einem Höhepunkt von sechs Millionen Honigbienenvölkern im Jahr 1947 auf heute weniger als die Hälfte oder etwa 2,5 Millionen Kolonien zurück. Der Rückgang begann sofort, als das in der Landwirtschaft weit verbreitete Organochlorid-Insektizid DDT eingesetzt wurde. Der Rückgang ist ungebrochen, auch nachdem DDT 1972 in den Vereinigten Staaten verboten wurde, da DDT durch Alternativen auf Glyphosatbasis und andere chemische Pestizide ersetzt wurde.

Irreversibler Rückgang?

Was die breite Öffentlichkeit kaum versteht, ist die wesentliche Rolle, die Insekten für die gesamte Natur- und Artenordnung spielen. Dem Bericht zufolge heißt es: „Spitzmäuse, Maulwürfe, Igel, Ameisenbären, Eidechsen, Amphibien, die meisten Fledermäuse, viele Vögel und Fische ernähren sich von Insekten oder sind von ihnen abhängig, um ihre Nachkommen aufzuziehen. Selbst wenn einige rückläufige Insektenarten durch andere ersetzt werden könnten, ist es schwer vorstellbar, wie ein Netto-Rückgang der Gesamtbiomasse von Insekten bekämpft werden kann.“ Die Studie schließt unter anderen ernüchternden Punkten, dass „die Anwendung von Herbiziden auf Ackerland mehr negative Auswirkungen hatte, sowohl auf Land- und Wasserpflanzen als auch auf die Biodiversität von Insekten, als jede andere agronomische Praxis.“ Das weltweit am häufigsten verwendete Herbizid ist Glyphosat und Monsanto Roundup auf der Basis von Glyphosat.

Eine andere kürzlich veröffentlichte Studie der California Xerces Society für den Schutz der Wirbellosen Tiere berichtete, dass die Monarch-Schmetterlingspopulation in Kalifornien einen historischen Tiefstand erreicht hat. Von den achtziger Jahren, als das Monitoring begann, bis 2017 waren rund 97 Prozent der Monarchfalter verschwunden. Dann war von 2017 bis heute ein weiterer Rückgang um 85 Prozent zu verzeichnen. Die Wissenschaftler behaupten, der intensive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sei die Hauptursache.

Wissenschaftler der University of Texas haben in Experimenten festgestellt, dass Glyphosat, das umstrittene Herbizid in Monsantos Roundup, die Mikrobiota schädigt, die Honigbienen für das Wachstum und die Abwehr von Krankheitserregern benötigen. In Kombination mit früheren Studien, die die Gruppe der Neonicotinoid-Pestizide mit dem Tod von Bienen in Verbindung bringen, legen wir nahe, dass wir dringend eine Überprüfung der Toxine benötigen, die bei unseren landwirtschaftlichen Kulturen weit verbreitet sind. Der weltweit größte Anbieter von sowohl Neonicotinoiden als auch von Glyphosat-basiertem Roundup ist der fusionierte Riese Monsanto/Bayer.

Alle diese Studien konzentrieren sich auf einen Aspekt der agrochemischen Schädigung, der bisher weitgehend ignoriert wurde. Insekten bilden jedoch die strukturelle und funktionelle Basis vieler Ökosysteme der Welt. Eine Welt ohne Vögel und Bienen wäre eine Katastrophe für alles Leben auf unserem Planeten. Ohne Insekten kollabieren ganze Ökosysteme. Anstatt den Hunger in der Welt zu lösen, wie die Agribusiness-Industrie gerne behauptet, droht die Förderung von ausgewählten Pestiziden wie Glyphosat das Nahrungsmittelsystem zu zerstören. Niemand, der bei Verstand ist, würde das tun wollen, oder?

© F. William Engdahl

F. William Engdahl ist ein preisgekrönter geopolitischer Analyst, strategischer Risikoberater, Autor, Professor und Dozent. Seit über dreißig Jahren forscht und schreibt er über die weltpolitische Szene. Seine verschiedenen geopolitischen Bücher – die Wechselwirkung zwischen internationaler Machtpolitik, Wirtschaft und Geographie – wurden in 14 Fremdsprachen übersetzt. Engdahl hält weltweit Vorträge und private Seminare zu verschiedenen Aspekten der Wirtschaft und Politik mit Fokus auf das politische Risiko, Geopolitik und über alternative Energien.

F. William Engdahl leistet regelmäßig Beiträge zu einer Reihe internationaler Veröffentlichungen zu Wirtschaft und Politik, darunter Asia Times, FinancialSense.com, 321.gold.com, The Real News, RT.com, RT TV, Asia Inc., GlobalResearch. com, das japanische Magazin Nihon Keizai Shimbun und Foresight. Er hat regelmäßig Beiträge zu New Yorks Grant’sInvestor.com, European Banker und Business Banker International, Globus in Kroatien geleistet und wurde zu verschiedenen geopolitischen Themen in zahlreichen internationalen TV- und Radiosendungen, darunter USA Coast-to-Coast, interviewt George Noory, Al Jazeera, CCTV und Sina.com (China), Korea Broadcasting System (KBS) und Channel 1 Russian TV. Internetauftritt: williamengdahl.com

3 KOMMENTARE

  1. Wer auf dem Dorf wohnt und mit offenen Augen durch die Flur läuft kann genau erkennen, wer die Umwelt mit vernichtet und zwar aus rein kommerziellen Gründen, ohne sich darüber Gedanken zu machen was da abläuft und aus der Sicht eines Landwirtes ist manches nachvollziehbar, ob es aber der Natur hilft ist eine andere Sache und einen großen Teil der Schuld an dieser Misere trägt die Politik und die Agrarwirtschaft in ihrer Gesamtheit, denen kann kein Schlepper zu groß sein und kein Pestizid zu klein, da wird sogar noch in der Dunkelheit gefahren und das Getier aufgeschreckt und die Böden werden verdichtet und die Gülle auch zu Unzeiten und in Massen ausgebracht und nicht nur das, diese wird auch selbst am Rande von Gewässern versprüht und kein Wunder wenn es weniger Insekten gibt, bestimmte Tierarten immer weniger werden und davon ist die Liste lang und so geht das munter weiter, damit der Einzelne ein billiges Schnitzel essen kann und die Natur und in Konsequenz wir selbst vor die Hunde gehen und dieser Kreislauf muß durchbrochen werden wenn wir überleben wollen, Arbeit auf dem Lande gibt es genügend, es muß bezahlbar sein und unschädlich, aber das kostet Geld und das hat sich eine ganze Industrie zunutze gemacht und die stecken das Geld ein und die Bauern und die Tiere gehen samt und sonders leer aus und was das noch mit einer sinnvollen Abschöpfung der Resourcen zu tun hat entschließt sich jeder Vorstellung, daß ist unverantwortlicher Kanibalismus auf Raten und die Gescheiten in den Hauptstädten gucken zu, obwohl sie genau wissen wohin die Reise geht und so machen wir weiter, bis der letzte Hase das zeitliche gesegnet hat, denn bei diesen Agrarwüsten hat er ehedem keine Chance mehr und den Rest schießen die Jagdgenossenschaften ab, natürlich nur zur vernünftigen Auslese, bis es nichts mehr vor die Flinte gibt und somit belügen sich alle gegenseitig, bis sie tot umfallen und das war`s.

    • Richtig. Die Politik gibt die Linie vor. „Alle“ rennen freiwillig oder auch wenig davon angetan unter unlauteren Prämissen mit.

      Genau am Programm Ernährung (das nun wirklich jedem Stöpsel einleuchten sollte) entlarvt sich die EU,
      daß ihr die Bürger scheissegal sind,
      dass sie mit ihnen anderes vor hat und
      dass sie sie wie Nummern für Experimente einer ihrerseits getarnten Ideologie benützt.

      Wäre dem nicht so, wäre das Thema „gesunder Volksaufbau“ nicht ein reservierter Wertebegriff, der gleich verschwiegen, verpönt, und wenn er denn je hervorgeholt, als „Naziparole“ wieder zurückgeschmettert würde.

      Die EU bleibt unklar in ihren Regelungen gegenüber den Verbrauchern.
      Ettikettierunge sind oft so kleingedruckt, daß sie ohne Lupe nicht mal lesbar sind.
      Hinter Großbuchstabenkürzel und Nummern verbergen sich unklare Aussagen.
      Den Schwindlern und Betrügen werden damit Ausgangsanker gelegt.

      Gülle ließe sich umgehen durch Kompostierung der Kuhfladen mit org. Masse wie Stroh oder anderer Biomasse. Statt dessen subventsioniert sie Stallungen mit Wasserspülung, die eine Kompostierung umgehen und riesige Mengen an Nitrate und Nitrite produzieren, bzw. auslösen, die über die Ausbringung auf den Feldern ins Grundwasser einsickern und sich später mit dem Wasser von Flüssen, teils sogar Trinkwasser wieder vermengen.
      Das Thema ist so ergiebig, dass sich Seiten damit füllen lassen.
      Um es kurz zu machen noch ein Aspekt.

      Jedem sollte einleuchten, dass Produktion von Lebensmittel zur Erzeugung von Rohstoffen für „alternative“ Energie bereits einen Betrug in sich bereits birgt und zutiefst abzulehnen ist.
      Statt dessen werden Gewinne in Aussicht gestellt, „Grünenideologie zur Farce“. Grünen Wähler schauen nicht einmal hinter den Vorhang und es kommt das raus, was heute vorliegt:
      Schwindel, Lug und Trug, Selbsttäuschungen, Ich ich ich, alles tanzt um das Kalb „Geld“;
      nach mir die Klimakatastrophe!

      Ein Prozentsatz von unter 10 % an Biobauern und sich danach orientierenden Konsumenten gehen unter im Rest, wo alles um fiktive Gewinne oder dem Billigst Einkauf tanzt.

  2. Als ich vor ca. 6 Jahren zum ersten Mal den Insektenrückgang bemerkte, habe ich meinen Konsum und die Ernährung umgestellt. Von vielen Mitmenschen wurde ich belächelt, mittlerweile ist einigen das Lachen vergangen.
    Politik, Industrie und Bauernverbände werden das Problem ohne Druck nicht lösen.
    Wir Verbraucher müssen diesen Druck erzeugen, in dem wir uns weigern billige, chemieverseuchte, Industrienahrung zu kaufen.
    Solange Aldi, Lidl, Middelberg, McDonalds und Co. aber immer noch Rekordumsätze verbuchen, wird sich nichts ändern, – nur unser Lebensraum.

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