Am Samstag, dem 9. März fand in Caracas ein Anti-Imperialismus-Marsch statt - Bild: Ricardo Vaz / venezuelaanalysis.com

Venezolanische Behörden verurteilten wiederholte Angriffe auf das zentrale Kontrollsystem des venezolanischen Stromnetzes. Mike Pompeo twitterte: „Kein Essen. Keine Medizin. Jetzt kein Strom. Als nächstes kein Maduro.“

Von venezuelaanalysis.com

Ein Stromausfall hat den größten Teil Venezuelas für mehrere Tage lahmgelegt, nachdem ein angeblicher Cyberangriff den wichtigsten Stromerzeuger des Landes, das Wasserkraftwerk Simon Bolivar im Bundesstaat Bolivar, allgemein bekannt als Guri-Damm, ausfallen ließ.

Ab Donnerstag gegen 17.00 Uhr waren 70 Prozent des Landes von dem Ausfall betroffen, nur einige östliche Staaten waren davon verschont geblieben. Am Samstagmorgen war die Stromversorgung in Caracas und in den Zentralstaaten wie Miranda, Aragua und Carabobo wieder hergestellt, als nach Berichten venezolanischeR Behörden ein zweiter schwerwiegender Ausfall infolge eines erneuten Cyberangriffs stattfand.

Seit Sonntagabend ist nun die Stromversorgung für den größten Teil der Hauptstadt und für Teile der westlichen Bundesstaaten Tachira und Barinas wiederhergestellt. Laut den Zeugenberichten vor Ort, die in den sozialen Medien verbreitet wurden, haben verschiedene andere Staaten, darunter Merida und Zulia, seit Donnerstag keinen Strom mehr.

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Am Samstag bestätigte Präsident Maduro, am Rande einer regierungsnahen Kundgebung, dass am Donnerstag Nachmittag ein Angriff auf die elektrische Infrastruktur des Landes stattgefunden habe. Er deutete mit dem Finger auf die USA und betonte den hohen Grad an Raffinesse der vermeintlichen Aggression. Er fügte hinzu, dass die Bemühungen um die Wiederherstellung der Stromversorgung durch einen neuen Cyberangriff am Samstagmorgen zurückgestellt werden mussten.

Maduro kündigte an, er würde ab Montag die Verteilung von Nahrungsmitteln und trinkbarem Wasser anordnen und bemühe sich, das normale Funktionieren der Krankenhäuser sicherzustellen. Wasserministerin Evelyn Vazquez gab am Sonntag bekannt, dass Wassertanks eingesetzt werden, bis das Wasserpumpsystem wieder funktioniert.

Am Freitag bestätigte auch der Kommunikationsminister Jorge Rodriguez gegenüber der Presse, dass ein Cyberangriff gegen das EDV-System „Ardas“ des Guri-Damms stattgefunden habe, bei dem 3 der 5 Generatoren angegriffen wurden, welche die Turbinen des Damms zum Stillstand brachten. Venezuela werde der UN-Menschenrechtskommission und anderen internationalen Organisationen Beweise für den Angriff vorlegen, fügte er hinzu.

Rodriguez bestritt die Behauptung der Opposition, dass 79 Menschen in Krankenhäusern infolge des Ausfalls ums Leben gekommen waren, er nannte aber auch keine offizielle Zahl. Die NGO „Doctors for Health“ meldete am Sonntagabend 21 Todesfälle, nachdem sie angeblich Krankenhäuser im ganzen Land kontaktiert hatten.

In der Mitte der Hauptverkehrszeit am Donnerstagnachmittag, waren die öffentlichen Nahverkehrsnetze sofort von der Unterbrechung betroffen. Die U-Bahn- und S-Bahn-Züge von Caracas standen still. Mirandas Stab mobilisierte Busse, um die Bürger, die von der Arbeit zurückkehrte, nach Hause zu bringen. Das U-Bahn-System von Caracas hat den Dienst bis auf weiteres eingestellt, die Behörden warten auf die Stabilisierung der Stromversorgung. Die venezolanische Regierung hat am Montag ihre Arbeits- und Schulaktivitäten ebenfalls eingestellt.

Die Stromausfälle führten in verschiedenen Städten zu Scharmützeln, wobei Gruppen Reifen oder Müll verbrannten. Es wurden aber keine größeren Konfrontationen mit den Behörden gemeldet.

Das elektrische System in Venezuela wurde in den letzten Jahren durch mangelnde Wartung und Sabotage beeinträchtigt. Die Infrastruktur wurde durch zu geringe Investitionen belastet und Washingtons Wirtschaftssanktionen verstärkten die Schwierigkeiten. Wie die New York Times berichtete, habe die durch die US-Sanktionen verursachte Kraftstoffknappheit dazu geführt, dass das thermische Kraftwerk am Guri-Damm nicht mit „Backup“-Strom versorgt werden konnte.

Der selbst ernannte „Interimspräsident“ Juan Guaido hielt am Sonntag eine Pressekonferenz, in der er den Umgang der Regierung mit der Elektrizitätskrise kritisierte und wiederholte seine Aufrufe an die Streitkräfte, seine Bemühungen zu unterstützen, welche den Sturz der Regierung Maduros beinhalte.

Guaido kündigte an, dass er die von der Opposition kontrollierte Nationalversammlung, die seit 2016 gerichtlich verurteilt ist, am Montag zur „nationalen Alarmierung“ auffordern werde. Der Oppositionsführer hatte sich nach einem Marsch am Samstag in der Ostseite der Hauptstadt an die Unterstützer gewandt. Die Spannungen zwischen Oppositionellen und Sicherheitskräften brachen auf, nachdem die ehemalige Autobahn Francisco Fajardo für kurze Zeit blockiert wurde.

„Alle Optionen seien auf dem Tisch“, sagte Guaido zu den Anhängern, als er die Forderung nach einer Intervention aus dem Ausland stellte und kündigte zugleich weitere Mobilisierungen in naher Zukunft an. Vor Stunden hatte er getwittert, dass die „Elektrizität nach Ende der Usurpation wiederkehren werde“.

Am Samstag fand auch ein antiimperialistischer Marsch der Chavista vom Stadtzentrum zum Präsidentenpalast von Miraflores statt. Anlass war der vierte Jahrestag der „Exekutive Order“, die Venezuela zu einer „ungewöhnlichen und außergewöhnlichen Bedrohung“ für die nationale Sicherheit der USA erklärte.

Maduro und andere chavistische Führer, prangerten die von ihnen als „schlimmste Aggression“ der jüngsten Geschichte an, lobten den „Widerstand“ der Bevölkerung und drängten zur Geduld, während die Bemühungen um die Wiederherstellung der Stromversorgung des Landes fortgesetzt werden.

US-Beamte beschuldigten ihrerseits die Maduro-Regierung für den Stromausfall verantwortlich zu sein. Außenminister Mike Pompeo twitterte: „Kein Essen. Keine Medizin. Jetzt kein Strom. Als nächstes kein Maduro. “

Venezolanische Regierungsvertreter haben auf Tweets von Pompeo, Marco Rubio und andere US-Führer verwiesen, die den Verdacht aufkommen lassen, das US-amerikanische Hände mit im Spiel waren. Weitere Beweise wurden noch nicht veröffentlicht.

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