Das US-amerikanische Gesundheitssystem ist überteuert, marode und sorgt zudem für immer mehr Privatinsolvenzen. Wie lange noch, bis es zu solch desaströsen Zuständen in Deutschland kommt?

Von Marco Maier

Laut einer März-Umfrage des American Journal of Public Health sind ausstehende medizinische Schulden zu einem häufigen Thema bei Privatinsolvenzen geworden. Fast 60 Prozent der Befragten gaben an, dass medizinische Kosten „sehr“ oder „etwas“ zu ihrem Konkurs beigetragen haben. Das ist deutliche mehr als jener Prozentsatz, den Hypothekenschulden oder Studentenkredite ausmachen. Auch „The Atlantic“ berichtet darüber.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben einer mangelndnen Versorgung in Sachen Krankenversicherung und hohen Selbstbehalten liegt es auch am medizinischen System, welches infolge der enorm hohen Schadensersatzzahlungen bei Fehlern auch extrem hohe Versicherungsprämien abverlangt und so auch medizinische Dienstleistungen stark vertreuert. Ärzte, Krankenhäuser und Pharmakonzerne sichern sich so gegenüber exorbitant hohe Forderungen ab, die vor Gerichten immer wieder erhoben werden.

Die häufigste Ursache für große Arztrechnungen? Notarztbesuche und geplante chirurgische Eingriffe, die sich Patienten laut Anwälten nicht leisten können. In vielen Fällen ist ein Krankenhaus zwar im Versicherungsnetz eines Patienten versichert, die einzelnen dort tätigen Ärzte und der Rettungsdienstleister jedoch nicht – häufig führen sie zu „Balance Billing“, bei denen die Betroffenen jene Summen in Rechnung gestellt werden, die die eigene Versicherung nicht übernimmt.

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Angesichts des enormen Privatisierungsdrucks im Gesundheitsbereich in Deutschland stellt sich die Frage, ob das Land nicht auch bald schon solche „amerikanischen Verhältnisse“ haben wird. Zwar gibt es im deutschen Rechtssystem keine die unternehmerische Existenz bedrohenden Klagen wie in den USA, wo selbst kleine Unternehmen unter Umständen auf Schadenersatz in Höhe von zig Millionen Dollar verklagt und verurteilt werden, doch im restlichen Bereich sieht es nicht viel besser aus – zumindest dann, wenn man sich die Richtung ansieht, in die es bereits seit Jahren geht.

Vor allem wird deutlich, dass ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem (wie es z.B. in Österreich existiert) unerlässlich ist, wenn man der breiten Bevölkerung eine umfassende Gesundheitsversorgung ermöglichen möchte. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten für ein paar Leute die das System ausnutzen, sind geringer als jene Kosten die durch ein völlig privatisiertes Gesundheitssystem wie in den Vereinigten Staaten verursacht werden. Aber das werden eingefleischte Liberalkapitalisten wohl nie verstehen – selbst dann nicht, wenn sie (wie so oft in den USA) selbst davon betroffen sind.

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2 KOMMENTARE

  1. Berechtigte Frage, die der Autor da stellt. Noch ist da ein von Lobbyisten dominierter 300-Milliarden-Euro-Markt, mit einer Unzahl von hochbezahlten Funktionären und einer ausufernden Bürokratie, der für die Investoren der Pharmaindustrie sehr einträglich ist, die aktiv Beteiligten fürstlich bis ausreichend versorgt und die Kranken bei der Stange hält. Mit der (ausufernden) Zunahme von Personen, die nichts für das System aufbringen, es aber ausgiebig zu nutzen wissen und gleichzeitig stagnierender Anzahl von Beitragszahlern, muss früher oder später der Punkt erreicht werden, an dem das BRD-Krankensystem kollabiert. P.S. Und mit ihm das Sozialsystem.

    • Und zurück gibt es keines mehr, weil sämtliche Familienstrukturen keinen Auffang mehr bieten weil sie zerstört sind.

      Wer sich auf andere verläßt, (in diesem Fall, die politischen Quacksalber) wird eines Tages fest stellen, dass er von allen verlassen ist.

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