Um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben, brauchen die Saudis einen Ölpreis von mehr als 80 Dollar pro Barrel, doch die Aussichten sind trübe. Das bringt die Führung unter Druck.

Von Marco Maier

Erdöl wird angesichts der weltwirtschaftlichen Umstände und der anhaltend hohen Produktion zumindest die nächsten Monate noch unter 70 Dollar pro Barrel bleiben. Das setzt Saudi-Arabien weiter unter Druck, obwohl das Land sein Öl recht günstig fördern kann. Denn durch den massiven Subventionsapparat und die dadurch umfangreichen Ausgaben bleibt das Loch in der Staatskasse groß.

Der wichtigst Ölexporteur Saudi-Arabien würde einen Ölpreis in Höhe von 80 bis 85 US-Dollar pro Barrel benötigen, um dieses Jahr seinen Haushalt auszugleichen, sagte ein Vertreter des Internationalen Währungsfonds. Riadhs ausgeglichener Ölpreis hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der Höhe der Ölförderung, der Höhe der saudi-arabischen Öleinnahmen, die in das Budget einfließen, und der Entwicklung der Nicht-Öleinnahmen dieses Jahres. „Aber wenn Sie das Budget (2019) so betrachten wie es präsentiert wird und alles gleich bleibt, wäre ein Breakeven-Punkt bei etwa 80 bis 85 Dollar“, sagte Jihad Azour, Direktor der Abteilung Naher Osten und Zentralasien des IWF, gegenüber Reuters.

So zeigen neuere Daten aus China, dass die (ölhungrige) Wirtschaft des Reichs der Mitte ins Stocken gerät und auch die US-Wirtschaft ist kein wirklicher Wachstumsmotor. Doch gerade in den beiden Nationen hängt in Sachen Ölpreis sehr viel.

Zwar haben die Saudis (noch) umfangreiche finanzielle Reserven, doch diese aufzulösen würde die globalen Finanzmärkte weiter unter Druck setzen und auch keine nachhaltige Änderung mit sich bringen. Da das Diversifizierungsprogramm von Kronprinz Mohammed bin Salman auch nicht wirklich vorangeht, bleibt die Lage schwierig.

Das totalitäre saudi-arabische Regime wird um umfangreiche Ausgabenkürzungen nicht herumkommen, was jedoch zu Protesten im eigenen Land führen könnte. Immerhin ist das Bevölkerungswachstum hoch und ohne die ganzen staatlichen Subventionen würde ein Großteil der Bevölkerung in Armut dahinvegetieren. Das ist gewaltiger sozialer Sprengstoff, der das saudische Machtduo – bestehend aus dem Königshaus al-Saud und dem wahhabitischen Klerus – stürzen könnte.

Kein Wunder also, dass die Saudi-Führung versucht, die Iran-Krise (unter anderem mit der Unterstützung von Extremisten in Pakistan) voranzutreiben und so den Ölpreis nach oben zu pushen. Immerhin würde ein Ausfall der iranischen Produktion zu einer Verknappung und so zu einem Preisanstieg führen. Das könnte dem Saudi-Regime zumindest für eine Weile den Hals aus der Schlinge ziehen.

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