Chinesische Familie.

Jahrzehntelang wuchs die Erwerbsbevölkerung Chinas. Doch die Ein-Kind-Politik der letzten Dekaden sorgte nun dafür, dass sie zum ersten Mal seit den Aufzeichnungen aus den 1960ern schrumpft.

Von Marco Maier

Die Volksrepublik China hat ein Problem. Zumindest so lange, wie sie noch auf menschliche Arbeitskraft angewiesen ist, um die Produktion von Gütern und die Erbringung von Dienstleistungen aufrecht zu erhalten. Denn nach einem jahrzehntelangen Wachstum der Erwerbsbevölkerung verzeichnete das Reich der Mitte im letzten Jahr zum ersten Mal einen Rückgang.

So verzeichnen die jüngsten Zensus-Daten der Statistikbehörde NBS mit Ende 2018 eine Gesamt-Erwerbsbevölkerung von rund 776 Millionen Personen, was einem Rückgang von rund 540.000 gegenüber Ende 2017 entspricht. Und das Jahr war schon nur ganz knapp im grünen Bereich, nachdem es bereits seit einigen Jahren einen (zwar immer wieder unterbrochenen aber stetigen) Rückgang bei den Wachstumszahlen dieses Bevölkerungssegments verzeichnete.

In einem weiteren Zeichen, dass Chinas Bevölkerung schnell altern wird, schrumpfte auch die breitere Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter oder die Bevölkerung zwischen 16 und 59 Jahren im siebten Jahr in Folge, und zwar um insgesamt 2,8 Prozent von 2011 bis 2018. Im vergangenen Jahr betrug die Gesamtbevölkerung im arbeitsfähigen Alter in China 897 Millionen, ein Rückgang um 5 Millionen von 902 Millionen im Jahr 2017, so die Statistikbehörde. Li Xiru, Direktor der Abteilung für Bevölkerung und Beschäftigung beim NBS, warnte letzten Monat vor einem weiteren Rückgang der Erwerbsbevölkerung in den kommenden Jahren.

Zwar wurde bereits eine Zwei-Kind-Politik forciert, doch die Erfolge sind bescheiden. Ein zweites Kind können sich viele Chinesen in den Städten gar nicht mehr leisten, zudem zählen Familie und Kinder nicht mehr zu den Hauptprioritäten der jüngeren Generationen. Die jahrzehntelange Regierungspropaganda, wonach ein Kind genug sei, lässt sich nicht einfach so aus den Köpfen löschen.

Kein Wunder, dass die zentralen Planer in Peking die Technologie der künstlichen Intelligenz (KI) vorantreiben und so versuchen, den demographischen Veränderungen entgegenzusteuern und trotz der Überalterung der Gesellschaft die Versorgung aufrecht zu erhalten.

Liebe Leser, wenn sie kein Abo abschließen möchten, können sie uns auch mit einer Spende auf folgendes Empfängerkonto: Andreas Keltscha, IBAN: DE96100110012620778424, BIC: NTSBDEB1XXX oder per Paypal und Kreditkarte, unterstützen. Danke für ihre Hilfe!

Loading...

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here