Recep Tayyip Erdogan. Bild: Flickr / Recep Tayyip Erdogan - Public Domain
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Der türkische Präsident wirft den Amerikanern vor, eine unabhängige Türkei zu fürchten. Doch Ankara lässt sich von Washington nicht vorschreiben, wie es die nationale Sicherheit verteidigt.

Von Marco Maier

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagt, die USA drängen die Türkei, ein Waffenabkommen mit Russland zu annullieren, weil Washington von Ankaras Unabhängigkeit verärgert ist. „Es geht nicht um das russische Verteidigungssystem S-400. Dies liegt daran, dass die Türkei in Bezug auf die regionalen Entwicklungen, insbesondere in Syrien, aus eigenem Willen handelt“, sagte der türkische Staatschef in der südöstlichen Stadt Diyarbakir am Samstag.

Die Türkei hat ihre militärische Präsenz in Syrien aufrecht erhalten, um kurdische Kämpfer abzuwehren, die sie mit Anti-Ankara-Separatisten verbindet. Die USA, die auch auf syrischem Boden präsent waren, rüsteten diese Kurden unter dem Vorwand auf, ihnen zu helfen, die Terrorgruppe des „Islamischen Staates“ zu bekämpfen. Ankara war wegen dieser Unterstützung mit Washington in Streit.

Russland und die Türkei haben im Dezember 2017 ein Abkommen über die Lieferung von russischen S-400-Raketenabwehrsystemen abgeschlossen. Die Türkei wird die Systeme voraussichtlich im Laufe dieses Jahres bis Anfang nächsten Jahres übernehmen. Die USA haben ihre eigenen Patriot-Raketensysteme an regionale Länder verkauft, um den wachsenden Einfluss Russlands unter ihnen zu unterbinden.

Einen Tag bevor Erdogan die Äußerungen machte, warnte das US-Verteidigungsministerium die Türkei vor „schwerwiegenden Konsequenzen“, wenn die russischen Ausrüstungen geliefert würden. „Sie (die Türken) hätten keinen Zugang zu Patriot und der F-35“, sagte der amtierende Pentagon-Sprecher Charlie Summers und bezog sich auch auf einen fortgeschrittenen amerikanischen Kampfjet, den die Türken kaufen wollen.

Die USA waren im Begriff, die Patriot-Systeme in die Türkei zu verkaufen, bevor Ankara die russischen Systeme kaufte. Es ist auch vertraglich abgemacht, insgesamt 100 moderne F-35-Tarnkampfflugzeuge in die Türkei zu liefern. Washington behauptet, dass Mitglieder des westlichen Militärbündnisses der NATO, einschließlich der Türkei, nur bestimmte Waffen einsetzen sollten, um die „Interoperabilität“ sicherzustellen.

Erdogan sagte jedoch: „Jeder weiß, dass dieses Thema weder mit der NATO und dem F-35-Projekt noch mit der Sicherheit der USA zu tun hat.“ Immerhin handelt es sich hierbei um die typische US-amerikanische Erpressungspolitik, die sowohl gegen Feinde als auch gegen „Freunde“ immer wieder eingesetzt wird, um den militärisch-industriellen Komplex des Landes zu stärken.

4 KOMMENTARE

  1. Ein Fehler hat sich dennoch eingeschlichen, die USA waren erst dazu bereit die Patriot Systeme der Türkei zu verkaufen, lange nachdem der Deal mit Russland beschlossen wurde und man sollte noch erwähnen, dass das Angebot teurer war und kein Technologieaustausch stattfinden sollte.

  2. Wenn er es übertreibt werden sie schon einen Grund finden ihn zu neutralisieren, das ist ihre Spezialität und er sollte sich nicht so sicher sein, Beispiele gibt es genügend.

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