Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht - Bild: Flickr.com / Die Linke NRW CC BY-SA 2.0
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Sahra Wagenknecht will nicht mehr an der Spitze der „Aufstehen“-Bewegung stehen. Ihre Erklärung dazu scheint zwar schlüssig, doch scheint da mehr dahinter zu stecken. Welche Gründe könnten sie wirklich bewegen, das Handtuch zu werfen?

Von Commentarius

Die Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht, will sich aus der Führung der von ihr gegründeten Bewegung „Aufstehen“ zurückziehen. „Wir brauchen eine Neuaufstellung an der Spitze von ‚Aufstehen'“, war da in der „FAZ“ zu lesen.

Ihrer Meinung nach sollten sich die Parteipolitiker zurücknehmen, das betreffe auch sie selbst. „Sie waren mit ihren Erfahrungen anfangs notwendig. Aber jetzt ist es richtig, Verantwortung abzugeben“, so die Linken-Fraktionschefin weiter. Die Bewegung könne „besser leben, wenn sie denen übergeben wird, die sie an der Basis ohnehin tragen“, so Wagenknecht.

Da „Aufstehen“ eben keine Graswurzel-Bewegung ist, sondern diese Bewegung von dieser einen Person ins Leben gerufen, getragen und jetzt augenscheinlich begraben wurde, ist es klar, dass die Bewegung nach dem Rücktritt Wagenknechts in sich zusammenbrechen wird.

Wenn eine Person, die Wagenknecht ebenbürtig wäre, übernehmen würde, dann könnte es natürlich auch weitergehen. Diese Person gibt es nicht. Nicht in der Linken. Es sei denn Oskar würde den Taktstock übernehmen. Dann allerdings, wird er zu den Mahlzeiten, die ihm Sahra kochen wird, nicht zuhause sein können.

Weiter im Text: Sie werde „Aufstehen“ weiter unterstützen, etwa durch öffentliche Auftritte. „Aber ich muss auch sehen, welches Arbeitspensum ich schaffe. Dass ich jetzt zwei Monate krankheitsbedingt ausgefallen bin, hatte auch mit dem extremen Stress der letzten Jahre zu tun. Da muss ich eine neue Balance finden“, so Wagenknecht.

Da ich persönlich Wagenknechts Hausarzt nicht kenne, muss man ihr das glauben. Klar, ein Politiker ist gefordert. Wagenknecht hat einen langen Arbeitstag, kaum Schlaf und wenig Zeit um zu leben. Könnte sehr gut sein, dass sie im Laufe des Erfolgs von „Aufstehen“ gemerkt hat, dass es ihr zu viel wird. Sie ist auch nur eine Frau, und eben kein Roboter.

Sie gestand zwei Fehleinschätzungen ein: „Die Parteien, die wir ansprechen wollten, haben sich eingemauert“, sagte die Linken-Politikerin. Man habe aus der Sackgasse herauskommen wollen, dass es für mehrheitsfähige Forderungen keine Mehrheiten im Bundestag gebe. „Aber die Parteiführungen von SPD und Linken fühlen sich in der Sackgasse offenkundig so wohl, dass sie die Chance, die Aufstehen mit seiner großen Resonanz bedeutet hat, ausgeschlagen haben“, so Wagenknecht weiter.

Ich nehme ihr einfach nicht ab, dass sie die „Vereinigte Linke“ auf den Plan rufen wollte. Viel mehr wollte sie bei den anderen Linken fischen gehen. Klar, dass sie von den anderen Links-Parteien keine Unterstützung erhält, weil sie doch selbst Wählerpotential für ihre eigene Partei suchen. Sind wir uns ehrlich. So kann man nicht kalkulieren. Außer man findet schon vorher im Geheimen in diesen linken Parteien Verantwortungsträger, die sich mit ihr zu der neuen Bewegung zusammenschließen. Das hat sie verabsäumt. Da hätte auch Oskar Lafontaine hervorragend als Bindeglied funktionieren können. Das war leider nix.

Außerdem sah es doch auch so aus, dass Wagenknecht in absehbarer Zeit, die Linke verlassen würde und dieser mit „Aufstehen“, nicht nur Mitglieder und Sympathisanten abspenstig machen, sondern auch ein paar führende Kräfte entreißen könnte.

Doch dann wurde sie zunehmend in die Isolation getrieben, geriet in ihrer eigenen Partei in die Defensive, es kam auch mehr oder weniger zu Distanzierungen. Hätte sie den richtigen Zeitpunkt erwischt, hätte sie sogar den unvernünftigen Teil der Linken beseitigen können und mit den Vernünftigen die Linke im Zuge der „Aufstehen“-Bewegung erneuern können.

Und weiter: Außerdem habe sie „die Schwierigkeit unterschätzt, auf rein ehrenamtlicher Basis solide Strukturen für so viele Menschen zu schaffen und unsere Unterstützer dann auch in großer Zahl auf die Straße zu bringen“. Ein Misserfolg sei die Bewegung jedoch nicht. „Wir haben 170.000 Unterstützer, es gibt 200 Ortsgruppen, Tausende engagieren sich vor Ort“, sagte die Linken-Fraktionschefin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Sahra, das war jetzt aber für Sie keine Überraschung, oder? Also ja, wenn man sich an die Spitze einer Bewegung stellt und keine oder wenig Unterstützung erhält, dann kann man sich andere Dinge, wie z.B die eigentliche Arbeit oder gemeinsame Zeit mit der Familie zu verbringen, aufzeichnen. Das war jetzt nichts was sie nicht schon vorher wussten.

Lassen sie uns nach den eigentlichen Grund suchen, warum Sahra Wagenknecht – eine der wenigen politischen Ausnahmeerscheinungen in der BRD (nein, ich bin sehr weit weg von LINKS) – nicht mehr an der Spitze ihrer Bewegung stehen will. Wagenknecht sah vermutlich ihr politisches Ende in der Linken herannahen. Jetzt hieß es den Sprung nach vorn mit „Aufstehen“ zu machen oder zurück ins warme Nest der Linken. Da war dann die Entscheidung nicht so schwer, mangels gewichtiger Helfer für die neue Bewegung. Und da kommen auch alle ihre Punkte zu tragen, die sie im Interview als Grund angibt. Vielleicht gibt es da sogar mit der Parteispitze ein Übereinkommen, wonach Wagenknecht in der Partei verbleiben darf, wenn sie sich von der Spitze der Bewegung zurückzieht. Plausibel wäre es.

Ein bequemeres Leben wird sie ohne die Bewegung führen können. Viel Unterstützung braucht sie „Aufstehen“ nicht mehr zukommen lassen. Dieser Traum fällt mit ihr. Aber auch eine Chance wird mit diesem politischen Projekt begraben. Die Chance, eine linke und vernünftige Politik für die Menschen, nicht für die Wirtschaft und nicht für die Transatlantiker, zu betreiben und in den Bundestag zu tragen. Das kann die Linke großteils nicht. Von den Grünen nicht zu reden, die SPD versteht sowieso kaum noch jemand.

Bezweifeln darf man auch ob sie noch lange eine Führungsposition in der Linken einnehmen wird (können). Spätestens nach den nächsten Wahlen könnte sie weg sein. Dann wäre sie zwar noch jung genug für die Politik, aber mit Oskar mehr Zeit zu verbringen, wird auch nicht falsch sein. Nur eine Bewegung anführen – das wird Sahra Wagenknecht nicht mehr.

Und noch ein Tipp für Sahra Wagenknecht: Eine Politikerin von ihrem Format, die mit einer gelben Weste vor dem Kanzleramt erscheint, muss mindestens die Revolution ausrufen. Dann wären viele Bürger mit ihnen durch die Straßen gegangen. Sowas macht man sich nicht für den nächsten Sommer aus, das geschieht jetzt oder nie.

9 KOMMENTARE

  1. Gut analysiert.
    Es gibt nur 2 Varianten.
    Aufblühen oder erlöschen, weil die Bewegung bereits Elemente der Unterwanderung in sich trägt.
    Wer sät, weiß das er hegen und pflegen muss, sonst geht das Pflänzchen ein.
    Sie weiß mehr, als sie sagt.

    Bei allem Verständnis, das man aufbringen kann,
    speziell bei den Linken tun sich immer wieder Abhauer (Lafontaine) hervor,
    wenn sie es geschnallt haben, dass sie jetzt hart arbeiten und im privaten Bereich endgültig zurückstecken müssen.

  2. Mit der Wortwahl hat Wagenknecht eigentlich schon das Scheitern des Vorhabens vorweggenommen.

    Aufstehen und dann noch Denken erwarten – die Mehrheit ist da schon jenseits aller Fähigkeiten. Man liebt es bequem zu sitzen und vorgekautes Essen. – Und nun soll man plötzlich zum Mitdenken auch noch aufstehen.

    Henry Ford sagte mal ganz treffend. Denken ist Schwerstarbeit – deshalb beschäftigen sich so wenige damit.
    Und sollte es den Gedemütigten irgendwann mal so richtig schlecht gehen, dann erst hauen sie drauf – und zwar auch auf das, was ihnen sogar noch nützlich sein könnte.

    Von 62 Millionen Wählern entschieden sich nur 170 Tausend fürs „Aufstehen“ – Wir sind ein Volk von Sitzenbleibern.

  3. Die Sahra kocht dem Oskar nichts. Der hat nämlich privat einen festangestellten Koch. Außerdem ißt Sahra lieber Hummer am Genfer See..

  4. Die gute Frau Wagenknecht wollte in den Revieren der Sozis und Grünen wildern und so ganz nebenbei auch noch von der AfD Wähler abzwacken, um die Reihen der Linken zu stärken.

    Für einige Demos klappte es ja auch, doch der Zulauf für die Linken blieb aus.

    Die Grünen haben sich den Liberalen angenähert, um gemeinsam mit der siechenden CDU/CSU die Futtertröge zu besetzen, da geht man lieber auf Distanz zu den Marxisten.

    Und die Sozis haben eine natürliche Abneigung gegen die Linken, die sie seit den Spartakisten immer noch als Abtrünnige ansehen. Das konnte auch die gemeinsame Zeit in der SED der DDR nicht kitten.

    Da ist es für die Frau Wagenknecht doch taktisch klüger sich wieder „Hinzusetzen“, als mit der gescheiterten „Aufstehen“-Aktion weiter in Verbindung gebracht zu werden, denn einige Jahre will sie bestimmt noch für den Weltkommunismus kämpfen.

  5. Das war dann wohl der volle Rohrkrepierer.
    Schlaue Reden sind das eine, aber an den Taten wird man gemessen. Und da sieht es leider auch bei Wagenknecht duster aus.
    Dafür verstehe ich nun umso mehr, was Wagenknecht und Lafontaine zusammenhält. Das es nicht am Sex liegt, war jedenfalls schon vorher klar.

  6. Ist wohl intern nicht so nach ihrer Vorstellung gelaufen, aber egal, alles was diese Postkommunisten schädigt kann nur gut sein, denn nun brauchen wir wirklich vieles, aber die ganz bestimmt nicht und gerade diese Ikone der kommunistischen Seite ist das Paradebeispiel großer Verlogenheit, großbürgerlich elitär leben und kommunistische Phrasen dreschen, das paßt ja überhaupt nicht zusammen und von der Sorte gibt es viele auch bei den Sozis und wer sich von denen noch blenden läßt scheint nicht auf der Höhe der Zeit zu sein, das sind Scharlatane, die etwas vorgeben, was sie selbst für sich garnicht wollen, es aber der Mehrheit zumuten wollen und darin liegt die eigentliche Krux dieser Verführer.

  7. Nicht nur das, auch kündigte Fr. Wagenknecht heute an, nicht mehr für eine neuerliche Amtsperiode als Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag zur Verfügung zu stehen.
    Sie gibt zwar auch dafür gesundheitliche Gründe an , aber ich denke da steckt mehr dahinter. Wahrscheinlich hat sie die Nase von der Linkspartei voll…… ich hoffe nur das man nach wie vor von ihr noch so einiges hören wird, denn sie ist eine der wenigen klugen, realistischen Politiker/ innen die wir überhaupt noch haben…… vielleicht hat sie ja was in petto…. und wird irgendwann damit an die Öffentlichkeit treten.
    Vielleicht mit ihrem Mann Lafontaine eine Partei gründen (?)….. das wäre der Hammer und zu wünschen…..!

  8. „das wäre der Hammer und zu wünschen…..!“

    Das ist das Letzte an Zumutbarem, wenn sie noch einmal auf die Bühne zurückkehrte, um neue Clownnummern zu inszenieren. Genug den Auftritten der Welt der Worthülsen. Bewegen konnte sie zero.
    Sie hatte ihre gut bezahlte Zeit.
    Ihre Generation Zirkus reicht.
    Die Zukunft lautet:
    Frei die Bühne von rhetorischen Blendern.

  9. Die Fließbandarbeiterin welche sich nach der Arbeit daheim wegen den Schmerzen die Hände und Beine einreibt,
    hat ein Buch von Ihr …
    🙁

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