Fahndungsfoto von Anis Amri auf einer Polizeiwache - Bild: Flickr /Karl-Ludwig Poggemann CC BY 2.0
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Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, wollte ursprünglich offenbar mit weiteren Islamisten einen Sprengstoffanschlag auf das Berliner Einkaufszentrum Gesundbrunnen-Center verüben.

Von Redaktion

Demnach sollen sich zwei mit Amri mutmaßlich befreundete Islamisten spätestens im Jahr 2016 Sprengstoff für einen Anschlag beschafft haben. Das ergibt sich aus Ermittlungsakten, die ein Rechercheteam der Berliner Morgenpost, des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und des ARD-Politikmagazins „Kontraste“ einsehen konnte. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass Amri in die Planung einbezogen war.

Die Gruppe soll beabsichtigt haben, bei dem Anschlag den hochexplosiven Sprengstoff TATP (Triacetontriperoxid) einzusetzen. Er lagerte laut Generalbundesanwalt im Oktober 2016 in der Wohnung des im August vergangenen Jahres festgenommenen russischen Islamisten Magomed-Ali C. im Berliner Stadtteil Buch. Sein Mitstreiter, der bereits im April 2017 in der französischen Küstenstadt Marseille festgenommene Clément B., soll zur Vorbereitung des Anschlags im sozialen Internet-Netzwerk Instagram neben Dschihadisten-Propaganda ein Foto des Gesundbrunnen-Centers eingestellt haben. Der Generalbundesanwalt wertet dies laut den Dokumenten als Hinweis auf ein mögliches Anschlagsziel.

Das Instagram-Konto habe der konspirativen Verständigung dienen sollen. Zugang hatte den Unterlagen zufolge auch Anis Amri. Unbemerkt von den Sicherheitsbehörden soll sich der Tunesier nur einen Tag später für rund 40 Minuten im Gesundbrunnen-Center aufgehalten haben. Das ergibt sich aus einer erst nach dem Breitscheidplatz-Anschlag erfolgten Auswertung der Standortdaten seines Handys, die der Berliner Morgenpost und dem RBB bekannt ist. Der Generalbundesanwalt wertete diesen Aufenthalt als Ausspähung des möglichen Anschlagsziels.

Laut Ermittlungsakten klingelten Anti-Terror-Fahnder der Berliner Polizei am 26. Oktober 2016 im Rahmen einer Observation von Magomed-Ali C. für eine Personenüberprüfung an dessen Wohnung in Berlin-Buch. Von der mutmaßlichen Sprengstofflagerung wussten die Beamten den Dokumenten zufolge aber nichts. Magomed-Ali C. und Clément B., der bei dem Besuch der Polizei ebenfalls in der Wohnung gewesen sein soll, waren offenbar dennoch aufgeschreckt. Von ihrem mutmaßlichen Anschlagsplan auf das Gesundbrunnen-Center ließen sie den Akten zufolge ab. Clément B. floh wenige Tage später nach Frankreich.

Nach seiner Festnahme in Marseille hörten die dortigen Behörden in der Untersuchungshaft Gespräche von Clément B. mit seinem Vater ab. Dabei soll B. auch über den missglückten Anschlagsplan und den Besuch der Berliner Polizisten gesprochen haben. Die Polizisten hätten alles kaputt gemacht. Wären sie nicht gekommen, hätten Anis Amri und seine Kumpel sich sicher in die Luft gesprengt, soll Clément B. gesagt haben. Der Generalbundesanwalt wertete diese Aussage als weiteren Hinweis, dass auch Anis Amri in den Plan für einen Anschlag auf das Gesundbrunnen-Center involviert war.

Ihre Pläne für einen Anschlag gaben Amri und Clément B. laut Generalbundesanwalt auch nach dessen Flucht nach Frankreich nicht auf. Aus Abhörprotokollen geht hervor, dass B. seinem Vater mitgeteilt haben soll, dass sie zeitgleich in Berlin, Paris und Brüssel zuschlagen wollten.

Anis Amri entschloss sich jedoch entgegen der mutmaßlichen Absprache zu einem Alleingang. Am 19. Dezember 2016 tötete er in Berlin den Fahrer eines Lkw und fuhr mit dem Fahrzeug auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, wo er elf weitere Menschen tötete.

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