Der jüngste Bericht des US-amerikanischen Congressional Budget Office (CBO) reicht aus, um das Blut eines fiskalischen Konservativen gerinnen zu lassen.

Von Geopolitical Monitor

Zusammenfassung:

Dem Bericht zufolge beläuft sich der öffentliche Schuldenstand der USA im Verhältnis zum BIP derzeit auf 78 Prozent (Schuldverschreibungen in Staatsanleihen). Wenn die derzeitigen Trends anhalten, wird diese Zahl bis zum Ende des Jahrzehnts 100 Prozent des BIP und bis 2048 152 Prozent des BIP erreichen. Die Expansion der Schulden wird im Wesentlichen durch Ausgaben für soziale Sicherheit und medizinische Versorgung sowie durch zunehmende Belastung der Vorfinanzierung angeheizt.

Die sich verschlechternden fiskalischen Aussichten des Landes werden sicherlich bei zukünftigen Wahlen in den Vereinigten Staaten nachwirken, aber auch hier gibt es eine entscheidende internationale Dimension.

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Hintergrund:

Das anstehende Wachstum wird in den nächsten 30 Jahren zur Ausweitung der Defizite beitragen.

Das CBO prognostiziert, dass die Ausgaben für die soziale Sicherheit von 4,9 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf 6,3 Prozent im Jahr 2048 steigen werden. Gesundheitsprogramme (Medicare und Medicaid) werden von 5,2 Prozent auf 8,7 Prozent steigen, vor allem aufgrund einer alternden Bevölkerung und hoher Gesundheitskosten pro Person. Die Zinszahlungen werden von 1,6 Prozent auf 5,3 Prozent steigen.

Source: CBO; public domain

Die jährlichen Defizite werden voraussichtlich von 3,9 Prozent im Jahr 2018 auf 8,4 Prozent im Jahr 2048 ansteigen.

Die Ermessensausgaben im Verhältnis zum BIP werden im selben Zeitraum voraussichtlich sinken, wenn nicht, dann nur weil es die Haushaltsmathematik zunehmend nicht zulässt. Die Ermessensausgaben machten 2018 6,3 Prozent des BIP aus; Das CBO erwartet, dass diese Zahl bis 2048 auf 5,5 Prozent sinken wird.

Es wird erwartet, dass die Einnahmen für die nächsten Jahre unverändert bleiben und dann im Jahr 2026 steigen, wenn die Steuersenkungen aus diesem Jahr auslaufen. Die Einnahmen würden dann schrittweise mit der Wirtschaft wachsen, könnten jedoch mit dem Ausgabenwachstum nicht Schritt halten.

Source: Congressional Budget Office (CBO), public domain

Auswirkungen:

Die CBO-Projektionen sind so schon düster, aber die Realität könnte noch schlimmer werden. Das CBO trifft bei der Berechnung seiner Schätzungen verschiedene Annahmen zu Wachstum, Zinssätzen, Produktivität und Erwerbsbeteiligung. Und obwohl es auf der Oberseite etwas Spielraum für besser als erwartete Gesamtergebnisse gibt (zum Beispiel, wenn der politische Wille in Washington zur Lösung des Schuldenproblems eher früher als später auftritt), bestehen auch erhebliche Abwärtsrisiken.

Niedrige Zinsen

Ein solches Risiko ergibt sich aus unvorhergesehenen Zinsschwankungen. Die Ära nach 2009 hat beispiellose niedrige Zinssätze verzeichnet, die zu einem günstigen Kreditumfeld für die US-Regierung geführt haben. Das CBO sieht vor, dass die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen bis 2028 auf 3,7 Prozent und dann 2048 auf 4,8 Prozent steigen wird. Die durchschnittliche Rendite aus dem Zeitraum 1990-2007 betrug 5,8 Prozent.

Anleiherenditen sind ein Produkt aus Angebot und Nachfrage. Es gab ein reichhaltiges Angebot, da die US-Regierungen in den letzten zwei Jahrzehnten externe Mittel gesucht haben, um ihre Defizitlücken zu schließen. Aber wie sieht es mit der Nachfrage aus?

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat immer von der starken Auslandsnachfrage nach US-Schatzpapieren profitiert, die als sicherer Hafen gelten und auf eine globale und relativ stabile Währung lauten (kritisch, fast alle weltweiten Ölverkäufe werden in USD abgerechnet). Länder wie Japan und China haben enorme Reserven an US-Staatsschulden angehäuft und halten seit Anfang 2018 jeweils rund 1,030 bzw. 1,179 Billionen US-Dollar an Staatsanleihen. Ihre Käufe von US-Schulden wirken sich auf die Renditen aus, was es wiederum für die US-Regierung billiger macht, ihre Programme im In- und Ausland zu finanzieren.

Es besteht Grund zu der Annahme, dass US-Staatsanleihen kurz- bis mittelfristig für ausländische Regierungen weniger attraktiv sein werden. Ein beständiger Widerstand wird von den wachsenden Schuldenbergen der Vereinigten Staaten ausgehen. Nicht insoweit, als es ein Ausfallrisiko per se darstellt, sondern eher das Risiko einer Währungsabwertung, um die Schulden später leichter abbezahlen zu können. Wenn der US-Dollar schwächer wird, werden ausländische Treasury-Bestände gegenüber der jeweiligen lokalen Währung weniger wertvoll.

Es besteht auch die Tatsache, dass die Aufrechterhaltung großer Devisenbestände mit zunehmender Entwicklung der Staaten entlang der Entwicklungskurve für ihre wirtschaftliche Stabilität weniger wichtig ist. Wir sehen bereits Anzeichen dafür, dass japanische und chinesische Investoren beginnen, sich von Treasuries zu trennen. Eine solche Desinvestition wird mit Sicherheit langsam vor sich gehen, um keine Panik zu verursachen und den Wert der verbleibenden Positionen eines Landes zu beeinflussen. Insbesondere China war im vergangenen Jahr besonders umsichtig, vermutlich, weil es nicht den Eindruck erwecken will, dass es in seinem anhaltenden Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten die „Atomoption“ auslöst. Diese nukleare Option wäre eine Liquidation ihrer auf US-Dollar lautenden Reserven – ein Schritt, der die Renditen der US-Staatsanleihen steigen lassen würde, den Wert der verbleibenden chinesischen Positionen dabei jedoch erheblich unterbieten würde.

Auf USD lautende Vermögenswerte waren weltweit die Benchmark für Währungsreserven, seit der Goldstandard im 20. Jahrhundert aufgegeben wurde. Dies mag nicht immer der Fall sein, aber momentan wird der USD-Vorrang definitiv durch das Fehlen glaubwürdiger Alternativen gestützt. Der Euro befindet sich im Reserveportfolio verschiedener Regierungen, aber das Gespenst Griechenlands und die mehrjährigen Risiken für die langfristige Stabilität der Eurozone weisen die Währung weiterhin in eine sekundäre Position hinter dem USD. Der Renminbi ist eine weitere mögliche Alternative, bleibt aber als globale Währung ohne eine Welle neuer Reformen in China illiquide.

In den 30 Jahren, in denen diese CBO-Projektionen berücksichtigt werden, könnte sich die Situation ändern, insbesondere wenn die erwartete Schuldenbildung tatsächlich eintritt. Mit anderen Worten, genau wie der Goldstandard, der ihm vorausging, kann der US-Dollar nicht immer als Standardträger der globalen Finanzwirtschaft angesehen werden. Und wenn sich irgendwann einmal eine Abrechnung ergibt, wird dies sicherlich durch die prekären Finanzaussichten der US-Regierung beschleunigt worden sein.

Wachstumsschocks

Ein weiteres realistisches Ereignis, das der CBO-Ausblick ignoriert, ist ein systemischer Schock wie die Große Rezession von 2008-2009. Es ist schwer vorhersehbar, dass diese Ereignisse selbst die genauesten wirtschaftlichen Prognosen zerstören können.

Im Jahr 2007 betrug die Verschuldung der USA nur 35 Prozent des BIP, fast die Hälfte ihres derzeitigen Niveaus. Die simulativen politischen Reaktionen nach 2009 waren ausgabenintensiv und wirkten sich auf das Endergebnis der Regierung in einer Weise aus, die bis heute Anklang findet. Eine Schätzung des US-Finanzministeriums aus dem Jahr 2012 bezifferte die Gesamtrisikoposition der US-Steuerzahler als Reaktion auf die Große Rezession auf 24 Billionen US-Dollar. In Bezug auf die Einnahmen können systemische wirtschaftliche Schocks Billionen von Haushaltsvermögen auslöschen, den Arbeitsmarkt für mehrere Jahre aushöhlen und die Steuerbasis der Regierung unterbieten. (Obwohl in gewisser Hinsicht die US-Steuerzahler tatsächlich gewannen, als notleidende Vermögenswerte und Staatsanleihen letztendlich verkauft wurden).

Die CBO-Prognosen gehen von einem jährlichen Wachstum von 1,9 Prozent für die nächsten 30 Jahre aus. Die Rate liegt unter dem historischen Durchschnitt von 2,8 Prozent, was zu einem großen Teil auf das schwache Wachstum des US-Arbeitsmarktes zurückzuführen ist.

Prognose

Wir sind immer noch im Rahmen der Normalität.

Washington ignoriert den langfristigen Blick auf die Staatsfinanzen und das globale Finanzsystem wird immer noch von der Wall Street dominiert (trotz einiger Anzeichen einer Abneigung, wie etwa Forderungen der EU nach einem alternativen System für den Kontinent und der Verbreitung bilateraler Strukturen) aber es gibt Angebote zur Abrechnung von Handelskonten in lokalen Währungen. Auch die US-Verschuldung bleibt mit 78 Prozent BIP in einem erhöhten, aber akzeptablen Rahmen, mit einem Defizit von knapp 4 Prozent.

Aber von hier aus kann sich die Normalität auflösen, zumindest wenn sich die CBO-Projektionen als richtig erweisen. Die Kreditaufnahme des vergangenen Jahrzehnts wurde dank rekordniedriger Renditen dank QE und dem unsicheren Schicksal der Eurozone unterstützt. Jetzt normalisieren sich die Renditen und damit auch die langfristigen fiskalischen Auswirkungen des Staatsdefizits, was wiederum zu einem Aufwärtsdruck auf die Zinssätze führt, da die Nachfrage nach Staatsanleihen nachlässt.

Mit anderen Worten, die US-Finanzen befinden sich jetzt in einem gefährlichen Zyklus der zu mehr Schulden führt.

Es bedarf eines seltenen politischen Willens, um das Steuerschiff des Landes auszurüsten, und je früher es ankommt, desto weniger Schmerzen wird es auf lange Sicht geben. Sollten die Washingtoner Politiker das Problem jedoch weiterhin ignorieren, könnte sich das endgültige Ende der CBO-Prognosen von 2048 auf ein völlig anderes globales Finanzsystem auswirken.

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2 KOMMENTARE

  1. Eine Sache, die die Leute immer und immer wieder gerne übersehen, wenn es darum geht, über den Krieg und wem er nutzt zu diskutieren, ist folgende: Den meisten ist zwar durchaus bewußt, dass der Krieg ein gutes Geschäft ist. Schon Wallenstein wusste, der Krieg ernährt den Krieg. Waffen, Ausrüstung, Medizin… alles profitable Geschäftsfelder in Tagen des Krieges. Und jeder kapiert auch, was kaputtgeschossen wird, muss hinterher wieder aufgebaut werden. Gegen Einwurf kleiner Münzen, versteht sich.

    Was die meisten im Zuge der Debatte nicht verstehen ist, dass diese Themen aber nur Nebenmusik ist. Der wirkliche „Mehrwert“ des Kriegs ist die Entsorgung von Millionen Anspruchsteller an das System. Renten, Sozialleistungen, medizinische Versorgung… all das kostet den Staat Unsummen. Auch die Ansprüche aus privaten Vorsorgemodellen, Sparguthaben etc. wachsen stätig und können vom System immer schwieriger bedient werden.

    Was ist also praktischer als ein netter, kleiner Krieg, der mal schnell ein paar Millionen Menschen ins Grab schickt. Tote stellen bekanntlich keine Ansprüche mehr und Staat und Kaptialsystem sind fein raus. Das ist die finale, perverse Logik des Kapitalismus. Und wer das nicht glaubt, der soll sich mal die Grafik oben ansehen: Rund 50% aller Staatsausgaben fließen ins Sozialprogramme. Selbst wenn die Regierung der USA den Mumm aufbringt und die Zinszahlung komplett einstellt, würde das Defizit damit nicht ausgeglichen werden. Bei den Sozialausgaben jedoch gibt es viel Potential. Mehr muss man dazu nicht wissen um zu erahnen, welch verführerische Anreize ein Krieg für gewisse Kreise bietet.

    Im übrigen muss die Menschheit so oder so eine Lösung für dieses Problem finden. Der Kapitalismus bietet den Krieg als Lösung. Alternativen dazu gäbe es genügend, aber die offizielle Politik sperrt sich dagegen komplett.

    • Nutzlose Esser werden entsorgt in einem Krieg und nebenbei wird eine Absicherung der Rohstoffquellen durchgeführt um die Kriegskosten hereinzubekommen.

      Der Artikel lässt die gesamten Kriegs/Rüstungskosten vollkommen weg und legt den Fokus auf die Sozialkosten. Warum wohl? Dieser neoliberale Artikel ist mehr als manipulierend es ist eine glatte Irreführung.

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