Venezuela – US-Exzeptionalismus in Reinform

Die Amerikaner versuchen schon seit Jahren in Venezuela einen völkerrechtswidrigen Regime-Change durchzuführen. Das wird in einem blutigen „Bürgerkrieg“ enden.

Von Marco Maier

Man kann den Sozialismus (oder im Falle Venezuelas eher Chavismus) durchaus ablehnen und gegen die venezolanische Regierung sein. Doch dies gibt einem (vor allem den Amerikanern und deren Vasallen) nicht das Recht, eine Gegenregierung zu installieren und das ohnehin schon innenpolitisch fragile und fraktionierte Land direkt in einen blutigen „Bürgerkrieg“ zu treiben, der wohl hunderttausenden Menschen das Leben kosten wird.

Man stelle sich vor, Russland hätte aufgrund des knappen Wahlergebnisses von Macron gegen Le Pen bei der Stichwahl in Frankreich und den ganzen Gelbwesten-Prostesten und den sinkenden Umfragewerten des französischen Präsidenten erklärt, man anerkenne nun die Rechtspolitikerin als Präsidentin des Landes und überlege sich die Entsendung von Truppen zur Unterstützung der „Interimspräsidentin“ – was glauben Sie, was los wäre? Der NATO-Bündnisfall würde einberufen und Russland der Krieg erklärt! Aber die Vereinigten Staaten können natürlich tun was sie wollen.

Und noch einmal: Man kann gegen die Maduro-Regierung sein und das korrupte System (welches jedoch sicherlich nicht weniger korrupt als das alte System ist) anprangern, doch das gibt Washington nicht das Recht, sich dort so aktiv einzubringen, wie es derzeit der Fall ist. Und wenn ein Vizepräsident Mike Pence laut einem Reuters-Bericht vom Sonntag angekündigt hat, bei einem Treffen mit lateinamerikanischen Führern heute Montag in Bogota „konkrete Schritte“ und „deutliche Aktionen“ hinsichtlich der Krise in Venezuela zu verkünden, dann ist das faktisch schon eine Kriegserklärung gegen das südamerikanische Land.

Gerade die Amerikaner und deren Sprachrohre, die nicht müde werden, Russland und China dazu aufzuforden, das internationale Recht zu achten, scheren sich doch selbst einen Scheißdreck um eben jenes. Venezuela ist doch das aktuellste Beispiel dafür, wie Washington das Völkerrecht – wieder einmal – rigoros mit Füßen tritt und durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Die Durchsetzung der US-Politik mit evangelikalen Neocons (die sich gerne auf das „Alte Testament“ der Bibel berufen) dürfte hierbei eine große Rolle spielen.

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An dieser Stelle kann man durchaus prophezeien, dass es in spätestens ein bis zwei Jahren in Venezuela in einem blutigen „Bürgerkrieg“ versinkt, der von Washington (wie z.B. in Syrien) massivst befeuert wird. Wir sehen jetzt schon die mediale Propaganda, die wir 2014 auch in Sachen Maidan-Proteste in der Ukraine zu Gesicht bekamen. Das ist eine reine Vorbereitung darauf, militärische Gewalt gegen „den bösen Diktator Maduro“ moralisch gegenüber der Öffentlichkeit rechtzufertigen (und trotzdem gegen das Völkerrecht zu verstoßen). Aber wen interessiert schon das Völkerrecht, wenn man doch „moralisch“ auf der richtigen Seite steht.

Das kennt man doch auch von der „Brutkastenlüge“ zur Rechtfertigung des Irak-Krieges und von den „Maidan-Schüssen“ (welche von georgischen Scharfschützen abgefeuert wurden, um Präsident Janukowitsch zu diskreditieren) in der Ukraine. Und heute? Da wird dem Maduro-treuen Militär vorgeworfen, auf Oppositionelle im Grenzgebiet zu Kolumbien geschossen zu haben, die jedoch auch „humanitäre Hilfe“ der USA erhielten – und dabei wohl auch noch Waffen geliefert bekamen, wie ein aufgedeckter Fall zeigt, über den wir erst kürzlich auf Contra berichteten.

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Ein Kommentar

  1. Richtig.
    Man brauch nur zu vergleichen wie bei Bündnispartnern mit zweierlei Maß gemessen, was dort alles verschleiert und unter den Teppich gekehrt odet welche seitenverkehrten Inszenierungen ins Leben gerufen werden.

    Man kann nicht anders als zum Ergebnis zu kommen, dass diese davon ausgehen ein Meer von Trottel vor sich zu haben, denen sie im Verbund mit gleichgeschalteten Medien buchstäblich alles erzählen können.

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