Nach dem tödlichsten Terroranschlag seit dreißig Jahren durch pakistanische Islamisten will die Regierung in Neu Delhi im umstrittenen Kaschmir-Gebiet militärisch vorgehen.

Von Marco Maier

Nach einer relativen Ruhepause, die im Jahr 2018 durch eine Handvoll kleiner Terroranschläge und militärischer Übungen entlang der Kontrolllinie im geteilten Kaschmir unterbrochen wurde, eskalieren die Spannungen zwischen den beiden nuklear bewaffneten Nachbarn Südasiens – Indien und Pakistan – als erneut Selbstmordattentäter einen Anschlag durchführten, bei dem 44 indische paramilitärische Polizeibeamte in der unruhigen Grenzregion ums Leben kamen. Dies war der tödlichste Angriff seit drei Jahrzehnten des Aufstands in Kaschmir.

Laut der Financial Times wurde die Beziehung zwischen den Nachbarländern im Laufe des Wochenendes zunehmend angespannt, als Indien eine militärische Reaktion auf den Angriff der pakistanischen Terroristengruppe Jaish e-Mohammad (JeM) in Erwägung zog. Eine islamistische Gruppe, von der Indien glaubt, dass sie zumindest die stillschweigende Unterstützung des pakistanischen Militärs hat. Eine direkte Reaktion war die Verdreifachung der Zölle auf pakistanische Waren, nachdem das Nachbarland zuvor bei den Importsteuern bevorzugt behandelt wurde.

Indische Militärquellen teilten der FT bereits mit, dass Modi – der in den kommenden Monaten vor einer eng ausgehenden Wahl steht und wahrscheinlich versuchen wird, militärisch zu reagieren. Wahrscheinlich ist die Stationierung von Kampfjets in der Grenzregion und die Durchführung von Luftangriffen auf den pakistanischen Teil Kaschmirs. Der indische Ministerpräsident schwor nach dem Anschlag, „jede Träne zu rächen“, so dass er nicht darum herum kommt, militärisch zu reagieren.

Unterdessen haben pakistanische Beamte mit westlichen Mächten zusammengearbeitet, um sie zu überzeugen, Indien zu zügeln. Da sich das Verhältnis der USA zu Pakistan unter der Regierung Trump ebenfalls verschlechtert, ist nicht klar, wie effektiv diese Anstrengungen sein werden. In einem über das Wochenende verschickten Tweet warnte der Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, Pakistan müsse „gegen JeM und alle Terroristen, die von seinem Territorium aus operieren, vorgehen“.

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Neu-Delhi hat Pakistan vorgeworfen, JeM die „volle Freiheit“ zu gewähren, und fordert die Regierung in Islamabad auf, unverzüglich und „überprüfbare“ Schritte zu unternehmen, um gegen die Gruppe vorzugehen. Unterdessen hat Pakistan jegliche Verantwortung abgelehnt und stattdessen den Angriff auf die Ausfälle der indischen Geheimdienste verantwortlich gemacht.

Sollte der Konflikt tatsächlich eskalieren und es zu einer ernsthaften militärischen Auseinandersetzung kommen, ist sogar ein Atomkrieg möglich. Zwar hofft man noch auf die Vernunft der führenden Politiker beider Länder, doch was, wenn die Hardliner das Ruder übernehmen? Denn während Indien zugesagt hat, seine Atomwaffen niemals als Erstschlag einzusetzen, erklärt Pakistans Militärdoktrin, dass es nicht zögern würde, taktische Atomwaffen einzusetzen, wenn es von Indien angegriffen wird, das über weitaus stärkere konventionelle Feuerkraft verfügt.

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One thought on “Nach Terroranschlag: Indien riskiert einen Krieg mit Pakistan”

  1. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt und genau solche Imponderabilien können die Welt über Nacht auf den Kopf stellen und die Auswirkungen wären aus heutiger Sicht überhaupt nicht bezifferbar, da es bislang noch keine Vergleiche gibt, würde ein Atomschlag in größerem Ausmaß eintreffen und nicht umsonst haben sich ehemalige Entwickler der Wasserstoffbombe am Ende ihres Lebens die Haare gerauft, weil sie erkannt haben, welches Monster sie erschaffen haben und damit müssen wir nun alle leben und es wird täglich unberechenbarer und das kann uns alle schneller um die Ecke bringen, als wir annehmen, verhindern läßt es sich vermutlich nicht.

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