Ein enger Vertrauter von Papst Franziskus und hoher Vatikan-Beamter, wurde in einem Kinderschänderprozess in Australien der Vergewaltigung von Minderjährigen für schuldig befunden.

Von Marco Maier

Der ehemalige drittmächtigste Beamte des Vatikans und der älteste katholische Beamte Australiens, Kardinal George Pell, wurde in Melbourne in einem Gerichtsverfahren wegen Kindesmissbrauchs für schuldig befunden. Das Urteil wurde am 11. Dezember verhängt, war aber bis jetzt einer einstweiligen Verfügung unterworfen, während ein früheres Verfahren wegen derselben fünf Anklagen zu einer hängenden Jury geführt hatte, was zu einem erneuten Verfahren führte. Wir berichteten bereits vor zwei Jahren von den Anschuldigungen.

Top-Kardinal Pell ein Kinderschänder?

Pell, der Schatzmeister des Vatikans, wurde von der Jury für schuldig befunden, ein Kind unter 16 Jahren sexuell penetriert zu haben, zusammen mit vier Anklagen wegen einer unanständigen Handlung mit einem Kind unter 16, wie The Guardian berichtet. Pell wird vorgeworfen, zwei zu dem Zeitpunkt (Dezember 1996) 13 Jahre alten Chorjungen oral vergewaltigt zu haben, die er dabei erwischte, wie sie auf einem Kirchenflur Messwein getrunken hatten. So berichtet die britische Zeitung:

„Nach dem Verlassen der Prozession, so der Beschwerdeführer, schlichen er und der andere Junge in die Kirchengänge und betraten die Sakristei des Priesters, einen Ort, von dem sie wussten, dass sie dort nicht sein sollten. Dort fanden sie sakramentalen Wein und begannen zu trinken. Der Beschwerdeführer behauptete, Pell sei hereingekommen und sagte ihnen, dass sie in Schwierigkeiten stünden.

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Pell manövrierte seine Roben, um seinen Penis freizulegen. Er trat vor, packte den anderen Jungen am Hinterkopf und zwang den Kopf des Jungen an seinen Penis, sagte der Beschwerdeführer dem Gericht.“

In einem anderen Vorfall, so erzählte der Ankläger, dass Pell ihn 1996 oder 1997 erneut angegriffen hatte, als er den Flur entlang in einen Umkleideraum für Choristen ging. Der hochrangige Kirchenführer bekannte sich nicht schuldig zu den Anschuldigungen und bezeichnete sie in einem aufgezeichneten Interview vom Oktober 2016 als „eine Ladung von Müll und Falschheit“.

Papst Franziskus, der Pell für seine Ehrlichkeit und die Reaktion auf den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester und andere katholische Kleriker gelobt hat, hat bislang noch nicht öffentlich reagiert. Aber nur zwei Tage nach dem in der Öffentlichkeit nicht bekannt gemachten Urteil im Dezember gab der Vatikan bekannt, dass Pell und zwei andere Kardinäle aus dem Beraterkonzil des Pontifex entfernt worden waren. Pells Verurteilung und die sehr wahrscheinliche Inhaftierung werden in der globalen katholische Versammlung Schockwellen auslösen und sind ein Schlag für Papst Franziskus‘ Bemühungen, den sexuellen Missbrauch durch seine Kleriker in den Griff zu bekommen.

Bevor Pell nach Australien zurückkehrte, um sich der Anklage zu stellen, war er drei Jahre lang als Präfekt des Sekretariats für die Wirtschaft des Heiligen Stuhls tätig und „damit zu einem der höchsten Katholiken der Welt“, so der Guardian. Pell galt als einer der vertrauenswürdigsten Berater von Papst Franziskus – er wurde von ihm ausgewählt, um die Finanzen des Vatikans zu überwachen und die Korruption auszumerzen.

Pell blieb laut dem Bericht stumm und emotionslos stehen, als das Urteil nach dem mehr als einen Monat andauernden Gerichtsverfahren vorgelesen wurde. Sein Verteidiger, Robert Richter, sagte, er werde die Entscheidung „absolut“ akzeptieren.

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3 thoughts on “Kinderschänder: Langjähriger Papst-Vertrauter schuldig gesprochen”

  1. Wir werfen dem Islam vor er sei totalitär, weil der Koran in alle Lebensbereiche eingreift und dennoch sind wir davon nicht weit entfernt, denn auch unsere Gesetzgebung orientiert sich an der Bibel und die Stellvertreter Gottes auf Erden mischen ja schon seit Jahrtausenden kräftig in der Politik mit, sogar mit eigener Gesetzgebung, dem kanonischen Recht und solange sich das nicht ändert, wird auch bei uns der Einfluß auf das tägliche Leben ebenso groß bleiben, wenn auch subtiler und allein der Begriff der Blasphemie beweist eigentlich, daß ihre Interessen hoch geschützt bleiben, während die Interessen der Kinder und Jugendlichen mit Füßen getreten werden und alles sieht zu und läßt sie immer noch gewähren, welch ein Wahnsinn.

  2. In Österreich stehen die Pfaffen außerhalb des gewöhnlichen Rechtes. Das nennt sich Konkordat und zugleich sieht man was unsere „Demokratie“ wert ist. Fleißig wählen gehen, bringt keine Linderung.

  3. Die Katholische Kirchengeschichte zeigt, in der Vergangenheit bis in die Gegenwart, dass ureigendste Bedürfnisse des Menschen – wie das Ausleben des Sexualtriebs – nicht auf Dauer unterdrückt werden können. Martin Luther hat vor langer Zeit einige Reformen gemacht und weitere Reformen in der Katholischen Kirche sind notwendig und längst überfällig. Diese Menschen- und Frauenverachtende Männergesellschaft ist kriminell.

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