Der globale Wohlstand wird schwinden

Die Bevölkerung in den armen Ländern wächst, jene in den wohlhabenderen Ländern schrumpft. Insgesamt wird sich ein globaler Wohlstandsverlust einstellen der alle zusammen betrifft.

Von Marco Maier

Bis zum Jahr 2040 soll die Weltbevölkerung von aktuell rund 7,7 Milliarden Menschen auf etwa 9,2 Milliarden wachsen. Doch trotz Fortschritten in den armen Ländern dieser Welt wird der globale Wohlstand insgesamt abnehmen, weil die armen Länder den Verlust der wohlhabenderen Länder nicht ausgleichen können. Die nachfolgende Grafik vom „Economica blog“ verdeutlicht die Bevölkerungsentwicklung seit 1950 mit der Prognose bis zum Jahr 2040.

Dabei wird die Welt laut Daten von UNO und Weltbank in zwei etwa gleich große Hälften zu 3,9 Milliarden Menschen in den wohlhabenderen und 3,8 Milliarden Menschen in den ärmeren Ländern. Das Pro-Kopf-Einkommen in den wohlhabenderen Ländern reicht hierbei von 4.000 bis 80.000 US-Dollar (durchschnittlich rund 16.000 US-Dollar) und von ein paar hundert bis 4.000 US-Dollar mit einem Durchschnitt von rund 1.600 US-Dollar – also etwa einem Zehntel der oberen Hälfte.

Zwar nimmt das Bevölkerungswachstum weltweit ab, wie auch die nachfolgende Grafik zeigt, doch dies geht vor allem zulasten der wohlhabenderen Länder, die noch bis in die 1980er-Jahre ein nennenswertes Plus vorweisen konnten.

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Diese Länder starteten im Jahr 1967 mit 2,1 bzw. 0,2 Billionen Dollar beim gesamten Bruttonationaleinkommen, welches sich bei den wohlhabenderen Ländern bis zum Jahr 2000 auf 32 Billionen Dollar verfünfzehnfachte. Die ärmeren Länder hingegen konnten ihr Bruttonationaleinkommen lediglich auf 1,3 Billionen Dollar versechseinhalbfachen. Das heißt: Die „obere Hälfte“ konnte ihr Einkommen mehr als doppelt so stark wachsen lassen wie die „untere Hälfte“. Besser wurde es dann in den 2000er-Jahren, wo die wohlhabenderen Länder ihr Bruttonationaleinkommen auf 71 Billionen Dollar mehr als verdoppeln konnten, während die ärmeren Länder mit 6,8 Billionen Dollar mehr als das Fünffache verdienten.

Beim Einkommen pro Kopf (siehe Grafik unten) werden die Verschiebungen unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung deutlich. Konnten die wohlhabenderen Länder ihr Pro-Kopf-Einkommen von 800 Dollar im Jahr 1967 über 3.800 bzw. 9.200 Dollar in den Jahren 1981 bzw. 2000 bis zum Jahr 2017 auf 16.400 Dollar mehr als verzwanzigfachen, starteten die ärmeren Länder mit rund 100 Dollar, schafften es im Jahr 1981 und im Jahr 2000 auf gerade einmal 500 Dollar, und dann im Jahr 2017 auf magere 1.600 Dollar. Wobei hier die Wirtschaftskrisen zu Beginn der 2000er und 2007/2008 dazu führten, dass gerade die Industriestaaten größere Rückschläge hinnehmen mussten.

Besonders dramatisch wirkt sich die Überalterung in den wohlhabenderen Staaten aus, während die ärmeren Länder (vor allem Dank Afrika) eine durchschnittlich jüngere Bevölkerung haben. In der nachfolgenden Grafik sehen sie das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum in der Altersgruppe von 0 bis 44 Jahren im Vergleich zum allgemeinen Bevölkerungswachstum. Von den jährlich im Schnitt 61 Millionen Menschen mehr in den ärmeren Ländern waren ganze 37 Millionen in diesem Bracket, bei den wohlhabenderen Ländern gab es bei 20 Millionen Plus insgesamt ein jährliches Minus von sieben Millionen bei den Menschen im Alter von 0 bis 44 Jahren. Bis zum Jahr 2040 werden die ärmeren Länder ein jährliches Bevölkerungswachstum von durchschnittlich 58 Millionen haben – bei Plus 27 Millionen bei den 0-44-Jährigen. Und die wohlhabenderen Länder? Da werden jährlich nur rund drei Millionen Menschen mehr leben, während die jüngere Bevölkerung dort weiterhin jährlich um sieben Millionen abnimmt.

Die globale Wirtschaftsnachfrage wird voraussichtlich zurückgehen, da jedes Jahr kleinere Wellen von jungen Erwachsenen (mit Einkommen, Ersparnissen und/oder Zugang zu Krediten) in die Wirtschaft eintreten. Das japanische und deutsche Modell des Exports durch Depopulation funktionierte, solange die globale Importflut anstieg. Für Japan, Deutschland und insbesondere China gibt es diesen Weg nicht mehr. Der geringe Wohlstand der reichen Bevölkerung führt jedoch zu einem asymmetrischen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität.

Ohne das Nettowachstum der Konsumenten sind weitaus weniger neue Fabriken erforderlich, weitaus weniger Infrastrukturauf- und -abbau, weitaus weniger Wohnungsneubestand, weniger Mitarbeiter. Bestehende Überkapazitäten sind offensichtliche Verluste. Ohne Wachstum fallen die überverschuldeten und überschuldeten Banken unter das Gewicht der nicht zu übertragenden Kredite. Während die globale Verstädterung unvermindert anhalten wird, wenn sich junge Menschen wegen beruflichen Chancen in die Städte begeben, wird dies den ländlichen Fall in den Abgrund nur noch verschlimmern und beschleunigen.

Das Wachstum der armen Völker (mit nur geringfügig steigenden Einkommen im Verhältnis zu den „Wohlhabenden“) kann die Rückgänge bei den Wohlhabenden bei weitem nicht kompensieren. Abgesehen von der wachsenden „wohlhabenden“ Nachfrage haben die armen Länder einen schrumpfenden Exportmarkt und ein abnehmendes Mittel, um ihr eigenes Wirtschaftswachstum und ihre eigene Entwicklung fortzusetzen.

Die wirtschaftliche Kapazität wird durch Innovation, Automatisierung, KI und viele weitere Mittel zur weiteren Steigerung des Angebots weiter steigen. Gleichzeitig eine sinkende Nachfrage und steigende Produktionskapazitäten zu haben führt zu Deflation, Depression und weiterer Entvölkerung. Wir stehen vor einer Epoche, in der es zu enormen gesellschaftlichen und sozialen Umwälzungen kommen wird. Sowohl in den wohlhabenderen als auch in den ärmeren Ländern. Und die Politik? Die interessiert das nicht.

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2 Kommentare

  1. Um aus einem Topf zu entnehmen, muß man ihn zuerst füllen.
    Politiker durch die Demokratenbank erweisen sich diesbezüglich in aller Regel als H.söhne.
    brauchen Diktatoren nichts über Finanzen nichts vorzuwerfen.

  2. Jetzt lassen wir mal den Crash vorübergehen, dann schauen wir, was für Währung wir wollen. Ist sie goldgedeckt, wird’s für die Fleißigen nur aufwärts gehen. Dann haben wir gewiss keine 70% Steuerlast mehr und entsprechend weniger Schmarotzer, vulgo POlitiker und Beamte.
    Buchtipp: Das Kapitalismus Komplott, von Oliver Janich.

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