Qatargas besitzt 70 Prozent, Shell 30 Prozent des Flüssiggases LNG in Katar - Bild: Flickr.com/ Shell CC BY-NC-ND 2.0

Ein Schritt, der weder Energieexperten noch diejenigen die geopolitische Nachrichten in Europa verfolgen, überraschen sollte.

Von Tim Daiss / Oilprice.com

Der russische Gasgigant Gazprom sagte am Donnerstag, er wolle nach dem rekordhohen Export von 2018 einen noch größeren Marktanteil für den Gasmarkt in Europa gewinnen, da er mit einem Rückgang der europäischen Gasproduktion und steigender Nachfrage rechnet.

Im vergangenen Jahr verkaufte Gazprom mehr als 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas an Europa, einschließlich der Türkei, während der Gasmarktanteil in der Region auf über ein Drittel stieg, zitiert Oilprice.com aus einem Bericht von Reuters.

Elena Burmistrova, zuständig für die Exporte von Gazprom, sagte, das Unternehmen könne einen Produktionsrückgang in der EU ausgleichen, vor allem im niederländischen Groningen, dem einst größten Erdgasfeld Europas. „Auch die Produktion der Nordsee geht allmählich zurück … So wird der Raum für russisches Gas frei“, sagte sie am Rande der Europäischen Gaskonferenz in Wien.

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Zukünftige Gaskriege

Gazprom machte die Aussage, da die Gasproduktion der EU in den nächsten 12 Jahren voraussichtlich abnehmen wird. Unabhängig von der möglichen Entwicklung nicht-traditioneller Erdgasvorkommen wird die Produktion gegenüber 2013 um 43 Prozent zurückgehen, sagte der russische National Energy Security Fund (NESF) kürzlich. Darüber hinaus prognostiziert die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA), dass sich die Gasproduktion der EU bis 2040 halbieren wird.

Die schwindende Produktion ist auch darauf zurückzuführen, dass eine Reihe von EU-Staaten bereit ist, sich von der übermäßigen Abhängigkeit von Atomkraft und Kohle, die zur Stromerzeugung benötigt werden, zu lösen. Dadurch bleiben erneuerbare Energien, insbesondere Sonnen- und Windkraft, und Flüssigerdgas-Einfuhren (LNG) erhalten. Alle diese Quellen benötigen jedoch mehr Zeit und Geld, um sich weiterzuentwickeln, bevor sie einen größeren Prozentsatz des Energiemixes des Blocks hinzufügen können.

Durch den Wettbewerb um mehr Gasmarktanteile in Europa werden zudem sowohl die geopolitischen als auch die Energieanforderungen zunehmen, was russische Pipelinexporte ausmacht, aber auch mehr LNG, da das Land seinen LNG-Sektor entwickelt, im Vergleich zu höherpreisigen US- und Katar-LNG. Unterdessen könnte sich Katar (der weltweit führende LNG-Exportführer und die USA, die bald der drittgrößte LNG-Exporteur sein werden), mittel- bis langfristig aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen für LNG-Verbindungen verpflichten.

Katar investiert bereits jetzt stark in den US-amerikanischen LNG-Sektor als reines Diversifikationsspiel, da die US-amerikanische Produktion beginnt, sich im Wettbewerb um europäische und asiatische Marktanteile zu behaupten. Der asiatisch-pazifische Raum macht 72 Prozent der weltweiten LNG-Nachfrage aus, wobei dieser Betrag angesichts der grassierenden chinesischen LNG-Nachfrage voraussichtlich auf 75 Prozent steigen wird.

Russland hatte in Europa ein jahrzehntelanges Erdgasmonopol, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestand, und hatte einen geopolitischen Vorteil gegenüber den EU-Mitgliedern, insbesondere Polen und den baltischen Staaten. Moskau hat auch in der Vergangenheit die Gasversorgung inmitten des Winters unterbrochen, um ein politisches Statement auszusenden und die EU-Staaten von der russischen Gasversorgung abhängig zu machen.

Deutsche Naivität

Allerdings versuchen immer mehr EU-Mitgliedstaaten, sich von Moskaus Erdgasversorgung zu lösen, indem sie sich mehr LNG zuwenden, insbesondere US-amerikanisches LNG. Andere große EU-Akteure, insbesondere Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU, scheint uncharakteristisch naiv über die Risiken der Abhängigkeit vom russischen Gas zu sein. Berlin hat die umstrittene Nord Stream 2-Gaspipeline genehmigt und vorangebracht.

Bei Nord Stream 2 handelt es sich um eine Erdgaspipeline, die von russischen Gasfeldern nach Deutschland auf dem Boden der Ostsee verläuft und bestehende Landstraßen über die Ukraine, Polen und Weißrussland umgeht. Die derzeitige Kapazität der bestehenden Nord Stream-Pipeline von 55 Mrd. m³ würde verdoppelt werden. Die USA haben jedoch lange behauptet, dass dies die europäische Sicherheit bedrohe, während die USA einen großen Teil der Absicherung dieser Sicherheit ausmachen.

Am 29. Januar berichtete die deutsche Nachrichtenagentur, Deutsche Welle, unter Berufung auf einen der Ingenieure des Projekts, dass die Erdgasleitung Nord Stream 2 bis November betriebsbereit sein soll.

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17 KOMMENTARE

  1. Wann konkret (Datum, Dauer) in der einenVergangenheit soll Russland die Gasversorgung inmitten des Winters für Europa unterbrochen haben ?
    Bin sehr irritiert darüber, so einen Artikel auf contra zu lesen.

    • Ukraine 2014, schon vergessen? Sie können irritiert sein wie viel sie wollen, aber es ist wahr – einfach googlen, dafür haben sie ja das Werkzeug!

      • @ C, man muss nicht nur lesen können, sondern das Gelesene auch verstehen 😉
        Die Ukraine hat damals jede Menge Gas geklaut – man sprach vom „Gasstreit“ und Gazprom wollte wegen der massiven Diebstähle nur noch gegen Vorkasse liefern.

        Die Nordstreamleitung 1 hat damals Deutschland weiterhin versorgt. – Problemlos!

        Der Artikel ist wirklich nur mit zwei Fingern anzufassen, denn wo hatte Russland z.B. bis zum Ende von WKII in Europa ein Gas-Monopol, wie der witzige Autor das so mal eben behauptet – den Rest kann man auch in der Pfeife rauchen.

        CM bitte mehr Sorgfalt bei der Auswahl – wollt Ihr auf BILD bis SZ Niveau kommen?

        • so problemlos war das nicht, Europa besteht nicht nur aus Deutschland – falls ihnen das schon aufgefallen ist, Bulgarien war leer ….sogar Österreich musste seine großen Gaslager schön beanspruchen. Bildniveau oder SZ wäre fürs Contra Magazin gar nicht schlecht, nämlich beim Bekanntheitsgrad und bei den Einnahmen 🙂

          • @ C, dein Hinweis bezüglich BILD bis SZ ist sehr sinnreich, denn die Lügenpresse befindet sich wahrlich auf dem absteigenden Ast.

          • @ C. Deine Ironie ist nur vernebelter Geist. Du reitest auf einem toten Pferd. Steige ab und du wirst erfahren wie glücklich sein funktioniert.

      • Googeln ist immer eine gute Idee und dann bitte auch alternative Medien mit einbeziehen. Auf Rubikon gab es am 04.10.2018 einen sehr umfassenden Artikel mit dem Titel „Der Gas-Streit“.

        https://www.rubikon.news/artikel/der-gas-streit

        Dieser Streit fing schon im Jahr 2005 an. Ab 01.01.2009 wurde der Ukraine zum ersten Mal das Gas abgedreht, allerdings nicht die Pipelines die nach Europa Gas lieferten.

        Mein Fazit: Würde ich als Verbraucher geliefertes Gas nicht bezahlen, dann würde man mir ganz sicher ebenfalls das Gas abstellen und würde ich von der Nachbarleitung die durch mein Kellerabteil führt Gas stehlen, dann müsste ich mich sicherlich vor Gericht dafür verantworten. Außerdem würde der Gaslieferant dann lieber eine Leitung durch die Ostsee legen als mir weiterhin die Chance zu geben sein Gas zu klauen. Shit happens.

      • Kein Geld, kein Gas. So einfach ist die Erklärung. Können Sie übrigens auch googeln, wie auch der Verdacht, das die Ukraine für Europa bestimmtes Gas abgezweigt hat.
        Im Übrigen was Deutschland braucht sind starke Partner und keine Pleitestaaten.

      • Die Ukraine hat die Gasversorgung nach Zentraleuropa gedrosselt .
        Die ist ein klarer Hinweis auf die Notwendigkeit einer direkten Verbindung mit dem Ausschluss von Staaten, die gegen Russland opponieren.

  2. Commentarius, Sie vergessen zu sagen, warum Russland die Gaslieferungen seinerzeit reduzierte: Die Ukraine bezahlte ihre Gasrechnung nicht und zweigte für uns bestimmtes Gas widerrechtlich ab. Lieferungen an uns wurden stets korrekt abgewickelt. Nordstream ist die Antwort auf die Unzuverlässigkeit der Ukraine.

    • „Nordstream ist die Antwort auf die Unzuverlässigkeit der Ukraine.“ – so ist es.
      Ich bin davon überzeugt, das „Gasabzapfen“ der Ukraine ist nicht allein aus wirtschaftlicher Not geschehen. Welchen Akteuren ist das denn damals mehr als gelegen gekommen, diese Frage zu diskutieren kommt dem Autor nicht einmal in den Sinn. Stattdessen faselt er von „uncharakteristischer Naivität“ seitens der EU-Staaten.
      “ Unterbrechung der Gasversorgung als politisches Statement“ seitens Russlands – genau so ein Blödsinn, denn eine solche Unterbrechung hätte die EU-Staaten doch wohl dazu bewogen , sich nach anderen Lieferanten umzusehen. Und das war von den initiierenden Akteuren auch gewollt. Ich denke, die gleichen Akteure , die auch in Syrien im Hintergrund „die Fäden gezogen“ haben, sind für die Aktionen verantwortlich. Und überhaupt, wie wäre ein Import von Gas aus den USA mit Hinblick auf ausgerufenen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit überhaupt zu vertreten?

  3. US-Propaganda. Die USA könnten sich ja wie richtige Kapitalisten im Markt behaupten. Das fällt aber schwer, wenn man sein „Produkt“ für einen deutliche höheren Preis anbietet als die Konkurrenz. Dann versucht man es mit unlauteren Methoden indem man den Kunden bedroht und mit mieser Propaganda überzieht. Wer kauft bei solchen Händlern?

    • Die Propaganda wird aber von Vielen erst erkannt werden, wenn behauptet wird, dass sich russische Hacker über die Pipeline einschleichen werden. Ob von Allen erkannt? Das glaube ich aber selbst in diesem Fall nicht.

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