Indiens militärische Vergeltung für den islamistischen Anschlag in Kaschmir könnte zu einem Krieg mit Pakistan führen. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter.

Von Marco Maier

Der pakistanische Premierminister Imran Khan reagierte auf die dramatische Eskalation am Dienstag mit Indien, seine Streitkräfte und die Öffentlichkeit dazu anzuhalten, „auf alle Eventualitäten vorbereitet“ zu sein. Gestern hatten (wir berichteten) indische Kampfflugzeuge Terrorcamps von Islamisten im pakistanisch besetzten Kaschmir angegriffen, wurden jedoch von der pakistanischen Luftwaffe zurückgedrängt. „Indien hat sich unangemessen zur Aggression verpflichtet, auf die Pakistan zu dem Zeitpunkt und am Ort seiner Wahl reagieren soll“, sagte Khans Büro kurz nach der Verletzung des pakistanischen Luftraums.

„Es wird eine Art Eskalation geben“, sagte Kamran Bokhari, Experte für pakistanisch-indische Beziehungen am Centre for Global Policy der University of Ottawa, gegenüber Bloomberg. „Pakistan wird zurückschlagen müssen – ich sage nicht, dass dies zu einem Krieg führen wird, aber ich sehe nicht, dass es vorbei ist.“ Die indischen Armee-, Marine- und Luftwaffenchefs lobten Premierminister Narendra Modi inzwischen für seine mutigen Taten und unterstrichen die Bereitschaft des Militärs, sich mit „möglichen Gegenmaßnahmen“ von Islamabad zu befassen.

Das umstrittene Gebiet Jammu und Kaschmir mit der faktischen Grenze zwischen Indien und Pakistan. Links das Ziel der indischen Luftwaffe. Grafik: Bloomberg

Indien wirft der pakistanischen Führung vor, die islamistischen Milizen der Jaish-e-Mohammed (JeM) in Kaschmir gewähren zu lassen und nichts gegen das Trainingscamp bei Balakot (siehe Karte oben) unternommen zu haben. Deshalb habe man einen „taktischen Schlag“ ausgeführt, der mindestens 300 Islamisten das Leben gekostet haben soll. Laut pakistanischen Angaben sollen die Bomben jedoch im Nirgendwo gelandet sein, wo sie niemanden verletzten und auch keinen Schaden an Gebäuden angerichtet hätten.

Der indische Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, VK Singh, forderte, der „Terrorismus muss ausgerottet werden“, und da das Jaish-e-Mohammed-Lager unter freiem Himmel operierte, „musste Indien Maßnahmen ergreifen, damit diese Dinge gestoppt werden können“. Indische Regierungsvertreter haben betont, dass sie Pakistan viele Warnungen und Möglichkeiten gegeben haben, das Terror-Trainingslager zu bekämpfen. Allerdings sei nichts geschehen.

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Sollte es zu einem (nicht-nuklear geführten) Krieg zwischen den beiden Ländern kommen, ist Indien jedoch deutlich besser aufgestellt als Pakistan. Neu Delhi verfügt über etwa doppelt so viele Soldaten, Kampfflugzeuge, Panzer, Artillerie und Raketenwerfer. Auch die Marine ist stärker als jene des Nachbarlands, welches lediglich über mehr Kampfhubschrauber verfügt, jedoch über keinen Flugzeugträger wie Indien. Bei den Nuklearsprengköpfen herrscht mit 140 (Indien) zu 150 (Pakistan) in etwa Gleichstand.

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One thought on “An der Schwelle zum indisch-pakistanischen Krieg”

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