Nachdem die USA in Sachen Syrien weiterhin darauf beharren, die kurdischen Milizen zu schonen, sucht Ankara lieber den Schulterschluss mit Teheran und Moskau und lässt Washington links liegen.

Von Marco Maier

US-Sicherheitsberater John Bolton wollte bei seinem Türkei-Besuch Präsident Recep Tayyip Erdogan treffen. Dieser zog es allerdings vor, das Treffen zu überspringen und stattdessen vor dem Parlament den neokonservativen Falken zu attackieren. Grund dafür ist seine Torpedierung des von US-Präsident Donald Trump angeordneten Truppenabzugs aus Syrien.

Es ist nur die nächste Demütigung für Bolton, der am Dienstag aus der Türkei geflogen ist, und für die Politik des Weißen Hauses im Nahen Osten, nachdem er die Vorbedingungen für den Abzug amerikanischer Truppen angekündigt hatte. Darunter auch die Schonung der kurdischen Milizen, die von den USA unterstützt werden. Erdogan bezeichnete dies als „schwerwiegenden Fehler“ und die türkischen Medien zeichneten das Bild eines „sanften Putsches“ gegen Trump, der von Bolton und anderen subversiven Elementen inszeniert wurde.

Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu hat am Mittwoch jedoch weitere provozierende Worte gegenüber den USA geäußert. Er betonte, dass angesichts der „gewissen Schwierigkeiten“ einer verwirrten US-Politik der amerikanische Abzug mit dem Iran und Russland koordiniert werden sollte, um ein Machtvakuum zu verhindern und die Wiederbelebung von Terroristen.

„Die Vereinigten Staaten hatten gewisse Schwierigkeiten beim Abzug der Truppen aus Syrien. Wir wollen diesen Prozess mit Russland und dem Iran koordinieren, mit denen wir im Rahmen des Astana-Prozesses die Arbeit arrangiert haben“, sagte der türkische Außenminister.

Dies würde bedeuten, dass die türkischen Streitkräfte gemeinsam mit Russland Patrouillen durchführen würden, während die USA alle Truppen aus Syrien abgezogen hätten, wie dies zuvor mit den Astana-Verträgen vereinbart worden war. Cavusoglu sagte auch, dass bilaterale Gespräche zwischen der Türkei und dem Iran in Vorbereitung seien, aber den russischen Medien zufolge hatte er keine näheren Angaben gemacht.

Eine engere türkisch-iranische Koordinierung in Syrien wäre eine große rote Flagge für Washington, das seit langem ein politisches Ziel verfolgt, den Iran aus Syrien rauszuhalten. Israel hat sich auch auf die Iran-Frage konzentriert, um zu argumentieren, dass das Weiße Haus den Kurs in Syrien beibehalten muss, oder dass der Nahe Osten der Teheran-Damaskus-Hisbollah-Achse übergeben wird.

In diesem Zusammenhang versuchte Erdogan, die Vision der Türkei nach einer US-amerikanischen Abzugslösung in Nordsyrien zu formulieren. Die Präsidentin der New York Times sagte am Montag: „Präsident Trump hat den richtigen Aufruf zum Rückzug aus Syrien gemacht“ und versprach, jene syrischen Kurden zu schützen, die nicht mit terroristischen Gruppen verbunden sind. Er erwähnte die laufenden Gespräche und die verstärkte Koordinierung zwischen der kurdischen YPG und der syrischen Armee nicht und schlug vor, eine von der Türkei unterstützte „Stabilisierungstruppe“ vor Ort in ehemaligen US-besetzten Gebieten patrouillieren zu lassen.

Angesichts der jüngsten Äußerungen des türkischen Außenministers Cavusoglu scheint es, als ob Erdogan von Moskau um Zustimmung und Koordinierung für einen solchen Plan ersucht, was jedoch die laufenden Gespräche zwischen Assad und kurdischen Vertretern unterstützen dürfte. Oder die provokanten Aussagen könnten auch nur der jüngste türkische Daumen in Washingtons Augen sein.

1 KOMMENTAR

  1. Wenn sich dieser Mann aus Vorderasien nur nicht zu weit aus dem Fenster legt, denn die Russen werden syrisches Staatsgebiet mit verteidigen, ihre Zuverlässigkeit zur syrischen Regierung haben sie ja bislang bewiesen und die einzige Macht, die ihnen im Ernstfall helfen könnten wären die Amerikaner und wenn sie es schaffen deren Präsidenten durch einseitige Maßnahmen zu vergraulen könnte es mehr als bedenklich für ihn werden und seine paar Männeken werden vielleicht kurzfristig etwas erreichen, aber die Gegenseite schläft auch nicht und die Kurden, alsauch die Syrer wissen sehr genau um was es geht und deshalb könnte man nur empfehlen keine unüberlegten Handlungen einzuleiten, denn Trump wird sich auch aus der Ferne nicht in seine Strategie hineinreden lassen und deshalb spielt er ein Spiel mit höchsten Risiken, hoffentlich weiß er es und bringt sich mit unüberlegten Handlungen nicht selbst um die Ecke.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here